Erde

Ein Jahr Bundesfreiwilligendienst

26.6.2012
Am 1. Juli 2011 löste der Bundesfreiwilligendienst (BFD) den Zivildienst ab. Ein Jahr nach seiner Einführung ist die Bilanz positiv. Der befürchtete Bewerbermangel blieb aus, die Freiwilligen stammen aus allen Altersgruppen.

Frau mit Gehhilfe und Pfleger in einem Seniorenwohnheim, Bonn, 27.05.02. . Bonn, Nordrhein-Westfalen, Deutschland, 27.05.2002 .Der Bundesfreiwilligendienst war am 1. Juli vergangenen Jahres angelaufen. Er trat an die Stelle des Zivildienstes. (© picture alliance/JOKER )

Als der Bundesfreiwilligendienst im vergangenen Jahr als Nachfolger des Zivildienstes startete, waren die Zweifel groß. Trotz anfänglicher Schwierigkeiten wird er inzwischen aber offenbar gut angenommen: Alle der geplanten 35.000 Plätze sind mittlerweile besetzt und es wird damit gerechnet, dass die Nachfrage weiter zunehmen wird.

Der Start vor einem Jahr



Seit Einführung des Bundesfreiwilligendienstes (BFD) am 1. Juli 2011 können sich Männer und Frauen aller Altersgruppen für eine ehrenamtliche Beschäftigung bewerben. Anders als der Zivildienst und die Jugendfreiwilligendienste kann der BFD nicht nur in sozialen oder ökologischen Einrichtungen geleistet werden, sondern auch in weiteren Bereichen wie Sport, Integration, Kultur, Bildung oder Zivil- und Katastrophenschutz. Der BFD dauert in der Regel ein Jahr, mindestens aber sechs und höchstens 24 Monate. Freiwillige, die älter als 27 Jahre sind, können auch in Teilzeit tätig werden.

Der BFD ist "arbeitsmarktneutral" ausgestaltet, das heißt die Freiwilligen leisten zusätzliche Arbeit, ersetzen aber keine hauptamtlichen Kräfte. Sie werden fachlich betreut und in Seminaren weitergebildet, im Vordergrund steht also der Aspekt des Lernens. Die sogenannten "Bufdis" erhalten kein Gehalt, sondern ein "Taschengeld" als Aufwandsentschädigung. Dafür gilt derzeit eine bundesweit einheitliche Obergrenze von 336 Euro. Darüber hinaus können die Kosten für Unterkunft, Verpflegung und Dienstbekleidung von den Arbeitgebern übernommen werden. Außerdem sind die Freiwilligen gesetzlich sozialversichert.

Zuständige Behörde für den Bundesfreiwilligendienst ist das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA), das aus dem Bundesamt für den Zivildienst (BAZ) hervorgegangen ist. Es untersteht dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

BFD als Erfolgsgeschichte



Anfangs hatten vor allem Sozialverbände noch einen Bewerbermangel beklagt. Inzwischen gebe es aber mehr Bewerber als Stellen. Bislang seien 48.000 BFD-Verträge abgeschlossen worden, heißt es aus dem Bundesfamilienministerium. Damit seien "alle Erwartungen übertroffen". Auch die großen Träger ziehen eine positive Bilanz, fordern aber eine Stellenaufstockung. Derzeit gibt es 35.000 Freiwillige im Jahr. Zuletzt leisteten im Jahresdurchschnitt etwa 62.000 junge Männer ihren Zivildienst ab.

Auch eine Studie der Universität Heidelberg und der Hertie School of Governance zeigt, dass der BFD offensichtlich sehr gut angenommen wird. In nur einem Jahr habe sich der BFG zu einer "Erfolgsgeschichte" entwickelt.

Die meisten Freiwilligen gibt es mit gut 9.000 im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen. Auf den folgenden Plätzen kommen Sachsen (5.700) und Baden-Württemberg (5.300). Im BFD sind laut Studie etwa gleich viele Männer und Frauen aller sozialen Schichten aktiv, 30 Prozent von ihnen sind über 27 Jahre alt. Auffällig ist die unterschiedliche regionale Zusammensetzung der Teilnehmer. In den neuen Bundesländern macht demnach die Altersgruppe der 27- bis 65-Jährigen bis zu drei Viertel der Freiwilligen aus, in den meisten westlichen Bundesländern sind sie lediglich mit rund 20 Prozent vertreten. Grund dafür sei laut Studie die höhere Arbeitslosigkeit im Osten Deutschlands und eine aktive Werbung durch die dortigen Regionalbetreuer und Arbeitsagenturen.

Der Dienst werde der Studie nach insbesondere von Menschen genutzt, die sich in einer Umbruchphase befinden, wie etwa nach Abschluss der Schule oder als Qualifizierungsmöglichkeit bei Arbeitslosigkeit, aber auch zur Aufbesserung der Einkünfte bei geringer Rente oder Hartz-IV-Bezug. So wird bereits davor gewarnt, den Freiwilligendienst als Arbeitsmarktinstrument zu missbrauchen. Es sei wichtig, dass die Aktiven den Dienst freiwillig leisteten. Die Menschen dürften "nicht in einen neuen prekären Arbeitsmarkt" geschoben werden, so der Direktor der Hertie School of Governance, Helmut Anheier. Der Dienst müsse dementsprechend mit Ausbildungsmaßnahmen verknüpft sein.

Unterm Strich zieht die Studie aber eine positive Bilanz: Die Freiwilligendienste hätten ein Potential, das über bürgerschaftliches Engagement und Partizipation letztlich das demokratische Gemeinwesen stärken könne.

Mehr zum Thema




 

Dossier

Deutsche Demokratie

In der deutschen Demokratie ist die Macht auf mehr als 80 Millionen Menschen verteilt: Alle Bürger sind für den Staat verantwortlich. Aber wie funktioniert das genau? Wer wählt den Kanzler, wer beschließt die Gesetze? Und wie wird man Verfassungsrichter? Weiter...