Erde

Die G20 trifft sich in Brisbane

11.11.2014
Australien hat in diesem Jahr den Vorsitz der Gruppe der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer inne. Mitte November trifft sich die Gruppe, um über die globale Wirtschafts- und Finanzpolitik zu beraten.

Gruppenfoto der Finanzminister und Notenbankchefs der G20 beim jährlichen Treffen des Weltwährungsfonds am 10. Oktober 2014 in Washington, D.C., USA.Gruppenfoto der Finanzminister und Notenbankchefs der G20 beim jährlichen Treffen des Weltwährungsfonds am 10. Oktober 2014 in Washington, D.C., USA. (© picture-alliance/dpa)

4.000 Delegierte und 3.000 Medienvertreter werden am 15. und 16. November 2014 in der Stadt Brisbane an Australiens Ostküste erwartet. Dort hält dann die so genannte "Gruppe der Zwanzig" ihr diesjähriges Gipfeltreffen ab.

Die G20 ist ein informelles Forum der größten und wichtigsten Industrie- und Schwellenländer. Sie ist keine internationale Organisation und besitzt weder einen eigenen Verwaltungsapparat noch eine ständige Vertretung. Der G20 gehören 19 Staaten sowie die Europäische Union an. Die Länder sind: Argentinien, Australien, Brasilien, China, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Indien, Indonesien, Italien, Japan, Kanada, Mexiko, Russland, Saudi Arabien, Südafrika, Südkorea, Türkei sowie die USA. Damit repräsentiert die Gruppe laut eigenen Angaben etwa zwei Drittel der Weltbevölkerung, mehr als 85 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts und rund drei Viertel des Welthandels.

Jedes Jahr wechselt die G20-Präsidentschaft unter den Mitgliedern. Im vergangenen Jahr führte Russland den Vorsitz, 2015 ist die Türkei an der Reihe. In diesem Jahr präsidiert Australien.

Ein Kind der Asienkrise



Die G20 soll ein Forum für Fragen der internationalen wirtschaftlichen Zusammenarbeit bieten. Die Asienkrise in den 1990er Jahren hatte die Angst geschürt, dass ökonomische Zusammenbrüche in einer globalisierten Welt schnell von einer Region auf andere Regionen übergreifen könnten. Um der weltwirtschaftlichen "Ansteckung" gegebenenfalls entgegenwirken zu können, vereinbarten die Finanzminister der bereits in der G8 zusammengeschlossenen Industrienationen 1999 die Gründung der G20, um sich in Anbetracht einer immer stärker verflochtenen Weltwirtschaft auch auf politischer Ebene mehr zu vernetzen. Dazu treffen sich seitdem mehrmals jährlich die Finanzminister und Notenbankenchefs der G20.

Die G20-Staaten befassen sich unter anderem mit der Handels- und Beschäftigungspolitik, der Regulierung der Finanzmärkte, Entwicklungs-, Klima- und Energiepolitik sowie der Bekämpfung von Korruption und der Steigerung des Wirtschaftswachstums. Zu den Beratungen werden gewöhnlich auch Vertreter des Internationalen Währungsfonds (IWF), der Weltbank, des Finanzstabilitätsrates (FSB), der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), der Welthandelsorganisation (WTO), der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und der Vereinten Nationen eingeladen.

Staatsgeheimnis Bankenrettung - ein Film von Harald Schumann (© NEW DOCS)

Die G20 und die Finanzkrise



Seit dem Ausbruch der internationalen Banken- und Finanzkrise 2008 bemüht sich die G20 verstärkt um eine Reform des internationalen Finanzsystems. 2009 gründete sie den Finanzstabilitätsrat (Financial Stability Board, FSB), um die internationalen Finanzmärkte zu stabilisieren und Bankengeschäfte und Kapitalströme stärker zu regulieren. Auf ihrem Gipfeltreffen 2010 in Seoul verabschiedete die G20 Grundzüge des sogenannten "Basel III"-Regelwerks für Banken. Die Vereinbarung sieht vor, dass die Institute mehr Eigenkapital halten müssen, um besser gegen Turbulenzen und Krisen der Märkte gewappnet zu sein.

Zudem begann die G20 jährlich ein Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs abzuhalten, um eine höhere Verbindlichkeit der Beschlüsse zu erreichen. Denn dem hohen Maß an Verflechtungen und Komplexitäten der internationalen Finanzmärkte steht mit der G20 ein informelles Forum gegenüber, dessen Vereinbarungen aus Absichtserklärungen bestehen. Unsicher bleibt also nach jedem Treffen, ob und wie die Mitglieder die gemeinsamen Übereinkünfte in nationales Recht, oder im Rahmen der EU in Richtlinien umsetzen, da die Beschlüsse nicht rechtlich bindend sind. Von der G20 seien auch deshalb in der Finanzmarktregulierung "keine wichtigen Impulse zur Krisenprävention zu erwarten", meint der der Politik- und Wirtschaftswissenschaftler Heribert Dierter von der Stiftung Wissenschaft und Politik.

Die Themen für Brisbane



Auch beim G20-Gipfel in Brisbane stehen finanzpolitische Fragen ganz oben auf der Agenda. Die Teilnehmer werden darüber beraten, wie mit der zunehmenden Abwanderung von Finanzgeschäften in den Schattenbankensektor umzugehen ist. Kreditgeber und -nehmer entziehen sich dort abseits des herkömmlichen Bankengeschäfts den Regulierungsvorgaben der Politik.

Außerdem wird die von der australischen Präsidentschaft angestrebte Zielmarke des künftigen Wirtschaftswachstums diskutiert werden: Demnach sollen die Volkswirtschaften der G20 innerhalb von fünf Jahren um zusätzliche zwei Prozentpunkte wachsen. Erst kürzlich senkte die Europäische Kommission ihre Erwartungen für das Wirtschaftswachstum in der Eurozone für das kommende Jahr auf knapp über einen Prozent. Zuvor hatte auch die Bundesregierung in ihrem Herbstgutachten die Wachstumsprognose für die deutsche Wirtschaft deutlich nach unten korrigiert.

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