Erde

John F. Kennedy vor 50 Jahren ermordet

21.11.2013
Am 22. November 1963 stirbt US-Präsident John F. Kennedy in Dallas bei einem Attentat. Der 35. Präsident der Vereinigten Staaten wird durch seinen Tod zum Mythos.

First Lady Jacqueline Kennedy und Secret Service-Agent Clint Hill beugen sich Sekunden nach dem Schuss über US-Präsident John F. KennedyFirst Lady Jacqueline Kennedy und Secret Service-Agent Clint Hill beugen sich Sekunden nach dem Schuss über US-Präsident John F. Kennedy (© picture-alliance/AP)

22. November 1963: US-Präsident John Fitzgerald Kennedy besucht auf seiner Wahlkampftour Dallas in Texas. Der Bundesstaat gilt als wichtig im Kampf um Spendengelder und Stimmen für Kennedys zweite Präsidentschaft. Der Präsident verzichtet gegen den Rat seiner Sicherheitsbeamten auf Sicherheitsvorkehrungen und fährt in einer offenen Limousine durch die Stadt. Im Wagen sitzen außer ihm seine Frau Jacqueline, der Gouverneur von Texas, John Connally, dessen Frau Nellie sowie zwei Leibwächter. Aus dem Cabrio winkt Kennedy mit seiner Frau den Menschen am Straßenrand zu.

Das Attentat



Gegen 12.30 Uhr fallen auf der Elm Street in Dallas Schüsse. Der Wagen des US-Präsidenten wird langsamer. Von zwei Kugeln in Hals und Kopf getroffen, sackt John F. Kennedy zusammen. Gouverneur Connally wird ebenfalls getroffen. Der Chauffeur des Wagens beschleunigt und fährt zum nächstgelegen Krankenhaus, dem Parkland Memorial Hospital. Eine halbe Stunde nach den Schüssen können die Ärzte der Klinik nur noch den Tod des 35. US-Präsidenten feststellen. Connally überlebt das Attentat.

Unmittelbar nach dem Attentat geben Beobachter zu Protokoll, sie hätten ein Gewehr im fünften Stock eines Backsteingebäude gesehen. In dem Schulbuchlager wird kurze Zeit später ein Gewehr gefunden, dazu drei leere Patronenhülsen.

Anderthalb Stunden nach dem Attentat wird Lee Harvey Oswald in einem Kino in der Nähe des Tatorts verhaftet. Er wird beschuldigt, den Präsidenten und auf der Flucht einen Streifenpolizisten erschossen zu haben. Der 24-jährige Verdächtige hat sechs Wochen vor dem Anschlag eine Stelle in dem Schulbuchlager angenommen, in dem das Gewehr gefunden wurde. Auf dem sichergestellten Gewehr befanden sich Oswalds Fingerabdrücke.

Am 22. November 1963 wurde der amerikanische Präsident John F. Kennedy in Dallas erschossen.Die "Bild"-Zeitung titelt am 23. November 1963 ganzseitig das Attentat auf Kennedy. (© AP Photos)
Zu einer Anklage gegen den mutmaßlichen Attentäter wird es nie kommen: Zwei Tage nach seiner Festnahme wird Oswald vor laufenden Kameras und Dutzenden Augenzeugen von Jack Ruby, einem Nachtklub-Besitzer, erschossen, als ihn Polizisten in die Tiefgarage des Polizeipräsidiums von Dallas führen.

Bestürzung und Betroffenheit



Die Nachricht von der Ermordung des amerikanischen Präsidenten löst international Bestürzung aus. Menschen im In- und Ausland reagieren geschockt und mit Trauer. Weltweit äußern Politiker ihre tiefe Betroffenheit.

Auch in Deutschland finden große Trauerfeierlichkeiten statt. Einen Höhepunkt erreichen diese am Abend des 25. November in Berlin, zur selben Zeit, als Kennedy mit einem Staatsbegräbnis auf dem Nationalfriedhof Arlington in Washington beigesetzt wird. Mehr als 250.000 Menschen kommen vor dem Rathaus Schöneberg zusammen, um gemeinsam des ermordeten Präsidenten zu gedenken. Einige Monate zuvor, am 26. Juni 1963, hatte Kennedy hier die Sympathien der Berliner und der Deutschen mit seiner berühmten "Ich bin ein Berliner"-Rede gewonnen.

Untersuchung des Attentats



Kennedys Nachfolger, Präsident Lyndon B. Johnson, ruft bereits eine Woche nach dem Mordanschlag, am 29. November 1963, die Warren-Kommission ins Leben, um die Hintergründe des Attentats aufzuklären. Sie ist nach ihrem Vorsitzenden Earl Warren benannt, dem damaligen Obersten Richter am Supreme Court, dem Obersten Gerichtshof der USA. Die Kommission legt zehn Monate später ihren Bericht vor, in dem sie zum Schluss kommt, dass Oswald drei Schüsse auf Kennedy abgefeuert und alleine gehandelt haben soll. Die Ergebnisse der Warren-Kommission sind umstritten.

Die Hintergründe des Attentats gelten deshalb bis heute als nicht zweifelsfrei aufgeklärt. Widersprüchliche Ermittlungsergebnisse geben immer wieder Anlass für Spekulationen und unzählbare Verschwörungstheorien: Innerhalb von 50 Jahren ist die Liste möglicher Verdächtiger und ihrer Motive so immer länger geworden, darunter zahlreiche in- und ausländische Geheimdienste, politische Freunde und Gegner oder die kommunistischen Staaten.

Kennedy als Präsident und Mythos



John Fitzgerald Kennedy wurde knapp drei Jahre zuvor am 20. Januar 1961 als 35. Präsident der USA vereidigt. Mit seinen erst 43 Jahren ist er bis heute der jüngste jemals ins Amt gewählte US-Präsident und der erste katholischen Glaubens. Nach der Präsidentschaft des damals 70-Jährigen Dwight D. Eisenhowers erhofften sich viele Amerikaner von dem jungen Präsidenten eine politische Erneuerung. Zu seinem politischen Programm gehörten Reformen des Bildungs- und Gesundheitswesens sowie die Stärkung der Bürgerrechte der afroamerikanischen Bevölkerung.

John F. Kennedy bei seiner berühmten Rede ("Ich bin ein Berliner") am 26. Juni 1963 in BerlinJohn F. Kennedy bei seiner berühmten Rede ("Ich bin ein Berliner") am 26. Juni 1963 in Berlin. (© picture-alliance/akg)
Kennedy galt als charismatisch und populär unter den Bürgern. Zusammen mit seiner Frau Jacqueline inszenierte er sich als Staatsmann und Familienmensch zugleich. Dazu nutzte Kennedy als US-Präsident massiv die Bühne, die ihm das Fernsehen als Massenmedium zur Selbstdarstellung bot. Er gilt als der erste politische Popstar der 1960er Jahre. Bis heute ist Kennedy als Präsident bei vielen Amerikaner hoch angesehen.

Entgegen des in den Medien gepflegten Bildes des jugendlichen Erneuerers war Kennedy aber schon bei seinem Amtsantritt ein schwer kranker Mann und hochgradig medikamentenabhängig. Im Gegensatz zur Medieninszenierung als liebendem Ehemann gelten zudem unzählige Affären Kennedys als historisch gesichert.

Auch Kennedys politisches Erbe wird unterschiedlich bewertet: Sein innenpolitisches Reformprogramm konnte der Präsident während seiner dreijährigen Amtszeit nur anstoßen. Es wurde erst von seinem Nachfolger Johnson in weiten Teilen umgesetzt. Die Abschaffung der Rassentrennung zwischen der weißen und der afroamerikanischen Bevölkerung gilt dagegen als sein Verdienst.

Im Gedächtnis blieb vor allem die außenpolitische Rolle, die Kennedy während des Kalten Krieges gespielt hat. In seine Amtszeit fiel der Bau der Berliner Mauer, die Kuba-Krise und der Beginn des Vietnam-Krieges. Er war für die 1961 gescheiterte Invasion der Schweinebucht auf Kuba verantwortlich, mit der Fidel Castro gestürzt werden sollte, stockte 1962 die Anzahl der Militärberater in Südvietnam auf und ließ dort erstmals das gefährliche Laubvernichtungsmittel Napalm einsetzen. Die friedliche Lösung der Kuba-Krise und die anschließende Entspannungspolitik gegenüber der Sowjetunion wird ihm dagegen bis heute als außenpolitische Leistung hoch angerechnet.

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