Menschen drängen sich zur Weihnachtszeit in der Fußgängerzone von Essen.

Grundbegriffe


31.5.2012
Arbeit dient dem Zweck der Existenzsicherung, um somit materiellen und ideellen Bedürfnisse zu befriedigen. Mit Arbeitswelt wird die sozialen Beziehungen und die Institutionen bezeichnet, die die Arbeit in einer bestimmten Gesellschaft prägen. In der heutigen Arbeitswelt steht die Erwerbsarbeit im Zentrum. Sie ist die wichtigste Quelle von Einkommen und sozialer Anerkennung.

Arbeit und Arbeitswelt

Arbeit im Sinne eines bewussten, planvollen und zielgerichteten Handelns zum Zweck der Existenzsicherung ist ein grundlegendes Merkmal der menschlichen Existenz. Denn der Mensch muss sich mit der Natur und der von Menschen geschaffenen Welt auseinandersetzen, um die Mittel zur Befriedigung seiner materiellen und ideellen Bedürfnisse bereitzustellen. Sein Überleben wird nicht durch ein "Korsett" verinnerlichter Verhaltensprogramme sichergestellt. Die Art, wie gearbeitet wird, ist deshalb gesellschaftlich geprägt. Als Arbeitswelt können die sozialen Beziehungen und die Institutionen bezeichnet werden, die die Arbeit in einer bestimmten Gesellschaft prägen.

Im griechischen Altertum wurden die Tätigkeiten, die für die Sicherung der Existenz erforderlich waren und eine größere körperliche Anstrengung verlangten, als Sklavenarbeit organisiert und dementsprechend verachtet. In der Neuzeit hingegen wird die Arbeit als Quelle allen Reichtums und aller Werte angesehen – und nicht mehr als Mühsal und Last, als göttlicher Fluch. Insbesondere Karl Marx (1818 – 1883) analysierte die Arbeit als Prozess, in dem der Mensch sich selber und seine gesellschaftlichen Bezüge schafft. Diese Aufwertung der Arbeit seit dem 17. Jahrhundert ging mit der Durchsetzung bürgerlicher Arbeits- und Leistungsorientierungen und der Kritik an bloß ererbten Privilegien einher.

Die zentrale Rolle der Erwerbsarbeit in der modernen Gesellschaft

Allerdings steht im Zentrum der heutigen Arbeitswelt keinesfalls jede gesellschaftlich nützliche Tätigkeit, sondern nur eine spezielle Form, die Erwerbsarbeit, d. h. Arbeit, mit der ein monetäres Einkommen auf den Märkten für Arbeitskraft, Güter oder Dienstleistungen erzielt wird. Das Selbst- und Weltbild eines Menschen wird in erheblichem Maße von seiner Stellung im Erwerbsleben bestimmt: "Erwerbsarbeit und das durch sie erzielte Einkommen spielen eine zentrale Rolle für das materielle Wohlergehen, das Selbstverständnis, die Lebenschancen, die Anerkennung und die gesellschaftliche Einbindung der meisten Individuen." (Kocka/Offe 2000: 9) Andere gesellschaftlich notwendige Tätigkeiten (etwa Hausarbeit, Eigenarbeit, Konsum, politisches Engagement, Kindererziehung, Freizeitgestaltung, "Beziehungsarbeit") gelten – sofern sie nicht als Erwerbs- bzw. Berufsarbeit organisiert sind – nicht mehr als richtige Arbeit. Erwachsene in Deutschland sichern ihren Lebensunterhalt zumeist durch Erwerbsarbeit (2006: 47,6 %, Männer zu 57,5 %) und nicht durch Sozialleistungen (8,7 %), Unterhalt von Angehörigen (17,4 %) oder durch eigenes Vermögen und Renten (26,3 %). Erwerbsarbeit kann als selbstständige Tätigkeit und als weisungsgebundene, als abhängige Beschäftigung organisiert sein. Weiterhin kann Erwerbsarbeit nach der Stellung im Beruf (Selbstständige, mithelfende Familienangehörige, Arbeiter, Angestellte und Beamte), der Art des Berufes, der Art der Arbeitszeit (Voll- oder Teilzeit), dem Vertragsverhältnis (befristet oder unbefristet) oder der Sozialversicherungspflichtigkeit der Tätigkeit klassifiziert werden.

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Dass Erwerbsarbeit die wichtigste Quelle von Einkommen und sozialer Anerkennung ist, wird deutlich an der Erwerbsquote, die die Zahl der Erwerbstätigen und Erwerbslosen ins Verhältnis zur Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter (15 – 64 Jahre) setzt. Diese lag 2009 bei 76,9 %. Von den 43,4 Mio. Erwerbspersonen waren 3,2 Mio. erwerbslos und 40,2 Mio. erwerbstätig (davon 35,8 Mio. Arbeitnehmer und 4,4 Mio. Selbstständige). Dementsprechend lag die Erwerbstätigen- bzw. Beschäftigungsquote (der Anteil der Erwerbstätigen an der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter von 15 – 64 Jahren) bei 70,9 %. Damit liegt Deutschland deutlich über dem Durchschnitt der anderen EU-Länder (64,6 %). Die Erhöhung der Beschäftigungsquote und die Senkung der Arbeitslosenquote (2009: 7,8 %) insbesondere durch eine stärkere Einbeziehung von Frauen, Älteren, Jugendlichen und Geringqualifizierten ins Erwerbsleben ist ein zentrales Ziel der Arbeitsmarktpolitik (vgl. Kapitel: Arbeitsmarkt).