Erde

Jeder sechste Deutsche von Armut bedroht

28.3.2012
In Deutschland sind rund 13 Millionen Menschen von Armut bedroht: Laut Statistischem Bundesamt lag der Anteil der armutsgefährdeten Menschen im Jahr 2009 mit 15,6 Prozent höher als in den meisten Nachbarstaaten, aber unter dem EU-weiten Durchschnitt.

Bedürftige stehen an der Ausgabestelle einer Koblenzer Tafel für Lebensmittel an.Die Armut in Deutschland nimmt zu: immer mehr Hilfsbedürftige nehmen das Angebot von Sozialeinrichtungen in Anspruch. (© picture-alliance/dpa)

Die Zahl der von Armut bedrohten Menschen in Deutschland ist in den letzten Jahren leicht gestiegen: Während 2007 noch 15 Prozent als armutsgefährdet galten, stieg der Wert 2008 auf 15,5 Prozent und im Jahr 2009 erneut auf 15,6 Prozent. Deutschland liegt damit im europäischen Vergleich im Mittelfeld: Der Anteil der armutsgefährdeten Menschen lag nach Angaben des Statistischen Bundesamtes um 0,8 Prozent unter dem EU-Durchschnitt von 16,4 Prozent. Damit gilt etwa jeder sechste Einwohner der Bundesrepublik als arm – rund 13 Millionen Menschen.

Was gilt als Armut?



Grundsätzlich wird zwischen existenzieller (bzw. absoluter Armut) und Einkommensarmut (bzw. relativer Armut) unterschieden. Von existenzieller Armut betroffen sind Menschen, die um ihr physisches Überleben kämpfen müssen, weil sie sich lebenswichtige Bedarfsgüter wie Nahrung und Trinkwasser nicht leisten können. Absolute Armut sollte in Deutschland durch staatliche Leistungen zum Lebensunterhalt grundsätzlich ausgeschlossen sein – sie tritt aber trotzdem auf. Vor allem dann, wenn Menschen staatliche Hilfen nicht beanspruchen oder nicht beanspruchen können.

In den Industrienationen wird Armut in der Regel als relative Armut gemessen. Relativ, da sie sich am Lebensstandard der jeweiligen Gesellschaft bemisst. Die Bundesregierung etwa folgt in ihren Armuts- und Reichtumsberichten der Definition von Armut des Rates der Europäischen Gemeinschaft von 1984. Als arm gelten demnach "Einzelpersonen, Familien oder Personengruppen, die über so geringe (materielle, kulturelle und soziale) Mittel verfügen, dass sie von der Lebensweise ausgeschlossen sind, die in dem Mitgliedsstaat, in dem sie leben, als Minimum annehmbar ist".

Zur Messung von Armut wird dabei die relative Einkommensarmut herangezogen. In Deutschland gelten danach alle Menschen als armutsgefährdet, deren verfügbares Haushaltseinkommen weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens beträgt. Im Jahr 2009 belief sich dieser Schwellenwert für eine alleinlebende Person inklusive staatlicher Sozialleistungen auf 11.278 Euro im Jahr – rund 940 Euro im Monat. Die Summe variiert in der EU von 1.222 Euro pro Jahr in Rumänien bis zu 19.400 Euro in Luxemburg.

Deutschlands Nachbarn schneiden besser ab



Verglichen mit seinen direkten Nachbarn Belgien, Dänemark, Frankreich, Luxemburg, Niederlande, Österreich, Polen und der Tschechischen Republik hatte Deutschland jedoch einen relativ hohen Wert. Die Armutsgefährdungsquote war 2009 in fast allen Nachbarstaaten geringer als in der Bundesrepublik: zwischen neun Prozent in Tschechien und 14,6 Prozent in Belgien. Allein in Polen war der Anteil der armutsgefährdeten Bevölkerung mit 17,6 Prozent höher als in Deutschland.

Die Ungleichheit der Einkommen, die als Verhältnis zwischen den Einkommen der Bevölkerung im oberen und unteren Fünftel der Einkommensverteilung dargestellt wird, war in Deutschland 2009 geringer als im Durchschnitt der EU. Hierzulande lag das Einkommen der 20 Prozent einkommensstärksten Personen insgesamt 4,5 Mal so hoch wie das der einkommensschwächsten, der EU-Durchschnitt lag bei 5.

Die EU-Mitglieder mit den höchsten Armutsgefährdungsquoten wiesen 2009 auch die stärkste Einkommensungleichheit auf: In Litauen war der Wert mit 7,3 Punkten am höchsten, gefolgt von Lettland und Spanien (jeweils 6,9), Rumänien (6,0), Bulgarien (5,9) und Griechenland (5,6).

Armutsrisiken



Besonders von Armut gefährdet sind Arbeitslose und Alleinerziehende. Frauen sind häufiger betroffen als Männer, Jugendliche stärker als Ältere, Singles öfter als Menschen mit Familie. Im Osten ist die Gefahr, arm zu werden, nach wie vor größer als im Westen. Menschen mit Migrationshintergrund sind ebenfalls deutlich häufiger von Armut bedroht als die übrige Bevölkerung.


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