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Kabinett legt Migrationsbericht vor

Die Bundesregierung hat am Mittwoch (19. Januar) den Migrationsbericht für das Jahr 2009 vorgestellt. Zum zweiten Mal in Folge war die Abwanderung aus Deutschland größer als die Zuwanderung. Hauptherkunftsland der Zuwanderer ist derzeit Polen. Türkische Staatsangehörige stellen insgesamt die größte Ausländergruppe.

Etwa 7,1 Millionen ausländische Staatsbürger haben 2009 in Deutschland gelebt. Ihre Zahl hat sich damit 2009 erneut verringert. Der ausländische Anteil an der Gesamtbevölkerung ist seit Mitte der 1990er Jahre leicht rückläufig und lag 2009 bei 8,7 Prozent. 1996 waren es noch 9,1 Prozent. Wie schon 2008 zogen auch 2009 mehr Menschen aus Deutschland weg als im Gegenzug in die Bundesrepublik kamen: 721.014 Menschen kamen nach Deutschland, 733.769 verließen das Land. Die Differenz beträgt 12.755. Für 2009 weist die Statistik damit zum zweiten Mal in Folge eine negative Wanderungsbilanz aus. Sie ist jedoch geringer als im Vorjahr (2008: - 56.000).

Hauptherkunftsland der Zuwanderung ist weiterhin Polen: Mit etwa 123.000 Zuzügen (17 Prozent aller Zuwanderer) lag das Land 2009 vor Rumänien und den USA. Allerdings wanderten auch fast ebenso viele Menschen nach Polen ab. Eine positive Wanderungsbilanz hat Deutschland dagegen mit Rumänien
(+ 12.300) und Bulgarien (+ 9.000). Negative Wanderungsbilanzen führt der Bericht mit der Schweiz
(- 16.300) und der Türkei (- 10.100) an.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière erklärte vor den Mitgliedern des Deutschen Bundestages, dass 2009 im Wesentlichen drei große Gruppen von Menschen zugewandert seien: Der größte Teil der Zuwanderung ist laut de Maizière im Familiennachzug begründet. Die anderen beiden Gruppen bildeten Studenten und Personen, die zum Arbeiten nach Deutschland gekommen sind.

Mehr als ein Drittel der Ausländer in Deutschland sind EU-Bürger (35,3 Prozent), die überwiegend aus den alten EU-Mitgliedsstaaten stammen. Nach Staaten aufgeschlüsselt stellen türkische Staatsangehörige die größte Ausländergruppe: Jeder vierte Ausländer (24,8 Prozent) in Deutschland ist türkischer Herkunft.

Mit Blick auf die Veröffentlichung des Berichts forderte die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer, bei der notwendigen Zuwanderung von qualifizierten Fachkräften und Akademikern auch deren Integration in den Blick zu nehmen: "Wir dürfen nicht die Fehler der Vergangenheit wiederholen. Zuwanderung und Integration gehören zusammen". Eine intensive Begleitung der Zuwanderer sei nicht nur im Rahmen des Familiennachzugs oder bei Zuwanderung aus humanitären Gründen notwendig. Um den Zusammenhalt in Deutschland zu sichern, dürften auch gut ausgebildete Fachkräfte nicht allein gelassen werden. Integration sei kein Selbstläufer.

Der Migrationsbericht verfolgt das Ziel, durch die Bereitstellung statistischer Daten über Migration Grundlagen für die Entscheidungsfindung von Politik und Verwaltung im Bereich Migrationspolitik zu liefern. Im Jahr 2000 hatte das Parlament die Bundesregierung aufgefordert, jährlich einen Bericht vorzulegen, der unter Einbeziehung aller Zuwanderergruppen eine umfassende Übersicht über die jährliche Entwicklung der Zu- und Abwanderung gibt. Der vorliegende Migrationsbericht ist der achte, der seitdem veröffentlicht wurde. Er wurde vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge erarbeitet.


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