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20 Jahre Unabhängigkeitserklärung von Kroatien und Slowenien

Am 25. Juni 1991 verkünden Kroatien und Slowenien einseitig ihre Unabhängigkeit vom jugoslawischen Bundesstaat. Die Unabhängigkeitserklärungen markieren den Beginn des schwersten bewaffneten Konflikts in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg und leiteten den Zerfall Jugoslawiens ein.

Als Jugoslawiens Staats- und Parteichef Josip Broz Tito 1980 stirbt, hinterlässt er ein Gebilde aus den sechs jugoslawischen Teilrepubliken Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Serbien, Montenegro und Mazedonien sowie den beiden autonomen Provinzen Vojvodina und Kosovo.

Der Tod Titos leitet den Zerfallsprozess in der "Sozialistischen Föderativen Republik – SFR Jugoslawien" ein. Starre Entscheidungsmechanismen, starke regionale Unterschiede zwischen reicheren und ärmeren Republiken und der Stillstand der wirtschaftlichen Entwicklung verstärken die Bestrebungen nach Souveränität innerhalb des föderativen Staatsgebildes.

Mit dem Umbruch in Ost- und Südosteuropa zu Beginn der 1990er Jahre gewinnen sezessionistische Strömungen weiter an Einfluss. Doch mehrere Anläufe zur Neuordnung des jugoslawischen Bundesstaates scheitern an den unversöhnlichen Positionen der Teilrepubliken. Am 25. Juni 1991 beschließen die Parlamente in Ljubljana und Zagreb formell die Unabhängigkeit ihrer Republiken.

Am folgenden Tag kommt es zu kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen slowenischen Streitkräften und der jugoslawischen Volksarmee. Letztere muss sich nach zehn Tagen geschlagen geben. Die Kämpfe um Slowenien enden mit einem von der EG vermittelten Abzug des jugoslawischen Bundesheeres im Juli 1991. Zur gleichen Zeit eskalieren in Kroatien die Auseinandersetzungen zwischen der kroatischen und serbischen Armee zu einem blutigen Bürgerkrieg. Dieser wird mit Unterbrechungen bis 1995 fortgeführt.

Kriegerische Konflikte flammen in Bosnien-Herzegowina (1992 - 1995) und später auch in Kosovo (1999) auf. Der in allen jugoslawischen Landesteilen um sich greifende Nationalismus resultiert in einer extremen Politisierung "ethnischer Gegensätze". Gezielte Angriffe auf Zivilisten sind Teil der Kriegsstrategie. Neben regulären Streitkräften stehen sich dabei auch zunehmend paramilitärische Gruppen gegenüber. Im Verlauf des Krieges kommt es in großem Umfang zu "ethnischen Säuberungen".

Mit Verweis auf das Selbstbestimmungsrecht der Völker erkennt die deutsche Bundesregierung Slowenien und Kroatien am 23. Dezember 1991 als eigenständige Staaten an. Am 15. Januar 1992 folgt die Anerkennung durch alle übrigen EG-Mitgliedstaaten. Das einstige Jugoslawien zerfällt als Staatengebilde endgültig und die Teilrepubliken erlangen nacheinander ihre Unabhängigkeit. Auf dem Gebiet Jugoslawiens haben sich seit 1991 bis heute sieben Staaten formiert: Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Serbien, Montenegro, Kosovo und Mazedonien.

Ungeachtet anhaltender Probleme ist beiden Staaten 20 Jahre nach der Unabhängigkeitserklärung der Sprung in Richtung EU-Integration geglückt: Slowenien ist bereits seit 2004 EU-Mitglied – Kroatien soll 2013 folgen. Auch die anderen ehemaligen Teilrepubliken Jugoslawiens – Bosnien-Herzegowina, Mazedonien, Montenegro, Kosovo und Serbien – streben eine EU-Mitgliedschaft an.

Der für die Erweiterung zuständige EU-Kommissar Stefan Füle kündigte Anfang Juni 2011 an, dass noch in diesem Jahr Beitrittsverhandlungen mit Mazedonien beginnen könnten. Laut Füle dürfe auch Serbien nach der Auslieferung des mutmaßlichen Kriegsverbrechers Radko Mladic damit rechnen, den Status eines EU-Beitrittskandidaten zu bekommen.


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