Menschen drängen sich zur Weihnachtszeit in der Fußgängerzone von Essen.

31.5.2012 | Von:
Jürgen Wilke

Die Vielfalt von Medien

Die kategoriale Trennlinie zwischen der medienvermittelten Kommunikation und der unmittelbaren persönlichen Kommunikation des Gesprächs wurde im Zuge der Entwicklung der Informations- und Kommunikationstechnik aufgehoben. Mit der Einführung des World Wide Web wurde aus der einseitigen Massenkommunikation ein interaktiver Umgang ermöglicht. Gesteigert wurde diese Möglichkeit durch das "Web 2.0".

Begriffsbestimmungen

Moderne Gesellschaften sind ohne technische Mittel der Kommunikation nicht denkbar. Diese Mittel werden heute üblicherweise als Medien bezeichnet. Allerdings wird dieser Begriff unterschiedlich weit oder eng definiert. Marshall McLuhan, ein berühmter Kommunikationstheoretiker des 20. Jahrhunderts, fasste darunter alle Erfindungen, die zur Überwindung menschlicher (Organ-)Mängel dienen, also z. B. auch die Eisenbahn, das Auto, die Uhr und das Geld (McLuhan 1968). Andere haben zwischen Primärmedien, Sekundärmedien und Tertiärmedien unterschieden (Pross 1972:127 – 262): Der ersten Gruppe werden die Formen des menschlichen Elementarkontaktes zugerechnet, also Gestik, Mimik, Laute, aber auch der Redner, der Demonstrant oder der Bote. Zur zweiten gehören die zur Kommunikation eingesetzten Mittel wie Bild, Sprache, aber auch Brief, Buch und Presse. Als tertiäre Medien gelten schließlich diejenigen, die auf der Sender- wie auf der Empfängerseite das Vorhandensein von Geräten voraussetzen, d. h. Telegrafie, Telefon, Radio und Fernsehen. Diese Systematik ist aber verwirrend, weil sie unterschiedliche Ebenen miteinander vermengt und beispielsweise Druck-(Print-)Medien und elektronische Medien trennt. Außerdem werden Arten von Zeichen selbst schon zu Medien erklärt.

Die Massenmedien

Enger und zweckmäßiger definiert ist der Begriff, wenn unter Medien lediglich die Mittel der Massenkommunikation verstanden werden, also Presse, Film, Hörfunk und Fernsehen. Charakteristisch war für diese bis in die jüngste Zeit, dass Inhalte indirekt und einseitig mit Hilfe einer Vervielfältigungs- oder Übertragungstechnik (Druck, Funkwellen) an eine Vielzahl von verstreuten Empfängern verbreitet werden (disperses Publikum). Damit wurde eine kategoriale Trennlinie gezogen zwischen der medienvermittelten (Massen-)Kommunikation und der unmittelbaren persönlichen Kommunikation des Gesprächs ("face to face"). Demzufolge wäre auch das Telefon in seiner herkömmlichen Form nicht als "Medium" anzusehen, sondern bloß als eine Übertragungstechnik.

Die "neuen" Medien und das Internet als neuer Kommunikationsraum

Die Entwicklung der Informations- und Kommunikationstechnik hat diese Trennlinien jedoch inzwischen hinfällig werden lassen. Das betraf weniger noch die seit den 1970er-Jahren so genannten "neuen Medien", also Kabel- und Satellitenrundfunk sowie Videotext (heute Teletext). Tief greifender war die Veränderung durch Personal Computer und das Internet, die seit den 1990er-Jahren hinzu traten. Dabei ist das Internet selbst weniger ein eigenes Medium als ein »Kommunikationsraum«, in dem verschiedene Kommunikationsmodalitäten Platz haben: Briefeschreiben (Email), Gespräch und Diskussion (Chatten), Spielen. Den klassischen Medien am nächsten steht das World Wide Web (www) mit seiner mittlerweile unüberschaubaren Zahl von "Seiten", die Botschaften auf unterschiedlichste Art – Text, Bild, Video, Audio – präsentieren und (über so genannte Links) miteinander verknüpfen. Damit wurde die Einseitigkeit der Massenkommunikation aufgehoben und ein interaktiver Umgang möglich. Nochmals gesteigert wurde diese Möglichkeit durch das 2004 eingeführte Web 2.0. Jetzt können die Menschen im Netz durch Herstellung, Bereitstellung, Tausch und Weiterverarbeitung von Inhalten miteinander in Verbindung treten. Damit begann im Internet das Zeitalter des User Generated Content: Der Empfänger ist nicht mehr zur Passivität verurteilt, sondern kann selbst aktiv als "Sender" auftreten (z. B. als "Blogger").

Medienkonvergenz als Folge der Digitalisierung

Einen weiteren Entwicklungsschub zieht die technische Digitalisierung nach sich. Elektronische Signale, die bisher analog übertragen wurden, können in eine Folge binärer Zeichen (0 und 1) umgewandelt werden, sozusagen in ein "neues Alphabet". Dies erlaubt eine störungsfreie Übertragung und somit eine Qualitätssteigerung. Darüber hinaus eröffnet die Digitalisierung die Chance, die übertragenen Signale zu reduzieren. Unwichtige Signale können weg gelassen werden. Auf diesem Wege kommt es zu einer Datenkompression, die den Kapazitäts- und Speicherbedarf von Übertragungswegen wesentlich verringert bzw. die Kanalkapazität erhöht. Schließlich ermöglicht die einheitliche "digitale Währung" die Zusammenführung der verschiedenen Kommunikationsmedien. Man spricht hier von Multimedia und Medienkonvergenz. Dieser Konvergenz unterliegen nicht nur die klassischen Massenmedien, sondern auch andere Endgeräte, also Personal Computer, (Mobil-)Telefon sowie weitere Speicher wie MP3-Player, iPod, Smartphone, iPad.