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Welttag gegen Kinderarbeit

Weltweit müssen mehr als 215 Millionen Kinder nach Angaben der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) arbeiten – über die Hälfte von ihnen unter Bedingungen, die ihrer Gesundheit und Entwicklung schwer schaden. Daran erinnert der 12. Juni als "Welttag gegen Kinderarbeit".

Anlässlich der Fußballweltmeisterschaft lautet in diesem Jahr das Thema des "Welttages gegen Kinderarbeit" "Go for the Goal – end Child Labour". Verschiedene Organisationen wie die Internationale Arbeitsorganisation (International Labour Organisation – ILO) und das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) rufen dazu auf, den Kampf gegen Ausbeutung und Gewalt gegenüber Kindern speziell auf dem afrikanischen Kontinent zu verstärken.

Laut UNICEF muss nahezu jedes dritte Kind in Afrika im Alter zwischen fünf und 14 Jahren arbeiten. Südlich der Sahara liegt der Anteil arbeitender Mädchen und Jungen mit über 35 Prozent weltweit am höchsten.

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Die Organisationen befürchten, dass während der Fußball-Weltmeisterschaft die Ausbeutung von Kindern in Südafrika zunehmen könnte, ebenso Kinderprostitution und Kinderhandel.

Kinderarbeit stellt auch in anderen Regionen nach wie vor ein Problem dar - auch wenn sie seit mehreren Jahren allmählich abnimmt: Laut ILO-Bericht "Das Vorgehen gegen Kinderarbeit forcieren" vom Mai 2010 ist die Zahl arbeitender Kinder weltweit zwischen 2004 und 2008 um rund drei Prozent von 222 auf 215 Millionen zurückgegangen.

Die große Mehrheit arbeitender Kinder ist als mithelfendes Familienmitglied in der Landwirtschaft beschäftigt. In Städten arbeiten viele Kinder als Dienstboten, in der Textilindustrie, als Hausmädchen, als Straßenverkäufer, in der Bauindustrie oder in Fabriken.

Erfolge bei der Bekämpfung von Kinderarbeit sind vor allem im Hinblick auf jüngere Kinder zu verzeichnen. Die Zahl arbeitender Kinder zwischen fünf und 14 Jahren ist seit 2006 um zehn Prozent gefallen. Der Rückgang betrifft in erster Linie Mädchen. Erfolge gibt es ebenfalls im Hinblick auf sehr gefährliche Arbeiten, hier ist ein Rückgang um 31 Prozent seit 2006 zu verzeichnen, wenngleich die Zahl mit 115 Millionen nach wie vor sehr hoch ist.

Als alarmierend bezeichnet die ILO den Anstieg der Kinderarbeit in der Altersgruppe der 15- bis 17-Jährigen: Hier beträgt die Zunahme 20 Prozent. Auch geographisch gibt es große Unterschiede. Im Jahr 2008 war die absolute Zahl der arbeitenden 5- bis 17-Jährigen in der Region Asien-Pazifik mit mehr als 113 Millionen am höchsten. Es folgten afrikanische Regionen südlich der Sahara mit 65 Millionen sowie die Region Lateinamerika und Karibik mit mehr als 14 Millionen. Während in Asien und Lateinamerika die Kinderarbeit reduziert werden konnte, nahm sie in Afrika während der vergangenen vier Jahre südlich der Sahara sowohl anteilsmäßig als auch in absoluten Zahlen zu.

In weiteren Regionen könnte laut ILO Kinderarbeit infolge der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise wieder ansteigen. Basierend auf den Erfahrungen früherer Rezessionen schätzt das ILO-Regionalbüro Amerika beispielsweise , dass in der aktuellen Krise die Zahl arbeitender Kinder in Lateinamerika um 250.000 bis 500.000 steigen könnte.

Armut ist die Hauptursache für Kinderarbeit. Umgekehrt ist jedoch auch Kinderarbeit eine Ursache für Armut: Kinder, die von klein auf arbeiten müssen und deshalb niemals zur Schule gehen können, verdienen ihr Leben auch als Erwachsene meist als Tagelöhner. In vielen Ländern der Welt müssen Kinder einen Beitrag für das Einkommen ihrer von Armut betroffenen Familien leisten. Die Arbeit bedeutet für die Kinder einen Teufelskreis und geht vor allem auf Kosten ihrer Bildung: Sie können keine Schule besuchen – und ohne Bildung ist ein Ausweg aus der Armut nur schwer möglich.

Die Bundesregierung unterstützt den Kampf der ILO gegen Kinderarbeit, indem sie das Internationale Programm zur Beseitigung der Kinderarbeit (IPEC) mit initiierte. Sie gehört mit mehr als 50 Millionen Euro zu dessen wesentlichen Unterstützern.


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