Erde

Die Folgen von Ebola

11.12.2015
Die jüngste Ebola-Epidemie in Westafrika war der bisher schwerste Ausbruch dieser Krankheit. Seit März 2014 sind an dem hoch ansteckenden Virus mehr als 11.000 Menschen gestorben. Nun scheint die Krankheit weitgehend eingedämmt, aber die am stärksten betroffenen Staaten Guinea, Liberia und Sierra Leone leiden unter den sozialen und wirtschaftlichen Folgen.

Eine normalerweise geschäftige Marktstraße in Freetown, Sierra Leone, ist im März 2015 aufgrund einer dreitägigen Ausgangs- und Reisesperre menschenleer.Eine normalerweise geschäftige Marktstraße in Freetown, Sierra Leone, ist im März 2015 aufgrund einer dreitägigen Ausgangs- und Reisesperre menschenleer. Die wirtschaftlichen Folgen in Westafrika wirken bis heute nach. (© picture-alliance/AP)

Am 21. März 2014 alarmierte das Gesundheitsministerium des westafrikanischen Guineas die Weltgesundheitsorganisation (WHO) über den Ausbruch von Ebola im eigenen Land. Als Ausgangspunkt wird Guéckédou vermutet, ein Handelszentrum mit regem Grenzverkehr im Dreiländereck zwischen Guinea, Liberia und Sierra Leone. Von dort konnte sich der Virus schnell ausbreiten: Am 30. März 2014 meldete Liberia, am 25. Mai 2014 Sierra Leone die ersten Fälle des Virus.

Seit dem Ausbruch haben sich nach WHO-Angaben insgesamt 28.637 Personen weltweit mit dem tödlichen Virus infiziert, 11.315 von ihnen sind daran gestorben (Stand: 2. Dezember 2015). Da es in einigen betroffenen Gegenden kein medizinisches Personal gibt und nicht alle Infizierten von den Familien gemeldet werden, geht das WHO jedoch von einer wesentlich höheren Dunkelziffer aus. Am stärksten betroffen von der größten Ebola-Welle seit Entdeckung der Krankheit im Jahr 1976 sind mit Guinea, Liberia und Sierra Leone einige der ärmsten Länder Afrikas. Vereinzelt wurden Erkrankungen auch in den Nachbarstaaten Nigeria, Senegal und Mali sowie außerhalb Afrikas diagnostiziert; allerdings handelt es sich dabei um nur 36 Erkrankungen. Im Juni 2014 warnte die Organisation "Ärzte ohne Grenzen", die Krankheit sei "außer Kontrolle" und forderte ein stärkeres internationales Engagement. Auch die WHO wertete die Epidemie als einen internationalen Gesundheitsnotfall. Die drei am meisten betroffenen Staaten riefen den nationalen Notstand aus.

Ebola-Fieber

Das Ebola-Fieber ist eine schwere Infektionskrankheit, die durch Viren ausgelöst wird. Das Virus trägt den Namen des Flusses Ebola in der heutigen Demokratischen Republik Kongo. Dort und im Sudan war es 1976 erstmals ausgebrochen. Es gibt unterschiedliche Typen von Ebola-Viren; je nach Typ führt eine Infektion in 25 bis 90 Prozent der Fälle zum Tod.

Ein Mensch kann sich infizieren, indem er mit Körperflüssigkeiten eines an Ebola erkrankten oder verstorbenen Menschen oder eines infizierten Wildtieres in Berührung kommt. Vor allem Blut, Speichel, Schweiß und Urin können die Viren übertragen. Der Ausbruch der jüngsten Ebola-Epidemie in Westafrika ging wahrscheinlich auf eine Übertragung von Flughunden auf Menschen zurück.

Zwischen der Ansteckung und der Erkrankung können 2 bis 21 Tage vergehen. Wer an Ebola erkrankt, leidet meist an plötzlichem Fieber, Kopf-, Hals- und Muskelschmerzen, Übelkeit und Bindehautentzündung und fühlt sich sehr schwach. Es folgen Erbrechen und Durchfall, Leber- und Nierenfunktionsstörungen sowie möglicherweise innere und äußere Blutungen. In schweren Fällen kommt es zu Organversagen und hierdurch oft zum Tod. Ansteckend ist ein mit Ebola infizierter Mensch erst dann, wenn die Erkrankung bei ihm ausgebrochen ist.

Mehr Informationen gibt es bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.


Mittlerweile konnte die Epidemie dank internationaler Unterstützung eingedämmt werden. Die Zahl der Neuinfektionen ist stark zurückgegangen, vollständig überwunden ist die Ebola-Krise aber noch nicht: In Guinea wurde der letzte Fall in der Woche vom 26. Oktober bis 1. November gemeldet. Als offiziell überwunden gilt die Krankheit laut WHO erst, wenn sechs Wochen keine Neuerkrankungen aufgetreten sind. Dies war in Sierra Leone am 7. November der Fall. Liberia war offiziell bereits Anfang September für Ebola-frei erklärt worden, bis Ende November wieder drei neue Fälle von Ebola bekannt wurden.

Überforderte Gesundheitssysteme



Bis heute gibt es keine lizensierten Impfstoffe gegen Ebola. Es befinden sich aber einige in der Testphase. Nicht nur aufgrund fehlender Impfstoffe waren die Gesundheitssysteme der betroffenen Länder mit der Epidemie überfordert. Hinzu kamen strukturelle Probleme: Während in Liberia vor dem Ausbruch der Epidemie 0,14 Ärzte auf 10.000 Einwohner kamen (Stand 2008), waren es in Sierra Leone 0,22 (Stand 2010) und in Guinea einer (Stand 2005). Zum Vergleich: In Deutschland kommen 38,89 Ärzte auf 10.000 Einwohner (Stand 2012). Seit Ausbruch der Epidemie in den westafrikanischen Ländern hat sich das Verhältnis zwischen Ärzten und Einwohnern dort noch verschlechtert, denn Menschen im Gesundheitsbereich haben sich häufiger angesteckt: Nach einem vorläufigen Bericht der WHO vom Mai 2015 war es für diese Menschen je nach Beruf zwischen 21- und 32-mal wahrscheinlicher, an Ebola zu erkranken, als für die erwachsene Bevölkerung im Allgemeinen. Auch weil unter den Toten viele Ärztinnen und Ärzte waren, blieben auf dem Höhepunkt der Krise zahlreiche Krankenhäuser wochenlang geschlossen. Zudem fehlte es an Wissen über den korrekten Umgang mit dem Erreger und über die Maßnahmen zum Infektionsschutz: Hygienische Grundvoraussetzungen wie der Zugang zu sauberem Wasser sind nicht überall gegeben. Zu Anfang war auch nicht immer bekannt, auf welche Weise Kranke identifiziert und isoliert werden sollten. In Krankenhäusern fehlte es an der notwendigen Schutzkleidung und Ausrüstung.

Internationale Hilfen für die überforderten Länder kamen nur zögerlich, kritisierte "Ärzte ohne Grenzen". Während Naturkatastrophen zu schnellen großzügigen Unterstützung von Hilfsorganisationen und Staaten führen würden, hätte die Angst vor dem Unbekannten und ein Mangel an Expertise die meisten Hilfsorganisationen und Spender gelähmt.

Soziale und wirtschaftliche Auswirkungen



Das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen veröffentlichte im Februar 2015 einen Bericht über die sozialen und ökonomischen Auswirkungen der Ebola-Epidemie für die betroffenen Länder: Durch die Krankheit haben demnach 16.600 Kinder einen oder beide Elternteile verloren und sind nun durch Armut bedroht. Auch der Bildungssektor sei von den Folgen der Epidemie betroffen: Viele Lehrerinnen und Lehrer sowie Schülerinnen und Schüler starben, Schulen wurden geschlossen und immer weniger Schülerinnen und Schüler konnten dem Bericht zufolge am Unterricht teilnehmen. Ebenfalls hätten sich das soziale Leben (weniger Besuche an öffentlichen Veranstaltungen und Feiern) und die Beziehungen zwischen den Ortschaften aus Angst vor der Krankheit verschlechtert.

Neben die sozialen Auswirkungen treten weitgehende wirtschaftliche Folgen für die drei hauptsächlich betroffenen Länder. Durch die Krise kamen Teile der Wirtschaft in den Ländern zeitweise zum Erliegen; dazu haben verschiedene Faktoren beigetragen: Durch die Epidemie waren Reisen nur eingeschränkt möglich, Landesgrenzen wurden geschlossen und Importe und Exporte haben sich reduziert. Außerdem verloren zahlreiche Menschen ihre Arbeit: Viele private Unternehmen mussten schließen. Von der Arbeitslosigkeit sind vor allem selbstständige Frauen außerhalb der Landwirtschaft betroffen, weil viele von ihnen als Händlerinnen und auf Märkten gearbeitet haben. Da die meisten Ebola-Erkrankten die Hauptverdiener der Familien sind, hat sich gleichzeitig die Kaufkraft reduziert und das Problem der Nahrungsmittelversorgung verschärft. Das UN-Welternährungsprogramm warnt daher vor einer drohenden Ernährungskrise in der Region. Nach Schätzungen der Weltbank wird die Ebola-Krise im Jahr 2015 Sierra Leone, Guinea und Liberia 2,2 Milliarden US-Dollar an Wirtschaftswachstum kosten.

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