Erde

UN-Klimagipfel: Kompromiss in Cancún

Ein Jahr nach dem Scheitern der UN-Klimakonferenz in Kopenhagen ist sich die Staatengemeinschaft im mexikanischen Cancún ein Stück näher gekommen. Der Klimadialog zwischen Industrie- und Schwellenländern wurde wieder angestoßen und verschiedene Maßnahmen auf den Weg gebracht - als Grundlage für ein geplantes Klimaschutzabkommen im Jahr 2011.

Als neuen Abschnitt in der internationalen Zusammenarbeit hat der mexikanische Präsident Felipe Calderón den UN-Klimagipfel in Cancún bezeichnet: Erstmalig bekannten sich die Vertreter der knapp 200 Teilnehmerstaaten offiziell zum Zwei-Grad-Ziel. Demnach soll die Erderwärmung bis Ende des Jahrhunderts auf maximal zwei Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Niveau begrenzt werden. Diese Zwei-Grad-Marke ist nach Berechnungen des UN-Weltklimarats (IPCC) die maximale Obergrenze, um die massivsten Auswirkungen des Klimawandels noch abzuwenden.

Zwar hatte sich die internationale Staatengemeinschaft bereits Ende 2009 in Kopenhagen auf dieses Ziel verständigt. Die Maßgabe war damals aber lediglich "zur Kenntnis" genommen worden. In der Abschlusserklärung von Cancún einigte man sich nun zudem darauf, das Zwei-Grad-Ziel zwischen 2013 und 2015 zu überprüfen und möglicherweise auf 1,5 Grad zu verschärfen. Auch sollen genauere Kontrollen der Reduktionsbemühungen der einzelnen Länder stattfinden, damit der Klimaschutz international verglichen und bewertet werden kann. Vor allem China hatte sich lange dagegen gesträubt, weil es dies als Einmischung in seine inneren Angelegenheiten angesehen hatte.

Auf auf dem Klimagipfel wurden mehrere Mechanismen beschlossen, die das Fundament für einen globalen Klimaschutzvertrag bilden sollen. Neben der Förderung klimafreundlicher Technologien sollen Maßnahmen zum Schutz der Wälder ergriffen werden. Denn die Zerstörung der Wälder trägt zu mehr als 15 Prozent zum Treibhauseffekt bei. Allerdings ist bislang offen, woher das Geld für den Schutz der Wälder kommen soll. Diskutiert werden ein spezieller Fonds, die Einbindung in den internationalen Emissionshandel sowie der Aufbau eines eigenen Handelssystems.

Die Gipfelteilnehmer bestätigten weiterhin die Finanzierung des in Kopenhagen beschlossenen Klimafonds: Bis 2012 sollen die Industriestaaten die ärmeren Staaten mit insgesamt 30 Milliarden US-Dollar beim Klimaschutz unterstützen. Von 2012 bis 2020 werden diese Hilfen jährlich 100 Milliarden US-Dollar betragen.

Konkrete CO2-Einsparziele wurden in Cancún ausgeklammert, um zunächst wieder eine Vertrauensbasis und die multilaterale Handlungsfähigkeit der Teilnehmerstaaten herzustellen. Verbindliche Vorgaben soll der nächste Klimagipfel in Südafrika Ende 2011 bringen, der auch die Verabschiedung eines neuen Klimaschutzabkommens zum Ziel hat. Dazu fehlen noch konkrete Reduktionszusagen der einzelnen Länder. Im Fokus stehen vor allem die beiden Hauptproduzenten von Treibhausgasen, China und die USA: Bisher haben beide Staaten das Kyoto-Protokoll nicht ratifiziert und sind somit keine Reduktionsverpflichtungen eingegangen.

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