Wählerschaft und Mitglieder
Martin Mertens
22.2.2010
Delegierte halten auf dem SPD Parteitag in Berlin Poster zur Unterstützung von SPD-Kanzlerkandidat und Aussenminister Frank-Walter Steinmeier hoch. (© AP)Mitglieder und Wählerschaft der SPD waren in ihrer langen Geschichte Änderungen sowohl hinsichtlich der Zahl als auch der Struktur unterworfen. Damit hat sich auch der Charakter der Partei im Laufe der Jahrzehnte entscheidend gewandelt.
Mitglieder
Die Anzahl der Mitglieder der SPD ist seit dem Höchststand 1976 (1.022.200 Mitglieder) kontinuierlich gesunken, bis auf 540.000 Ende 2007. Aber auch die Mitgliederstruktur der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) hat sich seit ihrer Neuformierung nach dem zweiten Weltkrieg stark gewandelt: Der Anteil der Arbeiter in der Partei – über Jahrzehnte hinweg das klassische Wählerklientel der Sozialdemokraten – ist stetig gesunken und liegt mittlerweile weit unter der Zahl der Angestellten und Beamten.
Waren 1956 noch 40 Prozent der Parteimitglieder Arbeiter und nur 14 Prozent Angestellte oder Beamte, so waren 1999 nur noch 21,2 Prozent Arbeiter, dafür aber 37,8 Prozent angestellt oder verbeamtet. Im selben Zeitraum sank die Zahl der Selbstständigen und Hausfrauen, aber auch die der Rentner und Pensionäre in der Berufsstruktur der Parteimitglieder deutlich. Währenddessen kann man einen Anstieg an Akademikern in der Partei beobachten.
Wählerschaft
Auch mit Blick auf die Wählerschaft zeigt sich, dass die Einschätzung als Milieupartei nicht mehr zutrifft. Zwar wählt immer noch ein großer Teil der sich zur Arbeiterschicht zählenden Wahlberechtigten die SPD, der Anteil an Angestellten und Beamten unter den Wählern ist aber gestiegen.
Insbesondere aus dem so genannten aufstiegsorientierten und dem intellektuellen Milieu – hier sind vor allem Akademiker, Angestellte mit mittleren und höheren Schulabschlüssen, Beamte und zunehmend Selbstständige in den jüngeren und mittleren Altersschichten zu nennen – bezieht die SPD heute einen größeren Teil ihrer Wähler als noch vor einigen Jahren.
Schnitt die SPD traditionell in der jüngsten Altersgruppe besser ab als in der älteren, so änderte sich dies bei der Bundestagswahl 2009: Die repräsentative Wahlstatistik zeigt, dass sie bei den jüngeren Wählern mit 17,0 Prozent (25- bis 35-Jährige) bzw. 18,2 Prozent (18- bis 25-Jährige) relativ schlecht abschneidet, bei den über 60-Jährigen aber relativ gut (27,3 Prozent). Frauen und Männer waren in der SPD-Wählerschaft annähernd gleichmäßig vertreten.
Das beste Zweitstimmen-Ergebnis erzielten die Sozialdemokraten 2009 bei den über 60-jährigen Männern (27,6 Prozent).
Wähler mit einem eher unterdurchschnittlichen Bildungsstand und einfacherer Beschäftigung – früher das klassische Stammwählerpotenzial der Sozialdemokraten – wandern zunehmend zur Union, aber auch zur Partei Die Linke ab.
Bedingt durch die Stärke der CDU/CSU im Süden der Bundesrepublik und den Erfolgen der Partei Die Linke in den neuen Bundesländern, gibt es bei der Wählerschaft der SPD ein eindeutiges Nord-Süd- sowie ein West-Ost-Gefälle. Ihre besten Wahlergebnisse erzielt die Partei folglich im Nord-Westen Deutschlands.
Literatur
Alemann, Ulrich von, 2003: Das Parteiensystem der Bundesrepublik Deutschland, Bonn.
Niedermayer, Oskar: Parteimitglieder in Deutschland: Version 2008. Arbeitshefte a. d. Otto-Stammer-Zentrum, Nr. 13, FU Berlin 2008.
Bundeswahlleiter, 2010: Wahl zum 17. Deutschen Bundestag am 27. September 2009, Heft 4: Wahlbeteiligung und Stimmabgabe der Männer und Frauen nach Altersgruppen, Wiesbaden.
Woyke, Wichard (Hrsg.), 2003: Parteien und Parteiensystem in Deutschland, Schwalbach im Taunus.
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