Erde

8. März: Weltfrauentag

7.3.2014
Am 8. März begehen Frauen weltweit den Internationalen Frauentag. Seit mehr als 100 Jahren fordern sie an diesem Tag Gleichberechtigung und prangern Gewalt gegen Frauen an. Noch immer wird weltweit jede dritte Frau Opfer sexueller oder körperlicher Gewalt.

Lila Luftballons mit dem aufgedruckten Symbol für weiblich schweben am 14.02.2014 über den Köpfen von Demonstrationsteilnehmern in München (Oberbayern). Die Demonstration richtete sich gegen Gewalt an Frauen und warb für mehr Gerechtigkeit im Umgang mit Frauen.Demonstration gegen Gewalt an Frauen im Februar 2014 in München. (© picture-alliance/dpa)

Nach einer am Mittwoch (5. März) vorgestellten »Studie« der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte (European Union Agency for Fundamental Rights, FRA) ist jede dritte Frau in der EU bereits Opfer körperlicher oder sexueller Gewalt geworden. Betroffen sind demnach etwa 62 Millionen Frauen zwischen 15 und 74 Jahren, etwa neun Millionen seien zudem schon einmal Opfer einer Vergewaltigung geworden. Sexuelle Belästigung haben der Studie zufolge insgesamt zwischen 83 und 102 Millionen Frauen erlebt, 12 Prozent der Befragten bereits vor ihrem 15. Lebensjahr. Die Studie beruht auf Interviews mit 42.000 Frauen in allen EU-Mitgliedstaaten.

Die meisten Erfahrungen von Gewalt gab es der Studie zufolge bei Frauen in Dänemark (52 Prozent), Finnland (47 Prozent) und Schweden (46 Prozent). Das bedeutet nach Angaben der Autoren nicht unbedingt, dass es in diesen Ländern zu mehr Übergriffen kommt. Sind die Geschlechter stärker gleichberechtigt, sei die Bereitschaft stattdessen größer, offen über Gewalt zu sprechen. In Deutschland haben 35 Prozent der befragten Frauen Gewalterfahrungen gemacht – etwas mehr als im EU-Durchschnitt (33 Prozent).

Die EU-Studie deckt sich mit den Ergebnissen einer »Untersuchung« der Weltgesundheitsorganisation (WHO) aus dem Jahr 2013. Demnach wird weltweit mehr als jede dritte Frau (35 Prozent) Opfer von sexueller und körperlicher Gewalt. Gewalt innerhalb von Beziehungen sei laut WHO die am meisten verbreitete Gewalt gegen Frauen.

Nicht zuletzt deshalb kämpfen Frauen seit mehr als 100 Jahren für mehr Frauenrechte und gehen dafür am 8. März auf die Straße.

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Gewalt gegen Frauen

UN Women, die für Gleichberechtigung zuständige Sektion der Vereinten Nationen, »definiert Gewalt gegen Frauen« als jegliche geschlechtsbasierte Gewalt, durch die Frauen physisch, sexuell oder psychologisch leiden. Auch Männer und Jungen erfahren Gewalt. Gewalt gegen Frauen wird jedoch spezifisch als "in Geschlecht begründet" ("gender-based") definiert, da Frauen durch ihre strukturell benachteiligte Rolle in der Gesellschaft speziellen Formen von Gewalt besonders stark ausgesetzt sind.

Am häufigsten äußert sich Gewalt gegen Frauen in häuslicher und sexueller Gewalt, in sexueller Belästigung sowie emotionaler und psychischer Gewalt. Auch weibliche Genitalverstümmelung, Zwangsheirat, Mord an weiblichen Neugeborenen, Frauenhandel oder sogenannte "Ehrenmorde" zählt die UN zum Feld der Gewalt gegen Frauen.


Geschichte des Weltfrauentags in Deutschland



Porträtzeichnung von Clara ZetkinPorträtzeichnung von Clara Zetkin (© Bundesarchiv, Plak 102-070-052, Grafiker: Damm-Fiedler, Jutta; Gruppe Plus / Drucker/Verlag: III/6/46; DEWAG Leipzig)
"Keine Sonderrechte, sondern Menschenrechte" hatte die deutsche Sozialistin Clara Zetkin 1910 auf dem zweiten Kongress der Sozialistischen Internationale in Kopenhagen gefordert. Ein Jahr später, am 19. März 1911, gingen erstmals Frauen in Deutschland, Österreich, Dänemark und der Schweiz zum Frauentag auf die Straße. Sie forderten das Wahlrecht für Frauen und mehr politische Teilhabe. Außer in Finnland, geregelt durch die »Landtagsordnung von 1906«, durften zu diesem Zeitpunkt in keinem europäischen Land Frauen wählen oder gewählt werden. In Deutschland wurde Frauen dieses Recht erst 1918 zugestanden.

Seit 1921 wird der Internationale Frauentag am 8. März begangen. In Deutschland wurde der Frauentag während der NS-Herrschaft als sozialistischer Feiertag verboten. Stattdessen propagierten die Nationalsozialisten den Muttertag und die "biologische Verpflichtung" der Frau, "arische" Kinder zur Welt zu bringen, für die "Volksgemeinschaft".

Bereits zwei Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und dem Zusammenbruch der NS-Herrschaft wurde der 8. März in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) wieder gefeiert. Die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) erklärte den Frauentag in den 1950er Jahren zum staatlich angeordneten Feierritual. Fraueninteressen wurden den allgemeinen politischen Zielen der DDR untergeordnet.

Im Zuge der neuen Frauenbewegung in der Bundesrepublik Ende der 1960er Jahre gelangte der Frauentag auch zurück in das westdeutsche Bewusstsein. Seit den 1980er Jahren hat er in ganz Westeuropa wieder an Bedeutung gewonnen.

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Diskriminierung per Gesetz

In der DDR war die Gleichberechtigung der Geschlechter verfassungsmäßig in Artikel 20 Absatz 2 der Verfassung von 1949 geregelt: "Mann und Frau sind gleichberechtigt und haben die gleiche Rechtsstellung in allen Bereichen des gesellschaftlichen, staatlichen und persönlichen Lebens. Die Förderung der Frau, besonders in der beruflichen Qualifizierung, ist eine gesellschaftliche und staatliche Aufgabe."

In der BRD erhielt mit der Verabschiedung des Grundgesetzes 1949 die Gleichbehandlung von Frau und Mann Verfassungsrang (Art. 3 GG). 1958 wurde die Vorgabe des Grundgesetzes mit dem Inkrafttreten des Gleichberechtigungsgesetzes Gesetzeswirklichkeit. Zuvor war es Frauen zum Beispiel nicht erlaubt, ohne Zustimmung ihres Ehemannes ein eigenes Bankkonto zu eröffnen und über ihr Geld zu verfügen. Damit war Diskriminierung per Gesetz jedoch nicht abgeschafft. Erst seit 1977 brauchen Ehefrauen nicht mehr die Einwilligung ihres Mannes, um arbeiten zu dürfen. Zudem ist Vergewaltigung in der Ehe erst seit 1997 strafbar.


Gegenwärtiger Stand der Frauenrechte



Neben dem weltweiten Kampf gegen Unterdrückung und Gewalt gegen Frauen und Mädchen ist eine der wichtigsten Forderungen der Frauenbewegung heute die Stärkung der Rolle von Frauen in politischen Entscheidungsprozessen und im Arbeitsleben. Wie steht es um die Rechte der Frauen?

Reproduktive Rechte von Frauen

Zu den reproduktiven Rechten von Frauen gehört unter anderem das Recht auf ein sicheres und selbstbestimmtes Sexualleben, das Recht auf Familienplanung, der Zugang zu effektiven Verhütungsmitteln und das Recht auf Gesundheitsvorsorge für eine sichere Schwangerschaft und Geburt. In vielen Ländern werden diese Rechte nur unzureichend durchgesetzt: Die Folge sind unter anderem ungewollte Schwangerschaften, hohe Müttersterblichkeit und sexuell übertragbare Infektionen wie HIV. Laut UN-Weltbevölkerungsbericht 2013 wurden 7,3 Millionen Frauen in den Entwicklungsländern vor ihrem 18. Geburtstag schwanger, häufig als Folge sexueller Gewalt.

Entwicklung der ErwerbstätigkeitBildergalerie - soziale Situation in Deutschland: Erwerbstätigkeit (bpb) Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/
Frauen in der Arbeitswelt

Insgesamt hat sich die Situation der Frauen auf dem Arbeitsmarkt etwas verbessert. Nach »Angaben« der europäischen Statistikbehörde Eurostat lag der Anteil der erwerbstätigen Frauen in Deutschland 2012 mit 71,5 Prozent über dem EU-Durchschnitt von 62,3 Prozent (Männer: 81,8 bzw. 74,5 Prozent). Allerdings werden Frauen nach wie vor schlechter bezahlt als Männer (Gender Pay Gap). Laut Statistischem Bundesamt »verdienten 2012 Frauen in Deutschland 22 Prozent weniger« als ihre männlichen Kollegen. Nach Angaben von Eurostat belegt Deutschland damit »den drittletzten Platz« im Vergleich der EU-Mitgliedstaaten (durchschnittlich rund 16 Prozent Bruttolohnunterschied).

Ein Hauptproblem für die Gleichstellung der Frauen im Arbeitsleben ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Fast jede zweite erwerbstätige Frau in Deutschland »arbeitet laut Statistischem Bundesamt in Teilzeit«(46 Prozent), mehr als die Hälfte von Ihnen aus familiären Gründen wie der Kinderbetreuung oder der Pflege von Familienangehörigen (55 Prozent). Zum Vergleich: In Dänemark und Schweden, beides Länder mit einer ähnlich hohen oder höheren Erwerbstätigenquote von Frauen (über 72 Prozent), arbeitet nur etwas mehr als jede dritte Frau in Teilzeit, davon nur rund 37 Prozent aus familiären Gründen.

Frauen in Führungspositionen

In deutschen Führungsetagen sind Frauen nach wie vor unterrepräsentiert. Nach »Angaben des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW)« waren 2013 nur vier Prozent aller Vorstands- und knapp 15 Prozent aller Aufsichtsratssitze in den 200 umsatzstärksten Unternehmen in Deutschland von Frauen besetzt. In den DAX-30-Unternehmen war der Frauenanteil 2013 in den Vorständen sogar rückläufig: Gab es 2012 unter den insgesamt 193 Vorstandsmitgliedern dieser Unternehmen 15 Frauen, waren Ende 2013 nur noch zwölf von insgesamt 191 Vorstandsmitgliedern weiblich.

Derzeit gelten in vielen deutschen Unternehmen unverbindliche Selbstverpflichtungen, den Anteil an Frauen in Führungspositionen zu erhöhen. CDU, SPD und CSU hatten sich im Koalitionsvertrag auf eine verbindliche Geschlechterquote bei der Neubesetzung von Aufsichtsräten geeinigt. Aufsichtsräte von voll mitbestimmungspflichtigen und börsennotierten Unternehmen, die ab dem Jahr 2016 neu besetzt werden, sollen demnach zu mindestens 30 Prozent mit Frauen besetzt sein.

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