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Red Hand Day - Gegen den Einsatz von Kindersoldaten weltweit

Hunderttausende Kinder und Jugendliche werden weltweit als Soldaten in Kriegen und bewaffneten Konflikten missbraucht. Der Aktionstag "Red Hand Day" versucht jedes Jahr am 12. Februar auf ihre Lage aufmerksam zu machen.

epa02576447 (FILE) A file picture dated 16 June 2003 shows a young child soldier who would not give his age to journalists in an ethnic Hema militia camp near Bunia in the Democratic Republic of Congo. On 12 February 2011 Red Hand Day will be observed worldwide through protest, demonstrations and other activities to raise awareness of the situation of child soldiers across the globe. Red Hand Day is takes place yearly on 12 February. EPA/STEPHEN MORRISONRed Hand Day - Gegen den Einsatz von Kindersoldaten weltweit (© picture-alliance/dpa)
Seit zehn Jahren, dem 12. Februar 2002, ergänzt ein spezielles Protokoll die UN-Kinderrechtskonvention, das die Rekrutierung von Kindersoldaten verbietet. Für die Teilnahme an bewaffneten Konflikten gilt ein Mindestalter von 18 Jahren. Über 140 Staaten haben das UN-Protokoll inzwischen ratifiziert. Seit 2006 ist Radhika Coomaraswamy aus Sri Lanka Sonderbeauftragte der Vereinten Nationen für Kinder und bewaffnete Konflikte. Ein UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes in Genf überwacht die Einhaltung der Kinderrechtskonvention. Dennoch sind bis zu 250.000 Kinder und Jugendliche als Soldaten und Helfer an bewaffneten Konflikten beteiligt.

Das UN-Kinderhilfswerk UNICEF definiert Kindersoldaten als Personen unter 18 Jahren, die von Armeen oder nichtstaatlichen bewaffneten Gruppen rekrutiert werden. Die Funktion, die Kindersoldaten ausführen, spielt ausdrücklich keine Rolle. In die Definition sind auch Minderjährige einbezogen, die nicht an Kampfhandlungen teilnehmen, sondern als Helfer - beispielsweise als Lastenträger oder Minensucher - oder gar sexuell ausgebeutet werden.

Die meisten Kindersoldaten sind zwischen 14 und 18 Jahre alt. Viele von ihnen melden sich zunächst "freiwillig". Sie leben in vom Krieg zerrütteten Regionen, in denen nach dem Zusammenbruch sozialer und ökonomischer Strukturen wenig Alternativen zur Verfügung stehen. Bewaffnete Gruppen entführen jedoch auch Kinder zur Zwangsrekrutierung. Mädchen werden ebenfalls als Kindersoldaten missbraucht. Insbesondere sie sind dabei oft sexueller Gewalt ausgesetzt.

In ihrem jährlichen Bericht über Kinder in bewaffneten Konflikten zählte die UN im April 2011 Dutzende von Staaten auf, in denen Kinder an bewaffneten Konflikten teilnehmen mussten, zum Beispiel Kongo, Uganda und Sudan. Aber auch in Asien, Lateinamerika und dem Nahen Osten existiert die Praxis. Laut Bericht des Deutschen Bündnis Kindersoldaten von 2008 wurden die meisten Kindersoldaten von der Militär-Junta in Birma eingesetzt. Hier seien schon Neunjährige zum bewaffneten Kampf gezwungen worden. Manche Staaten wie etwa Kolumbien, versuchten die Rekrutierung von Kindersoldaten zu vertuschen, indem sie sie zum Beispiel an verbündete paramilitärische Gruppen "auslagern". Auch für Selbstmordanschläge - etwa im Irak, in Pakistan und Afghanistan - würden zunehmend Kinder herangezogen.

Für ehemalige Kindersoldaten ist eine Wiedereingliederung ins zivile Leben schwer und langwierig. Viele tragen von ihren Einsätzen schwere körperliche und psychische Schäden davon. Mädchen, die sexuell missbraucht wurden, leiden oft zusätzlich unter gesellschaftlicher Stigmatisierung.

In den vergangenen Jahren hat sich international das Bewusstsein für das Thema erhöht. Die erste Anklage des Internationalen Strafgerichtshofs wegen eines Verstoßes gegen das Verbot der Rekrutierung von Kindersoldaten wurde im Jahr 2006 gegen den kongolesischen Warlord Thomas Lubanga Dyilo erhoben. Auch im Prozess gegen den früheren Präsidenten von Liberia, Charles Taylor, vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag, ist der Missbrauch von Kindern als Soldaten ein Anklagepunkt.

Seit 2002 existiert der "Red Hand Day" als globaler Aktionstag, durch den auf die Situation hingewiesen werden soll. Initiiert wurde der Tag von Nichtregierungsorganisationen wie Amnesty International, Human Rights Watch, Terre des Hommes und anderen. In Deutschland fordert das Bündnis ein Recht auf politisches Asyl und Unterstützung für geflüchtete Kindersoldaten und den Stopp deutscher Rüstungsexporte in Krisengebiete, in denen Kindersoldaten eingesetzt werden.


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