Menschen drängen sich zur Weihnachtszeit in der Fußgängerzone von Essen.

31.5.2012 | Von:
Jürgen Wilke

Struktur und Organisation der Medien

Der Niedergang des Kinofilms

Der Kinofilm litt seit den 1960er-Jahren unter der Ausbreitung des Fernsehens. In der Nachkriegszeit hatte dieses Medium für die Befriedigung der Unterhaltungsbedürfnisse der Menschen noch großen Anklang gefunden. Diese Funktion ging dann zunehmend auf das Fernsehen über. Es kam zu einer Film- und Kinokrise. Diese betraf alle drei Bereiche der Filmwirtschaft: die Filmproduktion, den Filmverleih und die Kinotheater. Dabei wuchs der Anteil ausländischer, insbesondere amerikanischer Filme, die in Deutschland vorgeführt werden. Ging noch 1961 ein Fünftel der Bundesbevölkerung zumindest einmal im Jahr ins Kino, schwankt deren jährlicher Anteil seit Mitte der 1970er-Jahre zwischen 6 und 8 %.

Dem Niedergang des Kinofilms hat man in Deutschland auf mehrfache Weise zu begegnen gesucht. Einerseits durch die Filmförderung, die die Produktion wirtschaftlich erfolgreicher und künstlerisch wertvoller Filme ermöglichen soll. Zum anderen wurden Großkinos gebaut, die so genannten Multiplexe, in denen zahlreiche Vorführsäle ein breites Programm von Filmen anbieten. Diese Kinos tragen der Tatsache Rechnung, dass überwiegend Jugendliche und junge Erwachsene ins Kino gehen. Sie wollen dort mit Freunden und Freundinnen zusammen sein. Überdies sind andere Präsentations- und Vertriebswege von Filmen hinzu getreten. Anfänglich waren dies Videorecorder und VHS-Bänder, deren Ära jedoch 2008 zu Ende ging. An ihre Stelle sind DVD-Spieler und DVDs als Trägermedium getreten. Damit kann man Filme auch zuhause sehen. Das hat auch den Verkauf und den Verleihmarkt für Filme verändert (Turecek/Bärner/Roters 2009).

Telemedien und Online-Medien

Durch die technische Entwicklung sind neben den klassischen Massenmedien so genannte Telemedien entstanden, worunter eine Vielzahl elektronischer Informations- und Kommunikationsdienste fallen. Nicht zu verwechseln sind sie mit den Telekommunikationsdiensten herkömmlicher Art (Telefon, Fax). Die Telemedien basieren nahezu alle auf dem Internet und werden deshalb auch Online-Medien genannt. Es handelt sich beim Internet um ein ausgedehntes elektronisches Netzwerk, das ursprünglich militärischen Zwecken diente und seit den 1990er-Jahren der Allgemeinheit zur Verfügung steht. Zu den Telemedien gehören heute beispielsweise Webshops (amazon.de etc.), Online-Auktionshäuser (ebay.de etc.), Suchmaschinen (google.de etc.), Webmail-Dienste (freenet.de, gmx.de etc.), Chatrooms und Webportale (www.gesundheit.de. etc.). So weit es sich nicht um Rundfunk handelt, sind Telemedien nicht zulassungsbedürftig und können privatwirtschaftlich betrieben werden.

Computertechnik und Internet haben jedenfalls den Anlass gegeben zu zahlreichen unternehmerischen Neugründungen – so genannten "Start ups". Manche davon wurden zu Großunternehmen, wie der Software-Konzern Microsoft, die Suchmaschinen Google und Yahoo, soziale Netzwerke wie Facebook und Myspace, der Kurznachrichtendienst Twitter, Online-Shops wie Amazon oder Ebay. Durch das Web 2.0 ist es schließlich möglich geworden, dass jede(r) Einzelne im Internet als Anbieter auftreten kann, sei es durch Verfassen von Texten (als Blogger), sei es durch das Einstellen von Fotos und Videos (z. B. bei Youtube). Ein Musterfall kollaborativer Produktion ist die Online-Enzyklopädie Wikipedia. Hinsichtlich der Technik zu unterscheiden sind noch IPTV und Web-TV. IPTV bedeutet Fernsehen, das im Internet-Protokoll über ein breitbandiges Datennetz übertragen wird und auf den Bildschirm eines Fernsehgeräts gespielt wird. Fernseh- und Videoangebote, die für den Empfang mittels PC produziert werden, sind als Web-TV einzustufen.

Video- und Computerspiele

Video- und Computerspiele sind ein interaktives Medium, bei dem ein oder mehrere Personen an Bildschirmen nach bestimmten Regeln Spiele spielen. Mit der Verbreitung von Personal Computern haben diese Spiele insbesondere im Leben von Jugendlichen eine immer größere Bedeutung gewonnen. Bereits im Jahr 2001 übertrafen in den USA die Einnahmen der Computerspiel-Industrie mit 9,4 Milliarden US-Dollar die Umsätze der Filmindustrie. Im Jahr 2008 war Deutschland in Europa der drittgrößte Markt für Computer- und Videospiele mit einem Jahresumsatz von 1,57 Milliarden Euro. Sowohl die Plattformen als auch die Arten von Videospielen haben sich diversifiziert. Am Anfang standen einfache Telespiele (Atari 2006, Super Nintendo). Neben den PC traten dann Spielkonsolen als Play Station. Weitere Play Stations sind heute das Internet, so genannte Handhelds und auch das Mobiltelefon.