Erde

Welt-Aids-Tag

Weltweit leben mehr als 33 Millionen Menschen mit HIV. Zwar haben sich in den vergangenen zehn Jahren weniger Menschen infiziert, die Krankheit stellt jedoch noch immer eine große Herausforderung dar. Der Welt-Aids-Tag am 1. Dezember erinnert an die Opfer und macht auf die weltweite Dimension der Krankheit aufmerksam.

Die aktuellen Zahlen zur Immunschwächekrankheit AIDS zeichnen ein ambivalentes Bild: Einerseits lebten nach Schätzungen des AIDS-Programms der Vereinten Nationen (UNAIDS) im Jahr 2009 mehr Menschen denn je mit dem AIDS-Erreger: 33,3 Millionen. Andererseits ist die Zahl der Neuinfektionen seit 1999, als die Epidemie ihren Höhepunkt erreichte, weltweit um 19 Prozent zurückgegangen. Das geht aus dem aktuellen UNAIDS-Report hervor, der die Entwicklungen in 182 Ländern untersucht. In mindestens 33 Ländern ist die Rate der Neuinfektionen zwischen 2001 und 2009 laut UN-Report um rund 25 Prozent gesunken – darunter auch in 22 Ländern des südlichen Afrikas, wo die Aidsrate am höchsten ist. Insgesamt infizierten sich im vergangenen Jahr 2,6 Millionen Menschen mit dem HI-Virus. Auch die Zahl der Menschen, die an den Folgen der Immunschwächekrankheit gestorben sind, ist in den vergangenen fünf Jahren um 20 Prozent gesunken.

Fortschritte gibt es ebenfalls bei der Prävention der Mutter-zu-Kind-Übertragung: Die Anzahl der HIV-positiven Mütter, die während Schwangerschaft Medikamente erhielten, um eine Ansteckung des Neugeborenen verhindern, stieg laut des UN-Kinderhilfswerks Unicef in den vergangenen vier Jahren um etwa 38 Prozent.

Der weltweite Kampf gegen die Immunschwächekrankheit zahle sich aus, so der UNAIDS-Direktor Michel Sidibé. Die Entwicklungen erklärte Sidibé unter anderem mit den Erfolgen der AIDS-Prävention. Zudem können immer mehr Menschen mit modernen Medikamenten behandelt werden. Allein im vergangenen Jahr ist die Zahl der Menschen um 30 Prozent gestiegen, die Medikamente zur Behandlung der HIV-Infektion erhielten.

1996 wurde auf der Welt-AIDS-Konferenz in Vancouver erstmals eine Therapie vorgestellt, die seither bei Millionen Menschen den Ausbruch der Krankheit verzögert hat. Vier Jahre später wurde auf der 13. Welt-AIDS-Konferenz im südafrikanischen Durban entschieden, dass AIDS-Medikamente und Impfstoffe auch ärmeren Ländern zugänglich gemacht werden sollen.

Viele besonders betroffene Staaten konnten sich die teuren Wirkstoffe bis dahin kaum leisten. Die Pharmaindustrie beharrte ursprünglich auf den Patentrechten an den von ihnen entwickelten Medikamenten und konnte so die Preise bestimmen. Einige besonders betroffene Länder wie Indien, Brasilien und Thailand setzten sich jedoch darüber hinweg – dort entwickelte sich eine blühende Produktion von Kopien der Medikamente, sogenannter Generika.

Nach anfänglichem Protest von Seiten der Pharmafirmen gegen die Generika-Produktion erlaubte 2001 die Welthandelsorganisation WTO ihren Mitgliedsstaaten, diese herzustellen oder zu importieren, wenn sie einen nationalen Notstand sehen. Daraufhin fielen die jährlichen Kosten für eine Therapie von 10 000 US-Dollar im Jahr 2001 auf 132 US-Dollar im Jahr 2003.

AIDS kann allerdings nach wie vor nur behandelt, nicht aber geheilt werden. Auch existiert noch keine Schutzimpfung. Die Infektionsvorbeugung stellt daher bislang das wichtigste Instrument im Kampf gegen die Immunschwächekrankheit dar. Laut UNAIDS sind Präventionsmaßnahmen besonders effektiv, wenn sie mit anderen Gesundheits- oder Sozialprogrammen kombiniert werden.

Auch wenn die Behandlung Fortschritte macht, stellt AIDS nach wie vor eine große soziale Herausforderung dar. Häufig geht die Krankheit mit Armut und sozialer wie wirtschaftlicher Benachteiligung einher. Die Anzahl der mit dem HI-Virus infizierten Menschen ist weltweit sehr unterschiedlich verteilt. Ein Großteil der Betroffenen lebt in Entwicklungsländern. Am stärksten betroffen ist nach wie vor das südliche Afrika: Hier leben etwa 10 Prozent der Weltbevölkerung, jedoch 67 Prozent aller HIV-positiven Menschen.

In etlichen osteuropäischen und zentralasiatischen Ländern ist die Zahl der Neuinfizierungen zwischen 2001 und 2009 stark gestiegen. Insgesamt leben hier rund 1,4 Millionen Menschen mit der Immunschwächekrankheit. Besonders hoch ist die HIV-Verbreitung in Russland und der Ukraine.

In Deutschland waren im vergangenen Jahr etwa 70.000 Menschen mit HIV infiziert. Die Zahl der Neuinfizierungen lag nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts im Jahr 2010 erneut bei rund 3.000 Menschen.


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