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Stuttgart 21: Gutachter bestätigen Stresstest

Die Schweizer Beratungsfirma SMA hat heute ihr Gutachten zum Stuttgart-21-Stresstest übergeben. Darin kommen die Autoren zu dem Schluss, dass in den Stoßzeiten genügend Züge im geplanten unterirdischen Bahnhof abfahren können.

Im SMA-Gutachten heißt es laut Medienberichten: "Unsere Prüfung der Simulationsergebnisse hat gezeigt, dass die geforderten 49 Ankünfte im Hauptbahnhof Stuttgart in der am meisten belasteten Stunde und mit dem der Simulation unterstellten Fahrplan mit wirtschaftlich optimaler Betriebsqualität abgewickelt werden können."

Für die Prüfung hatte SMA Berechnungen der Bahn nachvollzogen und bewertet, die diese zuvor im sogenannten Stresstest vorgelegt hatte. Die Bahn sollte in dem Test mittels einer Computersimulation beweisen, dass der vom Unternehmen geplante unterirdische Durchgangsbahnhof leistungsfähiger ist als der bestehende Kopfbahnhof. Im Zentrum der Prüfung stand dabei die Kapazität während der Stoßzeiten: Insbesondere während des Berufsverkehrs sollen mehr Züge pro Stunde abfahren können. Das Ergebnis des Tests gilt als wichtiger Punkt bei der Beantwortung der Frage, ob die Kosten des Milliardenprojekts gerechtfertigt sind.

Der Stresstest war Teil des Schiedsspruchs von Heiner Geißler zu Stuttgart 21 im Dezember 2010. Vorausgegangen war eine mehrwöchigen Schlichtung zwischen Befürwortern und Gegnern des Infrastrukturprojekts unter der Leitung des CDU-Politikers. In seinem Votum befürwortete Geißler das Projekt, forderte aber auch eine Reihe von Änderungen. So sollen etwa mehr Zugänge für Rettungsfahrzeuge in den Tunneln und zwei zusätzliche Gleise gebaut werden. Die durch den Umbau frei werdenden Grundstücke sollen einer möglichen Immobilienspekulation entzogen werden, indem sie in eine Stiftung eingebracht werden.

Geißler hatte sich Anfang Oktober bereit erklärt, im Streit um Stuttgart 21 zu vermitteln. Zuvor hatten zehntausende Bürger über Wochen gegen das Projekt demonstriert. Die Proteste wurden vehementer nachdem die Abruchbarbeiten für den Nordflügel des Bahnhofs begonnen hatten und die Bahn im Zuge der Bauarbeiten Bäume im Stuttgarter Schlosspark fällen wollte. Am 30. September eskalierte die Auseinandersetzung, als die Polizei gegen Demonstranten Wasserwerfer und Reizgas einsetzte.

Teil von Stuttgart 21 ist über den Bahnhofsumbau hinaus der Neubau einer Eisenbahnschnellfahrstrecke von Wendlingen nach Ulm. Die Befürworter von Stuttgart 21 erhoffen sich eine bessere Anbindung der baden-württembergischen Hauptstadt an das europäische Hochgeschwindigkeitsnetz. Außerdem sollen die frei werdenden Gleisflächen Möglichkeiten zur Stadtentwicklung bieten.

Gegner des Projekts argumentieren mit zu hohen Kosten von Stuttgart 21. Die Berechnung der tatsächlichen Baukosten sei unzutreffend und deshalb die Finanzierung des Projekts nicht gesichert. Außerdem würde der geplante Durchgangsbahnhof nicht die geforderte Leistungsfähigkeit besitzen. Die Gegner von Stuttgart 21 befürworten deshalb die Modernisierung des bestehenden Kopfbahnhofs.

Stuttgart 21 befindet sich seit den 1990er-Jahren in der konkreten Planung. Hauptgeldgeber für den Umbau des Stuttgarter Hauptbahnhofs sind der Bund, die Deutsche Bahn AG sowie das Land Baden-Württemberg. Im Februar 2010 begannen erste Bauarbeiten.


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