Erde

Die Ebola-Epidemie

9.12.2014
Als weltweite Bedrohung für Frieden und Sicherheit hat der UN-Sicherheitsrat die Ausbreitung des Ebola-Virus bezeichnet. Besonders schwer betroffen sind Liberia, Sierra Leone und Guinea. Noch fehlen finanzielle Mittel und freiwillige Helfer für die Bekämpfung der Pandemie.

Zwei Helfer des Roten Kreuzes in Liberia tragen den in Plastik gehüllten Leichnam eines Ebola-Opfers, das in der Nacht zuvor in einem Behandlungszentrum an dem Virus gestorben war.Helfer des Roten Kreuzes in Liberia tragen den Leichnam eines Ebola-Opfers, das in der Nacht zuvor in einem Behandlungszentrum an dem Virus gestorben war. (© picture alliance/AA)

Mehr als 17.000 Ebola-Infektionen und 6.100 Todesfälle »hat die Weltgesundheitsorganisation bis zum 3. Dezember gezählt« – noch nie hat es eine Ebola-Epidemie dieses Ausmaßes gegeben. Betroffen sind vor allem die westafrikanischen Staaten Liberia, Sierra Leone und Guinea.

Erste Fälle im Dezember 2013



Zwar waren die ersten Ebola-Fälle dieser Epidemie bereits im Dezember 2013 registriert worden, doch erst am 22. März 2014 informierte das Gesundheitsministerium Guineas die WHO über eine schnell steigende Zahl von Ebola-Infektionen im Südosten des Landes und in der Hauptstadt Conakry. Übertragen worden war das Virus wahrscheinlich von Tieren auf Menschen. Im Mai 2014 meldeten Sierra Leone und Liberia erste Ebola-Fälle. Dass ausgerechnet diese drei Staaten so stark betroffen sind, liegt unter anderem daran, dass es ihren Gesundheitssystemen, nach lang anhaltenden Kriegen und Konflikten, an Ärzten, Krankenhäusern und anderen medizinischen Ressourcen fehlt.

Die WHO legt auf ihrer »Website« regelmäßig aktuelle Zahlen vor. Mit Stand vom 8. Dezember 2014 wurden bisher in Liberia 7.791, in Sierra Leone 7.798 und in Guinea 2.283 Infektionen registriert. In Liberia starben 3.177, in Sierra Leone 1.742 und in Guinea 1.412 Menschen am Ebola-Fieber. Die Gesamtzahl der Infizierten erhöhte sich demnach mittlerweile auf rund 17.800 Menschen, die Zahl der Toten stieg auf mehr als 6.300.

Auch andere Länder in Afrika waren zwischenzeitlich von Ebola betroffen. In Nigeria (20 Infektionen, acht Todesfälle) und Senegal (eine Infektion, kein Todesfall) konnte die Epidemie gestoppt werden. In Mali wurden acht Infektionen registriert, sechs Menschen starben. Auch in den USA (vier Infektionen, ein Todesfall) und Spanien (eine Infektion, kein Todesfall) wurden Ebola-Fälle gemeldet. Stets handelte es sich bei den Infizierten um Personen, die aus Liberia, Sierra Leone oder Guinea eingereist waren oder um Mitarbeiter medizinischer Einrichtungen, in denen diese Ebola-Patienten behandelt worden waren.

Ebola-Fieber

Das Ebola-Fieber ist eine schwere Infektionskrankheit, die durch Viren ausgelöst wird. Das Virus trägt den Namen des Flusses Ebola in der heutigen Demokratischen Republik Kongo. Dort und im Sudan war es 1976 erstmals ausgebrochen. Es gibt unterschiedliche Typen von Ebola-Viren; je nach Typ führt eine Infektion in 25 bis 90 Prozent der Fälle zum Tod.

Ein Mensch kann sich infizieren, indem er mit Körperflüssigkeiten eines an Ebola erkrankten oder verstorbenen Menschen oder eines infizierten Wildtieres in Berührung kommt. Vor allem Blut, Speichel, Schweiß und Urin können die Viren übertragen. Der Ausbruch der jüngsten Ebola-Epidemie in Westafrika ging wahrscheinlich auf eine Übertragung von Flughunden auf Menschen zurück.

Zwischen der Ansteckung und der Erkrankung können 2 bis 21 Tage vergehen. Wer an Ebola erkrankt, leidet meist an plötzlichem Fieber, Kopf-, Hals- und Muskelschmerzen, Übelkeit und Bindehautentzündung und fühlt sich sehr schwach. Es folgen Erbrechen und Durchfall, Leber- und Nierenfunktionsstörungen sowie möglicherweise innere und äußere Blutungen. In schweren Fällen kommt es zu Organversagen und hierdurch oft zum Tod. Ansteckend ist ein mit Ebola infizierter Mensch erst dann, wenn die Erkrankung bei ihm ausgebrochen ist.

Mehr Informationen gibt es bei der »Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung«.


WHO ruft "Gesundheitliche Notlage" aus



Mikroskopaufnahme des US Centers for Disease Control and Protection (CDC). Die Aufnahme zeigt ein Partikel des Ebola-Virus.Die Mikroskopaufnahme des US Centers for Disease Control and Protection (CDC) zeigt ein Partikel des Ebola-Virus. (© picture-alliance/dpa)
Rund drei Monate nach der Meldung steigender Infektionszahlen aus Guinea erklärte die WHO am 8. August 2014 die Ebola-Epidemie zur "Gesundheitlichen Notlage von internationaler Tragweite". Am 18. September folgte der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen mit einer Resolution, die den Ebola-Ausbruch als eine "Bedrohung für den internationalen Frieden und die Sicherheit" bezeichnete. Die »Ratsmitglieder forderten Gegenmaßnahmen« aller Mitgliedstaaten und UN-Organisationen.

UN hat Sondermission eingerichtet



Die UN setzte daraufhin die »Sondermission UNMEER (UN Mission for Ebola Emergency Response)« ein, um die Ausbreitung der Epidemie zu stoppen. Wie dies innerhalb von sechs bis neun Monaten zu schaffen sei, beschrieb die WHO im August in einer »Roadmap«: Neuinfektionen müssen so umfassend wie möglich registriert werden, um Betroffene schnell isolieren und behandeln zu können. Erforderlich dafür sei, laut WHO, eine Rückverfolgung der Kontakte mit Erkrankten. Vor allem sei Aufklärungsarbeit in betroffenen Regionen nötig, um etwa zu verhindern, dass Ebola-Tote bei Beerdigungen ohne ausreichende Schutzmaßnahmen berührt werden. Im Fokus stehen hierbei Länder, die an ein Gebiet mit hoher Infektionsdichte grenzen oder Drehkreuze des internationalen Transportwesens sind.

Für all das sind finanzielle Mittel nötig. Auf »1,5 Milliarden Dollar« hat das UN-Koordinationsbüro für humanitäre Angelegenheiten den Bedarf allein für die Projekte von UN und Hilfsorganisationen bis Februar 2015 geschätzt. Bis zum 3. Dezember seien davon 58 Prozent von Mitgliedstaaten, Hilfsorganisationen und privaten Akteuren aufgebracht worden.

Hilfsorganisationen fordern mehr Hilfe vor Ort



Hilfsorganisationen wie das Internationale Komitee vom Roten Kreuz und "Ärzte ohne Grenzen" fordern vor allem mehr medizinisches Personal und lokale Behandlungszentren in den von der Epidemie betroffenen Ländern. Sonst sei das Ziel der Eindämmung der Epidemie nicht zu erreichen. Das »Deutsche Rote Kreuz« setzt dabei auf freiwillige Helfer und die Unterstützung der Bundeswehr bei deren Rekrutierung und Ausbildung, beim Transport von medizinischem Material und beim Betrieb eines gemeinsamen Behandlungszentrums in Liberias Hauptstadt Monrovia. "Ärzte ohne Grenzen" »kritisierte Anfang Dezember« jedoch, die internationale Hilfe laufe zu langsam an und würde vor allem die ländlichen Gebiete der betroffenen Länder vernachlässigen.

Impfstoffe

Ein lizensierter Impfstoff für Menschen gegen eine Ebola-Infektion existiert noch nicht.

Die Erprobungsphase an Tieren haben bislang »zwei unterschiedliche Präparate« erfolgreich hinter sich gebracht: Der Impfstoff "Chimpanzee Adenovirus Vercor Ebola Vaccine" (cAd3-EBO) wird derzeit in Zusammenarbeit zwischen einem britischen Pharmakonzern und der zuständigen US-Behörde in verschiedenen Ländern an Menschen getestet. Unter Aufsicht der kanadischen Gesundheitsbehörde wird eine Studie mit einem Impfstoff auf Basis des "Vesicular stomatitis virus" (VSV-EBOZ) durchführt. Gegenwärtig laufen beschleunigte klinische Tests in nicht oder kaum von Ebola betroffenen Ländern – zunächst an gesunden, später an jungen, alten und HIV-infizierten Menschen, die sich hierfür freiwillig bereit erklärt haben.

Bei entsprechenden Ergebnissen – dem Ausbleiben schwerer Nebenwirkungen wie hohem Fieber und der erfolgreichen Bildung von Antikörpern gegen Ebola im Blut – könnten die Impfstoffe Anfang 2015 in den drei schwer betroffenen Ländern Westafrikas eingesetzt werden.

Eingesetzt würden damit Impfstoffe, die schnelle Tests an einer – verglichen mit herkömmlichen Studien – kleinen Zahl von Probanden hinter sich haben. Grünes Licht für dieses Vorgehen »hatte eine von der WHO im vergangenen August einberufene Ethik-Kommission gegeben«, da das Ausmaß der Ebola-Epidemie dieses beschleunigte Vorgehen rechtfertige.


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