Erde

G20 vereinbaren IWF-Reform

Aufstrebende Volkswirtschaften wie China, Indien und Brasilien sollen künftig mehr Macht beim Internationalen Währungsfonds erhalten. Darauf haben sich die Finanzminister der Gruppe der zwanzig einflussreichsten Industrie- und Schwellenländer am 23. Oktober im südkoreanischen Gyeongju geeinigt.

Drei Wochen vor dem Gipfeltreffen der Gruppe der zwanzig wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) in Seoul haben die Finanzminister und Notenbankchefs der G20-Staaten einen jahrelangen Streit beigelegt. Durch eine umfassende Reform sollen die Stimmgewichte im Internationalen Währungsfonds (IWF) zugunsten der Schwellenländer verschoben werden. Die Neuordnung soll dem wachsenden Einfluss der aufstrebenden Volkswirtschaften wie China, Indien und Brasilien auf die Weltwirtschaft Rechnung tragen. IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn sprach im Anschluss an die Beratungen von einer "historischen Entscheidung".

Der IWF ist eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen. Er hat die Aufgabe, die Zusammenarbeit bei der Währungspolitik zu fördern und die Wechselkurse zu stabilisieren. Außerdem vergibt der IWF Kredite an seine 187 Mitgliedsstaaten. Jedes Mitglied des IWF zahlt in den Fond ein und hält damit Anteile am Kapital. Diese sogenannten Quoten bestimmen nicht nur die Einzahlungsverpflichtungen und mögliche finanzielle Hilfen, sondern auch die Stimmrechte der einzelnen Länder und damit ihren Einfluss auf die Fondspolitik.

Kernpunkt der kommenden Reform soll ein Neuzuschnitt der IWF-Quoten werden. Bis 2011 sollen 6,4 Prozent der Anteile des Fonds überwiegend an Schwellenländer umverteilt werden. Die zehn größten Anteilseigner sind dann die USA, Japan, China, Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien, Russland, Indien und Brasilien. China löst Deutschland als Nummer drei unter den IWF-Anteilseignern ab und festigt seinen Aufstieg zu einer der wichtigsten Wirtschaftsmächte der Welt.

Für wichtige Entscheidungen des IWF wird weiterhin eine Mehrheit von 85 Prozent der Stimmen gefordert. Die USA behalten ihr faktisches Veto-Recht: Auch in Zukunft halten sie mit über 17 Prozent den größten Anteil und können bedeutsame Entscheidungen blockieren.

Die Reform muss nun in den Mitgliedsländern ratifiziert werden und kann erst in Kraft treten, wenn zwei Drittel der 187 Mitgliedsstaaten mit Anteilen von insgesamt mehr als 85 Prozent zugestimmt haben. Die Reform soll bis Ende 2012 umgesetzt sein.


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