Erde

20 Jahre Deutsche Einheit

Am 3. Oktober 1990 feierten die Menschen die Vereinigung beider deutscher Staaten. Damit war die Teilung Deutschlands überwunden und die Existenz der DDR beendet - knapp ein Jahr nach dem Mauerfall. 2010 jährt sich der Tag der Deutschen Einheit zum zwanzigsten Mal.

2. Oktober 1990: Vor dem Berliner Reichtagsgebäude haben sich um Mitternacht hunderttausende Menschen versammelt. Sie feiern den Beitritt der DDR zur Bundesrepublik. In der Nacht zum 3. Oktober tritt das Grundgesetz auch in den neuen Bundesländern in Kraft: Nach über 40 Jahren der Teilung sind beide deutsche Staaten wieder vereint. Der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker ordnet die historische Bedeutung dieses Ereignisses ein: "Zum ersten Mal bilden wir Deutschen keinen Streitpunkt auf der europäischen Tagesordnung. Unsere Einheit wurde niemandem aufgezwungen, sondern friedlich vereinbart".

Der Wiedervereinigung war eine Reihe historischer Ereignisse vorausgegangen: Von den Reformbemühungen der Sowjetunion unter den Schlagworten "Perestroika" und "Glasnost", über die Umsturzbewegungen in Ost- und Mitteleuropa bis zur friedlichen Revolution in der DDR. Aus "Wir sind das Volk!" - der Parole der Montagsdemonstrationen im Osten - wurde schon kurz nach dem Mauerfall am 9. November 1989 die Forderung "Wir sind ein Volk!". Die überwiegende Mehrheit der Ost- und Westdeutschen wünschte sich einen schnellen Beitritt der DDR zur Bundesrepublik. Deutlich zum Ausdruck kam dies bei der Wahl zur DDR-Volkskammer am 18. März 1990: Die Mehrheit der Menschen sprach sich für Parteien aus, die die Einheit anstrebten.

Nur drei Monate später trat die Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion in Kraft, wodurch die D-Mark Zahlungsmittel in der DDR wurde. Der Einigungsvertrag vom 31. August 1990 lieferte das rechtliche Fundament für den Beitritt der DDR zur Bundesrepublik. Mit dem Zwei-plus-Vier-Vertrag vom 12. September wurden schließlich die außenpolitischen Aspekte für die Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten geregelt. Damit stand der Einheit nichts mehr im Wege.

Anlässlich des 20. Jahrestages setzt der aktuelle Jahresbericht zum Stand der Deutschen Einheit einen Schwerpunkt auf das gesellschaftliche Zusammenwachsen beider Teile Deutschlands. "Die Erfahrung des Einigungsprozesses zeigt, dass soziale und ökonomische Veränderungen des gesellschaftlichen Zusammenhalts bedürfen", so der Beauftragte der Bundesregierung für die Neuen Länder, Thomas de Maizière, bei der Vorstellung des Berichts.

Die sozialen und ökonomischen Herausforderungen zu Beginn der 1990er-Jahre waren enorm: Die meisten Ostdeutschen mussten sich auf völlig neue Anforderungen und Aufgaben einstellen. Das System der zentralen Verwaltungswirtschaft der DDR wurde in ein marktwirtschaftliches Wirtschaftssystem umstrukturiert und weitgehend neu aufgebaut. Inzwischen hat der Osten strukturell in vielen Bereichen aufgeholt. Als große Errungenschaften nannte de Maizière bei der Vorstellung des Jahresberichts den Aufbau einer modernen Infrastruktur - den Ausbau des Straßen-, Schienen- und Kommunikationsnetzes, Wohnungen, Schulen, Gesundheitswesen - wie auch die Angleichung der Lebensstandards.

Auch die wirtschaftliche Entwicklung im Osten hat sich dem westdeutschen Niveau angenähert: 1991 entsprach das Bruttoinlandsprodukt (BIP) je Einwohner in Ostdeutschland mit rund 43 Prozent nicht einmal der Hälfte des westdeutschen. Bis 2009 ist es auf 73 Prozent angestiegen.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes hat sich das verfügbare Einkommen der Menschen im Osten seit 1990 von rund 8.000 Euro auf knapp 16.000 Euro pro Jahr verdoppelt. Zwar stieg das Verdienstniveau im Osten in den ersten fünf Jahren nach der Einheit von 46,5 Prozent des Westniveaus auf 73,2 Prozent. Allerdings schreitet die Angleichung so gut wie nicht mehr voran: Das Verdienstniveau der Ostdeutschen lag 2009 immer noch fast ein Viertel unter dem der Westdeutschen: bei 76,5 Prozent.

Neben den Fortschritten der vergangenen zwei Jahrzehnte zeigt der Jahresbericht auch die künftigen Herausforderungen auf: die Stärkung der Wirtschaftskraft und den Abbau der Arbeitslosigkeit, die in den neuen Bundesländern fast doppelt so hoch ist wie in den alten. Außerdem sei die Gestaltung des demografischen Wandels eine wichtige Aufgabe: Besonders die ländlichen und peripheren Regionen in Ostdeutschland sind vom Bevölkerungsschwund stark betroffen.


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