Blick auf den Erdball vom Weltall aus. Im Zentrum des Betrachters ist die nördliche Halbkugel zu sehen. Sie ist kaum von Wolken bedeckt. Im Westen liegt der amerikanisch Kontinent, im Osten liegt Europa. Dazwischen leuchtet blau der Ozean Atlantik.

Tag der Menschenrechte

Am 10. Dezember 1948 verabschiedeten die Vereinten Nationen die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte. Das Dokument war eine direkte Reaktion auf die Ereignisse des drei Jahre zuvor beendeten Zweiten Weltkriegs: Gemeinsam sollte sich die Weltgemeinschaft dazu verpflichten, dass es nie wieder zu solch grauenvollen Verbrechen kommt.

Eleanor Roosevelt hält ein Dokument der Allgemeinen Erklärung der MenschenrechteEleanor Roosevelt 1949 mit der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, an deren Umsetzung sie beteiligt war. (© picture alliance/Everett Collection)

"Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren", lautet der erste Artikel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Das Dokument definiert die Rechte, die jedem Menschen, unabhängig von Faktoren wie Herkunft, Geschlecht oder Religion, zustehen sollten. Nicht nur die weltweite Umsetzung der Menschenrechte durch den Staat und andere Akteure, sondern auch die Universalität, also die allgemeine Gültigkeit dieser 30 festgeschriebenen Rechte, wird immer wieder diskutiert.

Geschichte der universellen Menschenrechte

Menschenrechte definieren die Rechte des Menschen vor dem Staat. Schon etwa 400 vor Christus nahmen griechische Philosophen den Menschen als autonomes Individuum wahr. Viele Jahrhunderte später, vor allem im 17. und 18. Jahrhundert, beschäftigten sich die Philosophen so mit der Spannung zwischen den Pflichten des Staates und den Rechten der Gesellschaft. Aus diesen Überlegungen wurden erste Grundrechte formuliert wurden, die jedem Menschen zustehen und die ihm der Staat nicht absprechen kann. Wichtige Meilensteine auf dem Weg zur Definition dieser Rechte waren die "Virginia Declaration of Rights" von 1776, die französische Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte von 1789 und die amerikanische "Bill of Rights" von 1791. Ausgangspunkt für den modernen, universellen Menschenrechtsschutz war die Charta der Vereinten Nationen von 1945 und die Verabschiedung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, drei Jahre später. In den 30 Artikeln werden unter anderem das Recht auf Leben, das Recht auf die Abwesenheit von Sklaverei und Folter und das Recht auf Religionsfreiheit definiert.

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Charta der Vereinten Nationen – Präambel

"WIR, DIE VÖLKER DER VEREINTEN NATIONEN - FEST ENTSCHLOSSEN,

künftige Geschlechter vor der Geißel des Krieges zu bewahren, die zweimal zu unseren Lebzeiten unsagbares Leid über die Menschheit gebracht hat, unseren Glauben an die Grundrechte des Menschen, an Würde und Wert der menschlichen Persönlichkeit, an die Gleichberechtigung von Mann und Frau sowie von allen Nationen, ob groß oder klein, erneut zu bekräftigen, Bedingungen zu schaffen, unter denen Gerechtigkeit und die Achtung vor den Verpflichtungen aus Verträgen und anderen Quellen des Völkerrechts gewahrt werden können, den sozialen Fortschritt und einen besseren Lebensstandard in größerer Freiheit zu fördern,

UND FÜR DIESE ZWECKE

Duldsamkeit zu üben und als gute Nachbarn in Frieden miteinander zu leben, unsere Kräfte zu vereinen, um den Weltfrieden und die internationale Sicherheit zu wahren, Grundsätze anzunehmen und Verfahren einzuführen, die gewährleisten, daß Waffengewalt nur noch im gemeinsamen Interesse angewendet wird, und internationale Einrichtungen in Anspruch zu nehmen, um den wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt aller Völker zu fördern -

HABEN BESCHLOSSEN, IN UNSEREM BEMÜHEN UM DIE ERREICHUNG DIESER ZIELE ZUSAMMENZUWIRKEN.

Dementsprechend haben unsere Regierungen durch ihre in der Stadt San Franzisko versammelten Vertreter, deren Vollmachten vorgelegt und in guter und gehöriger Form befunden wurden, diese Charta der Vereinten Nationen angenommen und errichten hiermit eine internationale Organisation, die den Namen "Vereinte Nationen" führen soll."

Quelle: Charta der Vereinten Nationen

Staatliche Organe, also zum Beispiel das Verfassungsgericht oder die Polizei, haben die Pflicht, Menschenrechte nicht zu verletzen (Achtungspflicht), sie vor Eingriffen durch Dritte zu schützen (Schutzpflicht) und die Pflicht, die aktive Wahrnehmung der Rechte zu ermöglichen (Gewährleistungspflicht). Obwohl immer wieder Unternehmen zu Verletzung von Menschenrechten beitragen, etwa durch Kinderarbeit oder auch die Verseuchung von Böden oder Wasser durch industrielle Produktionen, kennt das Völkerrecht keine direkte Verantwortung für Unternehmen, wenn es um den Verstoß gegen Menschenrechte geht. Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte hat jedoch keinen völkerrechtlich bindenden Status. Die dort definierten Rechte können also zum Beispiel nicht unter Berufung auf die Charta eingeklagt werden. Einige Rechte haben jedoch einen Sonderstatus: Sie wurden in den sogenannten UN-Zivilpakt oder den sogenannten UN-Sozialpakt übernommen, zum Beispiel das Recht auf Bildung. So haben sie Verbindlichkeit internationaler Abkommen.

Menschenrechtliche Debatten

Immer wieder kommen Debatten über die Gültigkeit, Umsetzung und Definition von Menschenrechten auf. Eine Frage beschäftigt sich zum Beispiel damit, ob Unterlassung auch eine Form von Gewalt ist, etwa wenn bei Kriegsverbrechen tatenlos zugesehen wird. Hier stellt sich auch die Frage, ob militärische Intervention zum Schutz von Menschenrechten sinnvoll, erlaubt oder gar geboten ist.

Auch aktuelle globale Entwicklungen beeinflussen die Diskussion über Menschenechte. Durch die stark angestiegene Zahl an Flüchtlingen zeigten sich große Probleme in der Umsetzung von Menschenrechten, weil viele ohne gültige Ausweisdokumente ihre Rechte, etwa auf Bildung oder Gesundheitsversorgung, nicht wahrnehmen konnten. Auch der Klimawandel hat Einfluss auf die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte. So wurde zum Beispiel 2010 das Recht auf Wasser als Menschenrecht anerkannt, da weltweit Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Wasser haben.

Debattiert wird auch der Universalitätsanspruch der Menschenrechte. Denn in vielen Ländern wird anders über Menschenrechte gesprochen als etwa in Europa oder Nordamerika. In einigen Ländern, etwa in Russland, stehen nicht die Individualrechte, sondern das Wohl der Gemeinschaft im Mittelpunkt. Dort, aber auch in China oder muslimischen Ländern, gibt es darum eine Diskussion darüber, ob die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte nicht nur der Ausdruck einer westlich-geprägten Sicht auf das Thema ist.

Grundfragen der Menschenrechte

Straße der Menschenrechte in Nürnberg: In jedes Element der Installation ist die Kurzfassung eines der 30 Artikel der UN-Menschenrechtserklärung von 1948 eingraviert.

Dossier Menschenrechte

Allgemeine Erklärung der Menschenrechte

"Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren." So lautet Artikel 1 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Erstmals wurden am 10. Dezember 1948 für alle Menschen gültige Rechte festgeschrieben. Den genauen Wortlaut der 30 Artikel finden Sie hier.

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Menschenrechte stehen in gleicher Weise allen Menschen zu.

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Zehn Fragen zu Menschenrechten

Wer hat Menschenrechte inne? Wie wurden sie erkämpft? Und wie können Menschenrechte überwacht werden? Der Vorsitzende des Nürnberger Menschenrechtszentrums, Dr. Michael Krennerich, gibt Antworten.

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Weltweit kämpfen NGOs für die Durchsetzung der Menschenrechte. Die nicht-staatlichen Organisationen finanzieren sich durch Spenden, sind nicht auf Gewinn ausgerichtet und setzen sich unter anderem für die Rechte von Frauen, die Einhaltung der Pressefreiheit oder gegen Korruption ein.

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Allgemeine Ansicht des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte in Straßburg, Ostfrankreich.

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Menschenrechtsinstitutionen

Der Anspruch einer weltweiten Gewährleistung von Menschenrechten bedarf regionaler und internationaler Institutionen, die ihre Einhaltung überwachen und Verstöße verfolgen. Bereits vor der Formulierung der Menschenrechte haben sich Institutionen formiert, die sich dies zum Ziel gesetzt haben.

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Debatten über Menschenrechte

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Menschenrechte gelten auch ohne Papiere – aber wie können sie durchgesetzt werden?

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Militärische Intervention und Menschenrechte

Mit dem Ende des Kalten Krieges wurde die Diskussion über militärische Interventionen zum Schutz der Menschenrechte wiederbelebt. Gegenwärtige Konflikte in Syrien, im Irak und in Libyen werfen wieder die Frage auf, ob und inwieweit militärische Interventionen völkerrechtsgemäß gerechtfertigt sind? Sind sie die richtige Antwort auf schwere Menschenrechtsverletzungen? Geprägt wird diese Diskussion von der Frage nach der Legalität und Legitimität. .

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Tansanische Frauen, die in einer Goldmine arbeiten. Das Mädchen rechts ist erst 13 Jahre alt. Kinderarbeit ist hier weitverbreitet und extrem gefährlich: vor allem wegen der Gase, einstürzenden Schächten und des Kontakts mit Quecksilber.

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Wirtschaft und Menschenrechte

Das Völkerrecht kennt keine Unternehmen, wenn es um die Ahndung von Menschenrechtsverletzungen geht. Dennoch sind es häufig auch die global agierenden Konzerne, die – bewusst oder unbewusst – zur Verletzung von Menschenrechten beitragen. Sei es durch miserable Arbeitsbedingungen, der Kooperation mit Gewaltakteuren oder der Verschmutzung von Lebensraum in Folge von Ressourcengewinnung. Doch es bewegt sich etwas – zahlreiche Nichtregierungsorganisationen setzen sich dafür ein, Unternehmen für Menschenrechtsverletzungen weltweit haftbar zu machen. Bis Menschenrechtspflichten auch für Unternehmen ins Völkerrecht eingehen, dürften aber noch Jahrzehnte vergehen.

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Gelten Menschenrechte universell oder erfordern kulturelle Besonderheiten auch unterschiedliche Menschenrechte?

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Universelle Menschenrechte und kulturelle Besonderheiten*

Gibt es eine absolute Grundvoraussetzung für den Anspruch der allgemeinen Gültigkeit der Menschenrechte oder kann dieser aus verschiedenen kulturellen Kontexten hergeleitet werden? Der Philosoph Georg Lohmann unternimmt den Versuch einer Begründung des egalitären Universalismus der Menschenrechte.

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Menschenrechte in verschiedenen Regionen

Reporter demonstrieren vor dem Gebäude der Journalisten-Gewerkschaft in Kairo gegen die Festnahme ihrer Kollegen.

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Menschenrechte im Nahen und Mittleren Osten

Was hat der Arabische Frühling im Nahen und Mittleren Osten für die Menschenrechte der Bevölkerung gebracht? Das fragen sich viele angesichts der nicht abreißenden terroristischen Anschläge in der Region, der fortdauernden Diskriminierung von Frauen und des Bemühens vieler Menschen – auch in Ländern, wo kein Krieg herrscht –, den Nahen Osten zu verlassen. Kurz gesagt: Die Bilanz ist wenig ermutigend.

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Ein Anhänger der regierungskritischen Zeitung Southern Weekly hält ein Banner mit der Aufschrift "Unterstützt Southern Weekly, boykottiert die Nachrichtenzensur und gebt mir meine Redefreiheit zurück" bei einem Protest im Januar 2013 vor der Redaktion in der Guangdong Provinz in China.

Dossier Menschenrechte

Menschenrechte in der Volksrepublik China

Menschenrechte haben in der Volksrepublik China nach wie vor einen schlechten Stand. Zwar ist der Schutz der Menschenrechte in der Verfassung verankert, allerdings nur nach Lesart der chinesischen Parteiführung: Peking will eine "zivilisierte, keine zivile Gesellschaft". In den vergangenen Jahren wurden zwar Verbesserungen erzielt, insbesondere in der Armutsbekämpfung. Der Aufbau eines Rechtsstaates kommt jedoch kaum voran.

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Polizisten bilden eine Menschenkette während Anhänger des oppositionellen Bloggers Alexei Navalny gegen seine Verurteilung im Kirow-Fall protestieren.

Dossier Menschenrechte

Menschenrechte in Russland

Wenn in Russland von Menschenrechten die Rede ist, sind meist soziale Garantien gemeint: Wohnen, Heizung, Essen und Arbeit. Politische Rechte hingegen werden im Zuge der antiwestlichen Tendenzen in der Politik der vergangenen Jahre häufig als unvereinbar mit den traditionellen russischen Werten dargestellt. Dementsprechend schrumpfen die gesellschaftlichen Freiräume in Russland zusehends. Im Gegenzug wächst die Liste der repressiven Maßnahmen der russischen Führung, bilanzieren Menschenrechtler.

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Traumatisierte Frau in einem Flüchtlingslager in Liberia

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Menschenrechte in Afrika

Die Bevölkerung Afrikas wird im Kontext gewaltsamer Konflikte, angesichts gravierender Entwicklungsprobleme und Menschenrechtsverletzungen häufig als Gesellschaft von Opfern wahrgenommen. Ein Bild, das trügt? Franziska Ulm über positive und negative Entwicklungen der Menschenrechtssituation in Afrika.

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Menschenrechte

Auf der Flucht vor Zwangsheirat, hinter Gittern wegen der "falschen" Meinung, in der Textilfabrik von Kindesbeinen an: Auch sechzig Jahre nach Erklärung der Allgemeinen Menschenrechte ist die Frage nach Freiheit und Würde des Menschen aktuell. Sind Menschenrechte universell? Wer verfolgt Verstöße gegen Menschenrechte? Und wie sieht die Situation in verschiedenen Regionen aus?

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Das Menschenrecht auf Bildung

1949 verankerten die Vereinten Nationen das Recht auf Bildung in der Menschenrechtscharta. Warum kann trotzdem weltweit jeder fünfte Mensch weder lesen noch schreiben?

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Der internationale Menschenrechtsschutz basiert auf neun UN-Menschenrechts-verträgen. In materiell-rechtlicher Hinsicht ist er weit fortgeschritten, seine Umsetzung stellt jedoch nach wie vor eine Herausforderung dar. In der Tat ist die Durchsetzungskraft der Weltorganisation begrenzt. Als Forum für einen internationalen Menschenrechtsdiskurs ist sie allerdings unverzichtbar.

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