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Deutsche Islam Konferenz 2010

Am Montag (17. Mai 2010) hat erstmals das neue Plenum der Deutschen Islam Konferenz (DIK) getagt – unter Leitung von Bundesinnenminister de Maizière. Was ist die DIK und was sind ihre Ziele?

Ziel des Gremiums sei "nicht die Assimilation", betonte Innenminister Thomas de Maizière am Montag zum Auftakt der ersten Plenumssitzung der Deutschen Islam Konferenz (DIK) in Berlin. Vielmehr gehe es darum, die Zugehörigkeit und Integration von Muslimen in Deutschland zu fördern. Mit Vertretern aus Bund, Ländern und Kommunen biete die DIK hierfür einen "gesamtstaatlichen Rahmen".

Die deutschen Muslime werden von zehn Einzelpersonen, fünf Dach- und Spitzenverbänden sowie der Türkischen Gemeinde vertreten. Der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) hatte in der vergangenen Woche seine Teilnahme abgesagt. Der ZMD begründete dies unter anderem mit einer seiner Meinung nach falschen Zielsetzung der Konferenz. Zudem hatte de Maizière im März den Islamrat vorläufig suspendiert. Grund sind laufende Ermittlungsverfahren gegen führende Mitglieder der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs (IGMG), der größten Mitgliedsorganisation des Islamrats.

2010 tagte die Islamkonferenz erstmals unter Leitung von de Maizière. Der Minister knüpft damit an die erste Phase der DIK unter seinem Vorgänger Wolfgang Schäuble (CDU) an. Schäuble hatte die Islamkonferenz 2006 ins Leben gerufen, um einen dauerhaften Dialog mit Muslimen zu garantieren und so zur Integration beizutragen.

In der nun zweiten Phase soll die DIK stärker als bisher aktuelle Entwicklungen und die ethnische und religionspolitische Vielfalt der Muslime berücksichtigen. Außerdem sollen die Ergebnisse der Konferenz stärker in die Gesellschaft getragen werden.

Dafür hat die DIK ein Arbeitsprogramm beschlossen. Drei große Themenkomplexe stehen darin im Mittelpunkt: Erstens soll es zu einer "institutionalisierten Kooperation zwischen Staat und Muslimen" kommen. Hierbei geht es unter anderem um die Ausbildung von islamischen Religionslehrern und Imamen. Auch soll es künftig einen bundesweiten Wissens- und Erfahrungsaustausch über die Einführung islamischen Religionsunterrichts geben. Zweitens soll die Geschlechtergerechtigkeit gefördert werden. Muslimische Frauen und Mädchen sollen ermutigt werden, ihre Rechte in Beruf, Gesellschaft und Familie wahrzunehmen. Den dritten Schwerpunkt der künftigen Arbeit bildet die Prävention von Extremismus, Radikalisierung und gesellschaftlicher Polarisierung. Hierbei soll sowohl die Islamfeindlichkeit in Teilen der deutschen Gesellschaft wie auch die "Ablehnung des Westens" in einigen muslimischen Bevölkerungskreisen überwunden werden.

Weiter beschäftigen wird die DIK auch das Thema Moscheebau. Mehr als 100 islamische Gotteshäuser und Moscheen werden in Deutschland derzeit geplant, genehmigt oder befinden sich bereits im Bau. Zwar stützt die verfassungsrechtlich garantierte Religionsfreiheit diesen Bau, dennoch stößt er häufig auf Widerstand in der Bevölkerung. Laut Empfehlungen der DIK könnten Kommunalpolitik und Kommunalverwaltungen künftig stärker darauf hinwirken, diese Konflikte zu begrenzen.


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