Erde

Waffenhandel blüht trotz Krise

Am Montag (19. März) hat das Stockholmer Institut für Internationale Friedensforschung (SIPRI) seine neue Studie zu weltweiten Rüstungsexporten vorgestellt. Vor allem in Asien ist die Nachfrage nach Waffen ungebrochen groß. Deutschland ist drittgrößter Waffenexporteur weltweit.

Auf einem Gestell steht ein neuer Turm für den Kampfpanzer Leopard II A6, an dem Mitarbeiter der Firma Rheinmetall am 7.11.2002 in Unterlüß (Landkreis Celle) arbeiten. Das Rüstungs-Unternehmen ist mit fast 1200 Beschäftigten der größte Arbeitgeber der Region.Auf einem Gestell steht ein neuer Turm für den Kampfpanzer Leopard II A6, an dem Mitarbeiter der Firma Rheinmetall am 7.11.2002 in Unterlüß (Landkreis Celle) arbeiten. Das Rüstungs-Unternehmen ist mit fast 1200 Beschäftigten der größte Arbeitgeber der Region. (© picture-alliance / dpa/dpaweb )

Der Bericht ("Trends in International Arms Transfers, 2011") zeigt vor allem eines: Der Waffenhandel wächst - die weltweite Wirtschaftskrise konnte ihm bisher nichts anhaben. Von 2007 bis 2011 stieg das Volumen der internationalen Waffentransfers im Vergleich zum Zeitraum 2002-2006 um 24 Prozent.

Asiatische Länder kaufen immer mehr Waffen



Der starke Anstieg lässt sich vor allem durch eine erhöhte Nachfrage aus dem asiatischen Raum erklären. 44 Prozent aller Waffen werden inzwischen in asiatische und ozeanische Länder exportiert. Die meisten Waffen wurden dabei nach Indien verkauft - zehn Prozent der weltweiten Waffenimporte zwischen 2007-2011. Andere asiatische Empfängerländer sind u.a. Südkorea (sechs Prozent), Pakistan (fünf Prozent) sowie China (fünf Prozent).

Bei den weltweiten Waffenimporteuren folgen nach der Region Asien und Ozeanien (44 Prozent) relativ weit abgeschlagen Europa (19 Prozent), der Nahe und Mittlere Osten (17 Prozent), Nord-, Mittel- und Südamerika (elf Prozent) und Afrika (neun Prozent).

Viele asiatische Länder, die bisher in großem Maßstab Waffen importiert hätten, seien dabei, ihre eigene Waffenindustrie zu entwickeln, um weniger von ausländischen Lieferanten abhängig zu sein, so der SIPRI-Bericht. So ist etwa China, das im Zeitraum 2002-2006 noch weltweit der größte Waffenimporteur war, in den vergangenen Jahren auf den vierten Platz zurückgefallen. Dies hänge mit der Entwicklung einer eigenen chinesischen Waffenindustrie und dem Zuwachs beim Export chinesischer Waffen zusammen. Heute ist China der sechstgrößte Waffenexporteur der Welt: Die Waffenexporte des Landes stiegen zwischen 2002-2011 um 95 Prozent. Die meisten dieser Waffen, so Paul Holtom, SIPRI-Experte für Waffenhandel, gingen nach Pakistan.

Allgemeine Trends



Mit einem Anteil von neun Prozent ist Deutschland der drittgrößte Waffenexporteur der Welt. Die Länder mit den meisten Rüstungsexporten im Zeitraum 2007-2011 sind die Vereinigten Staaten (30 Prozent), Russland (24 Prozent), Deutschland (neun Prozent), Frankreich (acht Prozent) und Großbritannien (vier Prozent). Die Exporte dieser Länder machen 75 Prozent der weltweiten Rüstungsexporte aus. Saudi-Arabien hat 2011 eine Bestellung für 154 US-amerikanische Kampfflugzeuge aufgegeben, die nicht nur die größte Waffentransaktion des Jahres 2011, sondern der letzten zwei Jahrzehnte darstellt.

Infobox

SIPRI

Das schwedische Friedensforschungsinstitut SIPRI (Stockholm International Peace Research Institute) existiert seit 1966. Seine Wissenschaftler widmen sich der Forschung über internationale Konflikte, Rüstung, Rüstungskontrolle und Abrüstung. Das Institut kooperiert mit den Vereinten Nationen und der EU. Es wurde durch einen Beschluss des schwedischen Parlaments ins Leben gerufen und wird noch heute zum Großteil durch den schwedischen Staat finanziert. Die SIPRI Datenbank über internationale Waffentransfers versammelt Informationen über alle internationalen Rüstungsgeschäfte seit 1950 zwischen Staaten, internationalen Organisationen und bewaffneten nicht-staatlichen Gruppen.

Der internationale Waffenhandel und der Arabische Frühling



Ein weiteres Ergebnis des Berichts: Auch die Ereignisse des Arabischen Frühlings hielten die großen Exporteure nicht davon ab, weiterhin Waffen in die betroffenen Länder zu liefern. So verkaufte die USA 2011 etwa 45 amerikanische M-1A1-Panzer an Ägypten.

Die Waffeneinkäufe des syrischen Staates im Zeitraum 2007-2011 - unter anderem Raketensysteme und Kampfflugzeuge - stammen zu 78 Prozent aus russischen Beständen. Sie trugen dazu bei, dass sich die syrischen Waffenimporte um insgesamt 580 Prozent erhöhten. Die Regierung des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad geht seit etwa einem Jahr mit Waffengewalt gegen oppositionelle Kräfte vor, weswegen das Land mit einem internationalen Embargo belegt ist. Dem Bericht zufolge lieferten auch Weißrussland und Iran Waffen an Syrien.

Obwohl sich eine internationale Debatte um die Waffenlieferungen an die Länder des Arabischen Frühlings entwickelte, habe diese nur sehr beschränkte Auswirkungen gehabt, so Mark Bromley vom SIPRI-Institut. Der Umfang der Waffenlieferungen nach Nordafrika habe sich insgesamt um 273 Prozent erhöht.

Rüstungsexporteur Deutschland



Die deutschen Rüstungsexporte sind im Untersuchungszeitraum um 37 Prozent gestiegen. Die meisten deutschen Waffenexporte - 41 Prozent - gingen an andere europäische Länder, der Rest an Asien und Ozeanien (27 Prozent) und amerikanische Staaten (zwölf Prozent). Der größte Empfänger deutscher Rüstungsexporte von 2007-11 war Griechenland (13 Prozent), das in diesem Zeitraum immerhin noch der zehntgrößte Waffenimporteur der Welt war - im Zeitraum 2002-20007 war es sogar der viertgrößte.

Die Rüstungsgüter, die in den vergangenen fünf Jahren von deutschen Waffenfabrikanten verkauft wurden, waren u.a. ein U-Boot an Israel und - innerhalb eines umfangreichen Vertrags mit Algerien - gepanzerte Fahrzeuge, Schiffe und elektronische Ausrüstung. Mediale und öffentliche Aufmerksamkeit erregte im Juli 2011 der geplante Verkauf von 200 Leopard-Panzern sowie anderer Waffen an Saudi-Arabien, der von der deutschen Regierung genehmigt worden war. Der Vertrag wurde jedoch bis Ende 2011 nicht unterschrieben.

Mehr zum Thema

Ein syrischer Soldat mit einer AK-47 an einem Checkpoint In Damaskus, 21.08.2013.

Dossier

Innerstaatliche Konflikte

Vom Kosovo nach Kolumbien, von Somalia nach Süd-Thailand: Weltweit schwelen über 280 politische Konflikte. Und immer wieder droht die Lage gewaltsam zu eskalieren. Weiter...

Mathias John

Rüstungstransfers - Globaler Handel mit Tod und Gewalt

Der internationale Rüstungsmarkt leistet u.a. mit den so genannten Kleinwaffen einen massiven Beitrag zu Konflikteskalation und deren Folgen wie Krieg, Armut, Hunger und menschliches Leid. Weiter...

Monika Heupel

Die Gewaltökonomien der "Neuen Kriege"

Ein typisches Merkmal der "Neuen Kriege" sind Gewaltökonomien, die auf dem Handel mit natürlichen Ressourcen basieren. Der Artikel skizziert Entstehungsbedingungen und Implikationen für die Konfliktbearbeitung und stellt Instrumente zur Schwächung von Gewaltökonomien vor. Weiter...

 
Ein syrischer Soldat mit einer AK-47 an einem Checkpoint In Damaskus, 21.08.2013.Dossier

Innerstaatliche Konflikte

Vom Kosovo nach Kolumbien, von Somalia nach Süd-Thailand: Weltweit schwelen über 280 politische Konflikte. Und immer wieder droht die Lage gewaltsam zu eskalieren. Weiter... 

Informationsportal Krieg und Frieden

Welches Land gibt wie viel für sein Militär aus? Und wer bezieht die meisten Waffen aus Deutschland? Das interaktive Portal liefert Antworten auf sicherheitspolitische Fragen. Weiter... 

Publikation zum Thema

Neue Kriege

Neue Kriege

Die meisten Kriege sind heute innerstaatliche Konflikte, die ohne den Sieg einer Seite enden. Die Konfliktparteien bleiben nach Kriegsende politische und soziale Akteure, was die Friedenskonsolidierung oft erschwert. Weiter...

Zum Shop

Kriege und KonflikteAus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 16-17/2007)

Kriege und Konflikte

Der klassische Staatenkrieg gilt als "historisches Auslaufmodell"; innerstaatliche Gewaltkonflikte sind jedoch weiterhin komplexe Herausforderungen für die betroffenen Gesellschaften und die internationale Staatengemeinschaft. Weiter...