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Gipfeltreffen der G8 und G20 in Kanada

Die G8-Staaten trafen sich am 25. und 26. Juni in Kanada, um Fragen der Sicherheits- und Entwicklungspolitik zu diskutieren. Beim anschließenden G20-Treffen der führenden Industrienationen mit den wirtschaftlich bedeutenden Schwellenländern ging es um Finanz- und Wirtschaftspolitik.

Beim Treffen der Staats- und Regierungschefs der sieben stärksten Industrienationen und Russland (G8) am 25. und 26. Juni im kanadischen Muskoka stehen die aktuellen sicherheitspolitischen Entwicklungen in Iran, Nordkorea sowie in Afghanistan und Pakistan im Mittelpunkt. Neben den Vertretern der G8-Staaten nimmt auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon am Treffen teil. Er will Fragen der Entwicklungshilfe thematisieren.

Direkt anschließend findet das G20-Treffen der wichtigsten Industrieländer mit den wirtschaftlich starken Schwellenländern in Toronto statt. Dabei wird es um die Zukunft der Finanzmärkte und der Weltwirtschaft gehen. Wie schon beim letzten G20-Gipfel in Pittsburgh im September 2009 wird die Reform und Regulierung der internationalen Finanzmärkte das dominierende Thema sein. Darüber hinaus geht es um die Verschuldung der öffentlichen Haushalte und globale Wachstumsstrategien.

Die Chancen auf eine gemeinsame Position bei der Finanzmarktreform werden allerdings als gering eingeschätzt – zu unterschiedlich sind die Interessen der Industrie- und Schwellenländer. Das zeigte sich bereits im Vorfeld des Gipfels bei der Frage, wie der Finanzsektor an den Kosten der Finanz- und Wirtschaftskrise beteiligt werden könne. Mit Verweis auf die ökonomische Entwicklung im eigenen Land lehnen Schwellenländer wie Indien oder Brasilien eine Belastung des Finanzsektors durch eine internationale Bankenabgabe ab, genauso Japan, Südkorea und Australien. Anders die EU: Deutschland, Frankreich und Großbritannien planen die Einführung der Abgabe in ihren Ländern. Umstritten zwischen der EU und den USA ist ferner die Frage, wann die Konjunkturprogramme beendet werden.

Eine der wesentlichen Aufgaben des Treffens wird es daher sein, die Interessenvielfalt und das Entwicklungsgefälle zwischen den G20-Mitgliedern auszubalancieren, um eine Einigung in Kernfragen zu erzielen. Vor diesem Hintergrund verbindet sich mit dem Gipfel in Toronto auch die Frage, welche Rolle die G20 – auch gegenüber der G8 – künftig spielen wird.

Die G20 gründete sich 1999 aus insgesamt 19 Staaten als Reaktion auf die Finanzkrisen in Asien, Brasilien und Russland in den 1990er Jahren. Mitglied sind Argentinien, Australien, Brasilien, China, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Indien, Indonesien, Italien, Japan, Kanada, Süd-Korea, Mexiko, Russland, Saudi-Arabien, Südafrika, Türkei und USA und die Europäische Union, vertreten durch die Ratspräsidentschaft und den Präsidenten der EZB. Darüber hinaus nehmen IWF und Weltbank teil.

Die G20-Gipfel sollten als Dialog- und Kooperationsforum für globale Wirtschaftsfragen fungieren, die bislang Kernthemen der G8 gewesen waren. Die Exklusivität der kleineren G8-Gruppe, die seit 1975 in regelmäßigen Abständen zusammen kommen, galt bisher als Erfolgsgarant. Die Etablierung der G20-Treffen soll dem wachsenden Einfluss der Schwellenländer auf die Weltwirtschaft Rechnung tragen. Insgesamt vereinen die 20 Staaten etwa 85 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts (BIP) und zwei Drittel der Weltbevölkerung.

An den G20-Treffen nehmen die Finanzminister der einzelnen Länder teil. Im Zuge der Finanzkrise im Herbst 2008 kam die Gruppe erstmals auch auf Ebene der Staats- und Regierungschefs zusammen. Ziel war ein koordiniertes Zusammenspiel der internationalen Gemeinschaft, um eine weltweite Depression abzuwenden. Als langfristiges Ziel vereinbarten die Vertreter der Industrie- und Schwellenländer eine Reform des internationalen Finanzsystems. Beim zweiten Treffen in Pittsburgh wurde die G20 in den Rang eines zentralen Forums für Wirtschafts- und Finanzfragen erhoben.

Für das künftige Verhältnis von G8 und G20 werden derzeit vor allem zwei Szenarien diskutiert: Die G20 könnten sich zum zentralen Forum für Wirtschaftsfragen entwickeln, was auf Dauer zu einer Auflösung der G8 führen könnte. Eine weitere Möglichkeit wäre eine Koexistenz beider Gruppen, wobei die G20 schwerpunktmäßig Wirtschaftsfragen koordinieren und die G8 sich auf das Feld der Sicherheits- und Entwicklungspolitik konzentrieren würden.



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