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Dioxin sorgt für Diskussion um Lebensmittel-Überwachung

Der Dioxin-Skandal um verseuchtes Fleisch und Eier zieht immer weitere Kreise. Welche Konsequenzen wird die Krise für die industrielle Landwirtschaft haben? Kritiker sprechen sich für ein grundlegendes Umdenken aus. Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner fordert strengere Kontrollen und Strafen.

Am Dienstag (11. Januar) ist in Niedersachsen auch in Schweinefleisch ein erhöhter Dioxin-Wert nachgewiesen worden. Bereits Anfang des Jahres waren erhöhte Werte des Giftes in Eiern und Legehennenfleisch gemessen worden. Seitdem wurden mehrere Tausend landwirtschaftliche Betriebe gesperrt und Tiere notgeschlachtet. Dennoch sind belastetes Fleisch und Eier in den Handel gelangt – wie viel ist noch unklar.

Als Reaktion auf den Dioxin-Skandal verhängten Südkorea und China ein Importverbot für Schweinefleisch und Eierprodukte aus Deutschland. Russland verschärfte die Kontrollen für deutsche Produkte.

Prinzipiell können Dioxin-Verbindungen überall in der Umwelt und damit in der Nahrungskette vorkommen. Da Dioxin vor allem in hohen Dosen und über einen längeren Zeitraum gesundheitschädlich sein kann, bestehen in der EU Obergrenzen für Dioxin-Werte in Nahrungsmitteln. Trotzdem gelangen immer wieder größere Mengen des Giftes in Tierfutter und damit in Lebensmittel.

Im jüngsten Fall hatte ein Futterfett-Hersteller eine für die technische Industrie hergestellte Fettsäure verwendet. Belastete Produkte wurden an andere Mischfuttermittelhersteller und landwirtschaftliche Betriebe verkauft, vor allem in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein.

Aus Sicht vieler Verbraucher- und Umweltschützer ist der Preisdruck in der industriellen Landwirtschaft die Hauptursache für den Dioxin-Skandal. Moderne landwirtschaftliche Großbetriebe sehen sich gezwungen, möglichst kostengünstig zu produzieren, um preiswerte Ware auf dem Markt anbieten zu können. Folgen sind die Verwendung möglichst billiger Produktionsmittel sowie die Ausweitung von Viehbestand und Fläche. Vertreter der ökologischen Landwirtschaft plädieren daher für grundlegende Veränderungen der Agrarstrukturen.

Auf der politischen Ebene werden derzeit vor allem Kontrollen und die Verantwortlichkeit bei der Herstellung und Verbreitung von Tierprodukten diskutiert. Vertreter der Opposition werfen Bundeslandwirtschaftsministerin Aigner vor, nicht schnell genug auf die Dioxin-Funde reagiert zu haben.

Am 18. Januar will sich die Ministerin mit ihren Agrar- wie auch mit den Verbraucherschutzkollegen aus den Ländern zu einer gemeinsamen Sondersitzung treffen. Aigner will als Konsequenz aus dem Vorfall die Zulassungspflicht für Futtermittelbetriebe verschärfen. Zudem sollen das Dioxin-Monitoring erweitert und die Produktionsströme strikter getrennt werden. Auch die Strafen bei Verstößen sollen verschärft werden.

In Deutschland sind Unternehmen, die Lebensmittel herstellen, dazu verpflichtet, selbst Kontrollen durchzuführen. Außerdem müssen sie Buch führen, woher sie Zutaten kaufen. So kann nachvollzogen werden, an welcher Stelle Verunreinigungen entstehen. Die Bundesländer haben die Aufgabe zu prüfen, ob die Unternehmen diesen gesetzlich vorgeschriebenen Pflichten nachkommen.

Die Länderministerien für Verbraucherschutz bzw. Ernährung entwickeln dazu Untersuchungsprogramme. Ausgeführt werden sie von den Lebensmittelüberwachungs- und Veterinärämtern der Städte und Landkreise. Über die Häufigkeit von Kontrollen entscheiden die Behörden nach der Höhe des Risikos. Um dieses festzustellen, werden Betriebe erfasst und in Risikokategorien eingestuft. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) steht den zuständigen Behörden der Länder dabei als koordinierende und beratende Bundesstelle zur Seite.


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