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60 Jahre ARD

Am 9. und 10. Juni 1950 gründeten die Intendanten der sechs öffentlich-rechtlichen Sender die "Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik", kurz die ARD. Dieser lockere Zusammenschluss brachte schon vier Jahre später das erste deutschlandweite Fernsehprogramm auf den Weg. Doch die ARD ist nicht mehr der einzige Sender: Öffentlich-rechtliche und kommerzielle Programme konkurrieren miteinander.

Die älteste Nachrichtensendung im Fernsehen der Bundesrepublik Deutschland – Mit diesem Markenzeichen präsentierte sich die "Tagesschau" in ihren ersten Jahren. Foto: APDie älteste Nachrichtensendung im Fernsehen der Bundesrepublik Deutschland – Mit diesem Markenzeichen präsentierte sich die "Tagesschau" in ihren ersten Jahren. Foto: AP
Die Hörfunklandschaft der Nachkriegszeit war rund fünf Jahre alt, als sich im Westen des geteilten Deutschlands am 9. und 10. Juni 1950 die sechs öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten zusammenschlossen: Sie schufen die "Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik".

Noch vor der Gründung der Bundesrepublik im Jahr 1949 waren diese sechs autonomen Landesrundfunkanstalten in den drei westlichen Besatzungszonen entstanden: Am 1. Januar 1948 hatte die britische Militärregierung den Nordwestdeutsche Rundfunk (NWDR) als unabhängige Anstalt ins Leben gerufen. Im Oktober desselben Jahres nahm der Südwestfunk (SWF) seine Arbeit in der französischen Besatzungszone auf. Im Gegensatz zu Briten und Franzosen setzten die Amerikaner stärker auf eine Dezentralisierung und beauftragten die Länderregierungen mit der gesetzlich gestützten Einrichtung der Sender. In der Folge entstanden der Bayerische Rundfunk (BR), der Hessische Rundfunk (HR), Radio Bremen (RB) und der Süddeutsche Rundfunk (SR).

Die Militärregierungen hatten darauf gedrängt, dass die Sender eine deutliche Distanz zu den deutschen Politikern halten und sich keinesfalls als deren Sprachrohr verstehen sollten. Für viele Politiker war das nur schwer zu verstehen: Sie hatten den Rundfunk der Weimarer Republik noch erlebt und kritisierten ihren fehlenden Einfluss auf die Programme der deutschen Sender. Hinsichtlich der Organisation des Rundfunksystems nahmen die Alliierten das britische System – am Beispiel der BBC – zum Vorbild: Der Rundfunk sollte der öffentlichen Meinungsbildung verpflichtet sein, finanziert durch Gebühren und durch autonome Anstalten organisiert.

Bis die "Arbeitsgemeinschaft" auf dieser Grundlage ihr erstes gemeinsames Programm ausstrahlte, sollte aber noch etwas Zeit vergehen. Das Fernsehprogramm hatte zunächst nur Versuchs-Charakter. Weihnachten 1952 strahlte der Nordwestdeutsche Rundfunk (NWDR) als erste Anstalt probeweise sein Programm aus, allerdings nur wenige Stunden pro Tag. Kurz darauf ging die "Tagesschau" zum ersten Mal auf Sendung. Ab dem 1. November 1954 gab es bei der ARD dann täglich ein gemeinsames Programm, das der unabhängigen Information, Bildung, Kultur und Unterhaltung dienen sollte: das Deutsche Fernsehen.

Allerdings fand das Fernsehen zu Beginn der 1950er-Jahren wenig Zuspruch. Noch dominierte das Radio die deutsche Medienlandschaft. Ein wichtiges Ereignis für die Akzeptanz und Verbreitung des Fernsehens war die Fußballweltmeisterschaft 1954. Sie löste einen Ansturm auf die Fernsehgeräte aus – die Hersteller Telefunken, SABA und Mende konnten während des Turniers ihren gesamten Lagerbestand verkaufen. Die Firma Philips verkaufte binnen zwei Wochen 1.000 Tischgeräte.

Nicht nur für die Übertragung von Sportereignissen war das neue Medium bestens geeignet. Auch Eindrücke aus anderen Ländern fanden den Weg in die Wohnzimmer. Mit Peter von Zahn hatte die ARD ihren ersten Auslandskorrespondenten in den USA, der ab 1955 in der gleichnamigen Sendung regelmäßig über "Bilder aus der neuen Welt" berichtete. Die Idee eines maximal zweistündigen Abendprogramms wurde schnell erweitert. Schon 1959 wurden im Durchschnitt täglich fünf Stunden ARD-Programm ausgestrahlt, welches 1960 mittlerweile 3,4 Millionen Fernseh-Zuschauer erreichte.

Gut zehn Jahre blieb die ARD das einzige deutschlandweite Programm. Allerdings plante die Bundesregierung unter Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) schon bald nach der Gründung der ARD, die Rundfunklandschaft neu zu ordnen im Sinne einer stärkeren Mitbestimmung des Bundes. 1959 legte Adenauer dazu den "Entwurf eines Gesetzes über den Rundfunk" im Bundestag vor. Unter anderem wollte Adenauer mit der "Deutschland Fernseh GmbH" ein zweites Fernsehprogramm einrichten – eine öffentlich-rechtliche Anstalt, deren Programmanteil aber größtenteils von einer privaten Fernsehgesellschaft bestimmt werden sollte. Die Länder sahen ihre Kompetenz untergraben und klagten gegen das Vorhaben der Bundesregierung vor dem Bundesverfassungsgericht. Dieses urteilte im Februar 1961, dass die Zuständigkeit für den Rundfunk allein in den Händen der Länder liege. Durch dieses Urteil gestärkt, unterzeichneten die Ministerpräsidenten im Juni 1961 den Staatsvertrag über die Errichtung des "Zweiten Deutschen Fernsehens" (ZDF).

Dem ersten und zweiten Programm folgte bald die Einführung der regionalen Programme der ARD. Als erstes sendeten der Bayerische und Hessische Rundfunk seit 1964. Der NDR folgte gemeinsam mit Radio Bremen und dem Sender Freies Berlin Anfang 1965, der WDR nahm im gleichen Jahr seine Arbeit auf. 1969 gingen der Saarländische und Süddeutsche Rundfunk auf Sendung. Aufgrund der terrestrischen Ausstrahlung waren die "Dritten" aber zunächst nur regional begrenzt empfangbar.

Die Einführung der Kabel- und Satellitentechnologie brachte eine nachhaltige Veränderung in der Fernsehlandschaft mit sich: Auch private Anbieter konnten nun eigene Rundfunkprogramme veranstalten.1984 starteten mit RTLplus und der Programmgesellschaft für Kabel- und Satellitenrundfunk (PKS), aus der später der Programmanbieter Sat.1 hervorging, die ersten deutschsprachigen kommerziellen Fernsehprogramme – der Beginn des "dualen Systems". Zuvor hatte das Bundesverfassungsgericht mit dem 3. Rundfunk-Urteil die Grundlage für eine duale Rundfunkordnung geschaffen. Die gesetzliche Ausgestaltung folgte durch den Staatsvertrag zur Neuordnung des Rundfunkwesens (RfStV), den die Länder im April 1987 unterzeichneten. Dieser schrieb die Regelungen für das Nebeneinander des öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunks in der Bundesrepublik fest.

Die Privatisierung des Rundfunks erweiterte die Medienlandschaft um ein Vielfaches. Konnte ein bundesdeutscher Durchschnittshaushalt bis 1984 nur 3,5 Fernsehprogramme empfangen, waren es 1997 bereits 33. 2007 gab es in Deutschland – ohne ausländische Programme – insgesamt 354 Fernsehprogramme (inklusive Teleshopping-Kanäle).

Eine weitere Zäsur brachte das wiedervereinigte Deutschland. Der Einigungsvertrag legte fest, dass die ostdeutsche Rundfunkstruktur bis Ende 1991 in ein öffentlich-rechtliches Rundfunksystems überführt bzw. aufgelöst werden sollten. Mit dem 1991 unterzeichneten "Staatsvertrag über den Rundfunk im vereinten Deutschland" schufen die Ministerpräsidenten der 16 Bundesländer eine bundesweit geltende rechtliche Rahmenordnung für das duale System. Als Rundfunkanstalten für die neuen Bundesländer wurden im Mai 1991 der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) und der Rundfunk Brandenburg (später: Ostdeutscher Rundfunk Brandenburg, ORB) gegründet. Beide wurden Ende November 1991 mit der ARD fusioniert. Im Hörfunk entstand aus dem Zusammenschluss ehemaliger Ostberliner und Westberliner Sender 1994 das DeutschlandRadio Berlin (heute: Deutschlandradio Kultur).


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