Menschen drängen sich zur Weihnachtszeit in der Fußgängerzone von Essen.

Eine Welt in schnellem Wandel


31.5.2012
Der zentrale Stellenwert der Arbeit und auch ihre zwiespältigen Auswirkungen kennzeichnen die heutige Gesellschaft. Sie nimmt einen erheblichen Teil unseres Lebens ein, bestimmt die Einkommenschancen, den sozialen Status und auch oftmals den Freundeskreis. Gleichzeitig ist sie eine Quelle physischer und psychischer Belastungen.

Der zentrale Stellenwert der Arbeit und auch ihre zwiespältigen Auswirkungen kennzeichnen nicht nur die heutige Gesellschaft. Auch die klassische Industriegesellschaft, die sich seit der industriellen Revolution im späten 18. und im 19. Jahrhundert entwickelt hat, war von Konflikten, Belastungen und Ungleichheiten bestimmt. Allerdings hat sich die Arbeitswelt in den letzten Jahrzehnten grundlegend gewandelt. Während Routinetätigkeiten an Bedeutung verlieren, werden Organisations-, Beratungs-, Erziehungs-, Betreuungs- und Managementaufgaben und andere wissens- und kommunikationsintensive Tätigkeiten immer wichtiger. Auch die Organisationsformen von Arbeit und die Beschäftigungsverhältnisse verändern sich: Neben die bürokratisierte Organisation und die technisierte Fabrik treten flexible, projektgruppenförmige Kooperationsnetzwerke; in den Unternehmen wächst neben den unbefristet vollzeitbeschäftigten Mitarbeitern die Zahl der Teilzeitbeschäftigten, der Werkauftragnehmer bzw. "Scheinselbständigen", der von Zeitarbeitsfirmen "geliehenen" Arbeitskräfte, der "Freelancer", der in Heim- bzw. Telearbeit Beschäftigten. Dabei haben sich neue Erwerbsformen mit flexiblen Zeit-, Aufgaben- und Entlohnungsstrukturen herausgebildet. Dieser Wandel ist für viele Beschäftigte auch mit mehr Unsicherheiten, mit Ausgrenzung und mit prekären, instabilen Tätigkeiten verbunden, eröffnet aber auch ganz neue Gestaltungs-, Entfaltungs- und Aufstiegsmöglichkeiten. Dies kann allerdings auch mit Überforderung, mit psychischen Belastungen und einer Entgrenzung von Arbeit und Freizeit einhergehen.
Dieser Wandel der Arbeitswelt wird im Folgenden in sechs Schritten dargestellt: Nach der Klärung der Grundbegriffe (1) und einem kurzen Rückblick auf die Entwicklung der Arbeitsgesellschaft (2) werden in Abschnitt 3 neue Organisationsformen von Arbeit und die dadurch veränderten Arbeitsbedingungen beleuchtet, anschließend die Arbeitseinstellungen (4) und Beschäftigungsformen (5) und schließlich werden zwei ausgewählte Institutionen, die das Arbeitsverhältnis maßgeblich regulieren, in den Blick genommen (6).