Die Logos deutscher Parteien: CDU, SPD, DIE LINKE, GRÜNE, CSU, AfD, BIW, Die PARTEI, Die Tierschutzpartei, FAMILIE, FDP, FREIE WÄHLER, NPD, ÖDP, PIRATEN und SSW.

Die soziale Zusammensetzung der Parteimitgliederschaften


7.10.2017
Die Mitgliederschaften der Parteien haben eine unterschiedliche soziale Zusammensetzung, d.h. sie unterscheiden sich in Bezug auf Geschlecht, Alter, Bildung, Beruf, Gewerkschaftsmitgliederschaft und Konfession. In allen Parteien sind Frauen, Jüngeren, Personen mit niedriger Bildung und die Arbeiter unterrepräsentiert.

Die Verteilung der Bevölkerung nach Geschlecht wird in den Mitgliederschaften der Parteien nicht widergespiegelt. Die Frauen, die etwas mehr als die Hälfte der Bevölkerung ausmachen, sind in allen Parteien mehr oder minder stark unterrepräsentiert. In der AfD stellen sie nur 16 Prozent, in der CSU stellen sie nur ein Fünftel der Mitglieder, in der CDU ein gutes Viertel und in der SPD ein knappes Drittel. In der Linkspartei gibt es 37 Prozent, bei den Grünen 39 Prozent Frauen.

Über die Zeit hinweg ist der Frauenanteil an den Mitgliederschaften in allen Parteien außer der Linkspartei gestiegen. Im Jahr 1947 waren nur 18 Prozent der SPD-Mitglieder Frauen. Anfang der 1960er-Jahre betrug der Frauenanteil bei der CDU etwa 14 und bei der SPD knapp 19 Prozent und bis Ende der 1960er-Jahre ging er in beiden Parteien sogar noch etwas zurück. Seit Anfang der 1970er-Jahre steigt bei CDU und SPD der Frauenanteil langsam aber stetig. Ende 2016 waren 26 Prozent der CDU-Mitglieder und 32 Prozent der SPD-Mitglieder Frauen.

Die Grünen hatten Ende der 1980er-Jahre einen deutlich höheren Frauenanteil als die anderen Parteien. Damals war ein Drittel ihrer Mitgliederschaft weiblich. Bis 2001 steigerte sich der Frauenanteil in der Partei auf über 37 Prozent und blieb über ein Jahrzehnt in etwa stabil bevor er in den letzten Jahren bis Ende 2016 auf 39 Prozent stieg.

Nach der Wiedervereinigung 1990 wurden die Grünen überflügelt von der neu hinzugekommenen PDS, die anfangs fast 44 Prozent und 1997 sogar über 46 Prozent Frauen unter ihrer Mitgliederschaft hatte. Der große Vorsprung der PDS blieb bis 2006 erhalten. Die Vereinigung mit der stärker männerdominierten WASG ließ den Frauenanteil in der Linkspartei danach jedoch absinken und seit 2012 liegt der Frauenanteil bei den Grünen wieder über dem der Linkspartei, die Ende 2016 37 Prozent weibliche Mitglieder hatte.

In der FDP ist der Frauenanteil von 1996 bis 2016 langsam aber stetig von 25 auf 22 Prozent gesunken. Den geringsten Frauenanteil weist über die ganze Zeit hinweg die CSU auf. Im Jahr 1973 war gut ein Zehntel der Mitglieder Frauen. Auch hier stieg der Frauenanteil stetig, sodass Ende 2016 ein Fünftel der CSU-Mitgliederschaft weiblich war.

Betrachtet man die Altersverteilung der Mitgliederschaften, so wird deutlich, dass jüngere Bürgerinnen und Bürger bis 30 Jahre in allen Parteien deutlich unterrepräsentiert sind: In die CDU, CSU und FDP eintreten kann man ab 16 Jahren, und zwar in die CDU nur außerhalb Bayerns und in die CSU nur in Bayern. Während die Gruppe der 16-30-Jährigen unter der nichtbayerischen Bevölkerung ab 16 Jahren Ende 2015 gut 20 Prozent und in Bayern 21 Prozent ausmacht, gehören nur 6 Prozent der CDU-Mitglieder und 5 Prozent der CSU-Mitglieder dieser Gruppe an. Gesamtdeutsch liegt der Anteil der 16-30-Jährigen bei mehr als 20 Prozent, unter den FDP-Mitgliedern liegt er bei nur 10 Prozent. Bei der SPD und der Linkspartei beträgt das Mindestalter 14 Jahre, die Grünen haben keine Altersbeschränkung, wobei nur sehr wenige Personen unter 14 Jahren in die Partei eintreten. Etwa 22 Prozent der Bevölkerung Deutschlands ab 14 Jahren gehören der Gruppe der 14-30-Jährigen an, bei den Mitgliedern der SPD sind es dagegen nur 7,5 Prozent, bei den Grünen 13 Prozent und bei der Linkspartei 14 Prozent.

Mitte der 1970er-Jahre gehörte noch gut ein Fünftel der SPD-Mitglieder zu dieser Gruppe. In der Folgezeit sank der Anteil jüngerer Mitglieder jedoch dramatisch auf nur noch gut 4 Prozent in den Jahren 2000/2001. Danach ging es wieder etwas bergauf und in den letzten Jahren stagniert der Anteil der Jüngeren. Auch bei CDU und CSU ging der der Anteil der jüngeren Mitglieder von zunächst etwa 11 Prozent auf etwa 5 Prozent Mitte der 1990er-Jahre zurück und änderte sich danach nicht mehr wesentlich.

Bei den Grünen ging der Anteil der Jüngeren zunächst von 13 auf 17 Prozent deutlich nach oben, sank danach aber wieder auf jetzt 13 Prozent. Auch die FDP konnte den Anteil der Jüngeren von Mitte der 1990er-Jahre bis 2009 von 8 auf 13 Prozent steigern, danach ging er aber wieder auf jetzt 10 Prozent zurück. Die Linkspartei hatte lange Zeit den geringsten Anteil jüngerer Mitglieder, konnte ihn jedoch zunächst durch die Vereinigung mit der WASG deutlich steigern und ist in den letzten Jahren die einzige Partei, bei der der Anteil der Jüngeren weiter steigt.

Die Älteren, d.h. die Personen über 60 Jahren, sind in den Mitgliederschaften aller Parteien außer den Grünen im Vergleich zur Bevölkerung deutlich überrepräsentiert. Über die Hälfte der Mitglieder von SPD, CDU, die Hälfte der Linkspartei-Mitglieder, knapp die Hälfte der CSU-Mitglieder und zwei Fünftel der FDP-Mitglieder gehören dieser Gruppe an. Bei den Grünen hingegen sind es nur 23,5 Prozent. Der Anteil älterer Parteimitglieder hat im Zeitverlauf bei allen Parteien außer der Linkspartei deutlich zugenommen. Die Linkspartei hatte zu PDS-Zeiten mit großem Abstand zu den anderen Parteien den höchsten Anteil an älteren Mitgliedern. Nach der Vereinigung mit der WASG sank der Anteil zunächst deutlich, stieg danach aber wieder etwas an.

Zu den anderen sozialstrukturellen Merkmalen der Parteimitgliederschaften, also Bildung, Beruf, Gewerkschaftsmitgliedschaft und Konfession, liegen nur Daten aus dem Jahr 2009 vor.

Bürgerinnen und Bürger mit Hauptschulabschluss bzw. ohne Schulabschluss sind in allen Parteien unterrepräsentiert. Personen mit (Fach-)Abitur oder Hochschulabschluss finden sich dagegen in allen Parteien zu einem deutlich höheren Anteil als in der Bevölkerung.

Mit Abstand den geringsten Anteil an Hauptschülern und den höchsten Anteil an Hochschulabsolventen aller Parteien haben mit 5 Prozent bzw. 68 Prozent die Grünen. Danach folgt die FDP mit 10 Prozent Hauptschülern und 56 Prozent Hochschulabsolventen. In der Mitgliederschaft der Linken haben 19 Prozent die Hauptschule mit oder ohne Abschluss besucht und 46 Prozent haben ein (Fach-)Hochschulstudium abgeschlossen. In der CDU-Mitgliederschaft gehören 22 Prozent zur Gruppe mit niedriger und 38 Prozent zur Gruppe mit hoher Bildung, bei der SPD sind es 28 Prozent bzw. 37 Prozent.

Betrachtet man die Zusammensetzung der Parteimitgliederschaften nach Beruf, so fällt zunächst auf, dass die Arbeiter in allen Parteien unterrepräsentiert sind. Die Linkspartei hat mit 19 Prozent noch den höchsten Arbeiteranteil, gefolgt von der SPD mit 16 Prozent. Bei der CSU hingegen sind nur 9 Prozent, bei der CDU 7 Prozent der Mitglieder Arbeiter. Die geringsten Arbeiteranteile haben die Grünen mit 4 Prozent und die FDP mit 3 Prozent.

Die Beamten bzw. Angestellten im öffentlichen Dienst sind in der Gesamtheit der Parteien dagegen fünfmal so stark vertreten wie in der Bevölkerung. Bei den Grünen und der SPD macht diese Gruppe 45 bzw. 42 Prozent der Mitglieder aus, bei der Linkspartei 34 Prozent, bei CDU und CSU rund 30 Prozent und bei der FDP 27 Prozent. Bei den beiden christdemokratischen Parteien und vor allem der FDP sind zudem die Selbstständigen deutlich überrepräsentiert.

Deutliche Unterschiede gibt es in den Parteimitgliederschaften bei der Gewerkschaftszugehörigkeit. Mit 42 Prozent ist der Anteil der Gewerkschaftsmitglieder in der SPD dreimal so hoch wie in der Gesamtbevölkerung. Die Linke hat mit 32 Prozent den zweithöchsten Anteil an Gewerkschaftsmitgliedern. Auch bei den Grünen sind Gewerkschaftsmitglieder überrepräsentiert, während es in den Mitgliederschaften der CDU und CSU in etwa so viele Gewerkschaftsmitglieder gibt wie in der Bevölkerung insgesamt und die FDP den geringsten Anteil an gewerkschaftlich organisierten Mitlgeidern hat.

Auch in Bezug auf ihre Konfessionszugehörigkeit unterscheiden sich die Parteimitgliederschaften stark. Unter den Mitgliedern der beiden christdemokratischen Parteien sind die Katholiken erwartungsgemäß weit stärker vertreten als in der Gesamtbevölkerung, deutlich unterrepräsentiert sind dagegen die Konfessionslosen. Bei der SPD und der FDP sind die Protestanten über- und die Katholiken unterrepräsentiert. Die Grünen haben einen hohen Anteil an Konfessionslosen, der von der Mitgliedschaft der Linkspartei noch deutlich übertroffen wird: Fast vier Fünftel der Linken-Mitglieder sind Konfessionslose, die damit im Vergleich zur Bevölkerung extrem überrepräsentiert sind.

Datenquelle



Anzahl der Mitglieder, Alter und Geschlecht: Mitgliederdatenbank des Verfassers. Die neuesten Zahlen sind enthalten in: Niedermayer, Oskar, 2017: "Parteimitglieder in Deutschland: Version 2017, Arbeitshefte aus dem Otto-Stammer-Zentrum, Nr. 27, Berlin". Bildung, Beruf, Gewerkschaftsmitgliedschaft, Konfession: Spier, Tim et al. (Hrsg.), 2011: Parteimitglieder in Deutschland. Wiesbaden.

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen



Informationen über die soziale Zusammensetzung der Parteimitgliedschaften liefern zunächst einmal die Mitgliederdateien der Parteien. Da die Informationen aber nur beim Parteieintritt erhoben und später nicht aktualisiert werden, sind sie nur für solche Daten zuverlässig, die sich im Zeitablauf nicht oder auf berechenbare Weise ändern, d.h. für das Geschlecht und das Alter der Mitglieder. Für andere Informationen muss daher auf die zweite Quelle von Mitgliederdaten zurückgegriffen werden: die wissenschaftlichen Mitgliederumfragen, die leider nur selten und in unregelmäßigen Abständen stattfinden. Die neueste Umfrage ist von 2009.

Daten über den Frauenanteil und die Altersstruktur der Parteimitgliedschaften liegen bei den einzelnen Parteien für sehr unterschiedliche Zeiträume vor. Während die SPD den Frauen-/Männeranteil seit 1946 dokumentiert, liegen die Daten für die CDU-Mitgliedschaft erst seit Anfang der 1960er-Jahre und für die CSU erst seit Anfang der 1970er-Jahre mit Lücken bis 2000 vor. Bei den drei anderen Parteien ist der Frauenanteil lückenlos sogar erst ab der zweiten Hälfte der 1990er Jahre vorhanden. Für die AfD liegen Daten über die soziale Zusammensetzung der Mitgliedschaft außer dem Frauenanteil nicht vor.

Die Altersstruktur lässt sich bei der CDU für die Jahre 1970 und 1980 berechnen, ab 1984 sind die Daten lückenlos vorhanden. Die SPD dokumentiert die Altersstruktur seit 1974 kontinuierlich, bei der CSU bestehen von 1975 bis 1999 mehrere Lücken. Für die Linkspartei sind die Daten erst ab 1999 vorhanden und die Grünen dokumentieren die Altersstruktur ihrer Mitgliedschaft erst seit 2007, wobei in diesem Jahr die Geburtsdaten von nur 81 Prozent der Mitglieder ausgewertet waren.

Ein weiteres Problem der Vergleichbarkeit zwischen den Parteien besteht darin, dass die einzelnen Parteien früher unterschiedliche Altersgruppeneinteilungen vorgenommen haben (CDU, SPD und Grüne bis 29/ab 60 Jahre, CSU und Linkspartei bis 30/ab 61 Jahre). Erst ab 2008 gelten einheitliche Gruppeneinteilungen.


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