Erde

Ein Jahr danach: Die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko

Am 20. April 2010 kam es auf der Ölbohrstation "Deepwater Horizon" von BP zu einer Explosion – elf Menschen starben. Die Bohrinsel sank, in den folgenden Monaten breitete sich im Golf von Mexiko ein riesiger Ölteppich aus. Auch ein Jahr später sind die Folgen noch sichtbar.

Es ist eine der größten Naturkatastrophen aller Zeiten: Mehr als 750 Millionen Liter Öl flossen aus dem havarierten Bohrloch in den Golf von Mexiko. Erst nach mehreren Fehlschlägen gelang es dem Plattformpächter BP am 19. September 2010 das Bohrloch in rund 4.000 Meter Tiefe mit Schlamm und Zement zu verschließen.

Die Öl-Katastrophe wirkte sich verheerend auf die Umwelt aus. Von den Folgen unmittelbar betroffen sind das Flussdelta des Mississippi sowie das dortige Wildschutzgebiet Pass à l'outre. In den Bundesstaaten Louisiana, Florida, Mississippi und Alabama wurde der Notstand ausgerufen.

Mehr als 47.000 Hilfskräfte waren in den folgenden Monaten im Einsatz, um die Katastrophe einzudämmen. Zunächst wurde das Öl abgeschöpft und kontrolliert abgefackelt. Darüber hinaus kamen spezielle Mikroben zum Einsatz, die das Öl abbauen. BP setzte zudem die Chemikalie Corexit ein, die das Öl unter Wasser zwang und so von den Stränden fernhielt. Doch da die Nebenwirkungen der Chemikalie kaum bekannt sind, untersagte die US-Umweltbehörde EPA den Einsatz von Corexit schließlich.

Auch ein Jahr nach dem Unglück sind die Auswirkungen der Katastrophe noch zu spüren: "Es wird Jahrzehnte dauern, bis die Umweltfolgen vollständig eingeschätzt sind", so William Reilly, ehemaliger Chef der US-Umweltbehörde EPA. Reilly gehörte der Untersuchungskommission an, die US-Präsident Barack Obama nach dem Unglück einsetzte. In ihrem Abschlussbericht –vorgestellt im Januar 2011 – kam das siebenköpfige Gremium zu dem Schluss, dass die Katastrophe "vorhersehbar und vermeidbar" gewesen sei. Dabei hätten Irrtümer, Fehleinschätzungen und mangelnde Sicherheitsvorkehrungen der drei Konzerne BP, Halliburton und Transocean, die am Bau und Betrieb der "Deepwater Horizon" beteiligt waren, eine Schlüsselrolle gespielt. Aber auch die Regierungsaufsicht habe versagt.

Den zuständigen Behörden fehlte es an finanziellen Ressourcen und der notwendigen Expertise, um Tiefseebohrungen wirksam zu überwachen. Daher müsse die Regierung unter Einbeziehung unabhängiger Forschungsinstitutionen eigene Kapazitäten zur Überwachung der Öl- und Gasindustrie aufbauen. Zudem müsse der Austausch von Informationen über Unfälle und Beinahe-Katastrophen verbessert und in einer gemeinsamen Datenbank zusammengetragen werden. Hierzu, so die Kommission, müsse eine neue, unabhängige Sicherheitsbehörde geschaffen werden.

Darüber hinaus solle die Industrie bei künftigen Unfällen stärker in Regress genommen werden können. Bislang haften Unternehmen bei Ölkatastrophen für die Beseitigung des Öls, doch für Entschädigungszahlungen gilt eine gesetzliche Obergrenze von 75 Millionen Dollar.

Nach Angaben von BP beliefen sich die Kosten für die Beseitigung des Öls bis zum September 2010 auf 11,2 Milliarden US-Dollar. Hinzu kommt ein Entschädigungsfonds von 20 Milliarden US-Dollar, den BP auf Druck der US-Regierung eingerichtet hat. Insgesamt schätzt BP die Folgekosten auf 40 Milliarden Dollar.

Insbesondere die Fischerei und das Tourismusgewerbe erlitten wirtschaftliche Verluste und erhoben Schadensersatzforderungen gegenüber BP. Im Dezember 2010 reichte das US-Justizministerium Klage gegen den Ölkonzern und acht weitere Konzerne ein. Ziel der Klage ist es, die Unternehmen für alle entstandenen Kosten der Katastrophe haftbar zu machen.

Direkt nach dem Unglück vor einem Jahr hatte Präsident Obama ein Moratorium für Tiefseebohrungen angeordnet, das auf sechs Monate befristet war. Während noch immer etwa 2.000 Menschen in der Unglücksregion im Einsatz sind, hat das US-Innenministerium dem britisch-niederländischen Energiekonzern Royal Dutch Shell die erste Tiefseebohrungen im Golf von Mexiko nach dem Moratorium erlaubt – Shell habe die verschärften Sicherheits- und Umweltanforderungen erfüllt, so US-Innenminister Ken Salazar.


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