Erde

Nahrungsmittelpreise steigen weiter

Die Welternährungsorganisation FAO warnt vor steigenden Preisen für Grundnahrungsmittel. Hintergrund sind nach dem aktuellen Bericht die gestiegene Nachfrage, klimatisch bedingte Ernteausfälle sowie zunehmende Spekulationen mit Rohstoffen. Unter den Preissteigerungen leiden vor allem Länder, die einen Großteil ihrer Grundnahrungsmittel importieren.

Nach Angaben der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) könnte die Summe der weltweiten Grundnahrungsmittelimporte im Jahr 2010 erstmals eine Billion Dollar betragen - und damit voraussichtlich das bisherige Rekordniveau aus dem Jahre 2008 übertreffen. Ferner korrigiert die FAO in dem aktuellen Bericht ihre Produktionsprognose für Getreide um zwei Prozent nach unten: 63 Millionen Tonnen weniger als noch im Juni prognostiziert. Damals war die Organisation noch von einem Anstieg um 1,2 Prozent ausgegangen.

Insgesamt dürften die Getreidebestände im Vergleich zum Vorjahr um sieben Prozent sinken. Bei Gerste ist der Rückgang mit 35 Prozent am höchsten. Lediglich die Reisproduktion solle laut der UN-Organisation um sechs Prozent steigen. Die FAO warnt davor, dass insbesondere die Preise für Mais, Soja und Weizen im nächsten Jahr weiter steigen könnten, sollte die Produktion nicht angekurbelt werden.

In den vergangenen Jahrzehnten waren die Grundnahrungspreise weltweit relativ stabil. Nachdem sie zwischen 1974 und 2005 um fast 75 Prozent gesunken waren, erhöhte sich der Preisindex für Nahrungsmittel laut FAO im Jahr 2007 um fast 40 Prozent und stieg ein Jahr später auf ein bisheriges Rekordniveau. Damals hatten die Rekordpreise für Mais und Weizen eine Protestwelle in rund 30 Ländern ausgelöst. Seither unterliegen die Preise starken Schwankungen. Zuletzt waren die Preise im Sommer in die Höhe geschnellt: Russland - einer der weltweit größten Exporteure - hatte einen Ausfuhrstopp für Weizen verhängt. Hintergrund war die Dürre im Land, die Ernteausfälle zur Folge hatte.

Der Preisanstieg wird durch verschiedene strukturelle und temporäre Faktoren bedingt: Das weltweite Bevölkerungswachstum und veränderte Ernährungsgewohnheiten erhöhen den Bedarf an Grundnahrungsmitteln, durch den vor einigen Jahren einsetzende Biosprit-Boom werden immer mehr Agrarprodukte zur Energiegewinnung benötigt. Hinzu kommt die sinkende landwirtschaftliche Produktion. Diese wird auch dadurch forciert, dass sich immer mehr ehemals ertragreiche Landstriche durch Übernutzung oder den Einsatz von Agrarchemikalien in unfruchtbare Steppen verwandeln. Von der sogenannten Degradation sind bereits 15 Prozent der Gesamtfläche der Erde betroffen.

Auch steigende Produktionskosten - etwa durch den Anstieg der Erdölpreise - haben die Lebensmittel verteuert. Zu den temporären Faktoren zählen insbesondere klimatische Einflüsse wie zunehmende Dürren und Überschwemmungen, die zu Ernteausfällen führen. In der Folge sind die Weltgetreidevorräte in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen. Einige Länder verhängten daraufhin Exportbeschränkungen für Nahrungsmittel, um die Ernährung im eigenen Land sicherzustellen. Hinzu kommen die Spekulationen auf steigende und fallende Preise an den Rohstoffmärkten: Sie führen dazu, dass der Börsenwert für Grundnahrungsmitteln mit der realen Situation auf dem Agrarmarkt nur noch wenig gemein hat: Sogenannte Spekulationsblasen entstehen, die zu kurzzeitigen Preisanstiegen und -abfällen führen und sich letztendlich auch in den tatsächlichen Preisen widerspiegeln.

Die Preissteigerungen treffen insbesondere Länder, die einen Großteil ihrer Grundnahrungsmittel importieren. Laut der FAO könnten sich die Importrechnungen für diese Länder 2010 zwischen 11 und 20 Prozent erhöhen. Angesichts der steigenden Nahrungsmittelpreise plant China Medienberichten zufolge, einkommensschwache Familien zu subventionieren. Außerdem will Peking Preiskontrollen einführen und Strafen gegen Spekulationsgeschäfte mit Mais und Baumwolle verhängen. In China haben sich die Preise für Nahrungsmittel in den vergangenen zwölf Monaten um rund 10 Prozent verteuert.


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