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Friedensnobelpreis

Der diesjährige Friedensnobelpreis geht an den chinesischen Dissidenten Liu Xiaobo. Er wird für seinen "langen und gewaltfreien Kampf" für die Menschenrechte in China ausgezeichnet, hieß es zur Begründung. Der Friedensnobelpreis ist eine der höchsten Auszeichnungen der Welt. Doch entgegennehmen kann ihn der Preisträger in diesem Jahr nicht, da er im Gefängnis sitzt.

Liu Xiaobo ist Präsident des chinesischen PEN-Clubs unabhängiger Schriftsteller und zählt seit zwei Jahrzehnten zu den wichtigsten Denkern der Demokratiebewegung in China. Liu veröffentlichte im Dezember 2008 mit anderen Bürgerrechtlern die "Charta 08", in dem sie ein Ende der Ein-Parteien-Herrschaft in China und Gewaltenteilung forderten. Noch im selben Monat wurde Liu Xiaobo festgenommen und ein Jahr später wegen "Untergrabung der Staatsgewalt" zu elf Jahren Haft verurteilt.

Das Urteil löste weltweit Proteste aus. Für seine Freilassung setzte sich unter anderem Bundeskanzlerin Angela Merkel ein. Liu sitzt nicht zum ersten Mal im Gefängnis. Schon nach der blutigen Niederschlagung der Demokratiebewegung von 1989 musste der damalige Literaturdozent wegen der Beteiligung an Studentenprotesten mehrere Monate in Haft.

Insgesamt sind 237 Nominierungen für den Friedensnobelpreis 2010 eingegangen – mehr als jemals zuvor. Dabei kann nur ein enger Personenkreis Vorschläge einreichen. Neben den Mitgliedern der Nobelpreiskommission und früheren Preisträgern selbst, haben ein Vorschlagsrecht: Regierungsmitglieder, Lehrstuhlinhabern der Fachrichtungen Sozialwissenschaft, Geschichte, Philosophie, Recht und Theologie, Mitglieder des Internationalen Gerichtshofs in Den Haag sowie die Leiter von Friedensforschungsinstituten und vergleichbaren Organisationen. Die Preisträger wählt ein fünfköpfiges norwegisches Komitee aus, dessen Mitglieder für sechs Jahre vom norwegischen Parlament ernannt werden.

Mit dem Friedensnobelpreis sollen sowohl Persönlichkeiten als auch Organisationen ausgezeichnet werden, die sich für den Aufbau und den Erhalt des Friedens verdient gemacht haben. Seit 1960 wird auch der Einsatz für Menschenrechte und seit 2004 zudem das Engagement für die Umwelt mit dem Friedensnobelpreis geehrt.

Bisher wurde der Friedensnobelpreis an insgesamt 97 Personen und 20 Organisationen verliehen. Prominenter Preisträger war unter anderem Martin Luther King. Der US-amerikanische Bürgerrechtler erhielt 1964 den Friedensnobelpreis für seinen Kampf um die Rechte farbiger US-Amerikaner. Mutter Teresa, die Ordensgründerin der "Missionarinnen der Nächstenliebe" erhielt die Auszeichnung 1979 für ihren Einsatz gegen Armut, insbesondere im indischen Kalkutta. Aufgrund seines jahrzehntelangen Engagements für die Rechte und Freiheit der Tibeter und eine friedliche Konfliktlösung mit China wurde der Dalai Lama 1989 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. 1993 wurde Nelson Mandela für seinen jahrzehntelangen Kampf zur Befreiung Südafrikas von der Apartheid mit dem Friedensnobelpreis geehrt – gemeinsam mit Frederik Willem de Klerk.

Als erste Frau erhielt 1905 die österreichische Schriftstellerin und Pazifistin Bertha von Suttner den Friedensnobelpreis. Letzter deutscher Träger des Friedensnobelpreises war Willy Brandt. Der damalige Bundeskanzler erhielt den Preis 1971 für seine Entspannungspolitik zwischen Ost und West. Im vergangenen Jahr wurde US-Präsident Barack Obama geehrt. Das Komitee in Oslo begründete diese Entscheidung mit Obamas "außergewöhnlichen Bemühungen" um eine Stärkung der internationalen Diplomatie und seiner Vorstellung einer Welt ohne Atomwaffen.

Seit 1901 werden die Nobelpreise zur Ehrung besonderer Leistungen in den Bereichen Literatur, Chemie, Physik, Medizin und Frieden vergeben. Herausragende Arbeiten im Bereich der Wirtschaftswissenschaften werden zudem seit 1969 honoriert. Die Nobelpreise gehen auf das Testament des schwedischen Forschers und Industriellen Alfred Nobel (1833-1896) zurück. Darin verfügte er die Einrichtung einer Stiftung, die aus den Erträgen seines Vermögens fünf Preise finanzieren sollte. Die Entwicklung des Dynamits hatte Nobel zu großem Reichtum verholfen. Die Preise sollten eine "Wiedergutmachung" dafür sein, dass seine Entdeckung für kriegerische Auseinandersetzungen eingesetzt wurde.

Nobel ordnete in seinem Testament an, dass der Friedenspreis für Beiträge zur "Verbrüderung zwischen den Nationen, die Verminderung oder Abschaffung von stehenden Heeren und die Förderung und Abhaltung von Friedenskongressen" jährlich an bis zu drei Menschen oder Organisationen vergeben werden solle.

Traditionell gibt das zuständige Auswahl-Komitee alle Preisträger Anfang bis Mitte Oktober bekannt. Die Nobelpreise selbst werden am 10. Dezember überreicht, dem Todestag des 1896 verstorbenen Stifters. Während die Verleihung der übrigen Nobelpreise in der schwedischen Hauptstadt Stockholm stattfindet, wird der Friedensnobelpreis in Norwegens Hauptstadt Oslo überreicht. Der Preisträger erhält eine Medaille, eine Urkunde und ein Preisgeld – in diesem Jahr zehn Millionen Schwedische Kronen (knapp eine Million Euro).


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