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Pressestimmen zur Finanzkrise in Griechenland

Eine Auswahl von eurotopics.net

4.2.2010
Die Staatsverschuldung Griechenlands beschäftigt auch die europäischen Zeitungen. Stimmen aus der europäischen Presse.

Die Staatsverschuldung Griechenlands beschäftigt auch die europäischen Zeitungen. Stimmen aus der europäischen Presse.


Knallhart gegen Defizitsünder vorgehen
Elsevier - Niederlande; Montag, 8. Februar 2010

Die Schuldenberge von Portugal, Irland, Italien, Griechenland und Spanien, die sogenannten PIIGS, untergraben das Vertrauen in den Euro. Harte Worte reichen da nicht aus, meint Carla Joosten in ihrem Blog im rechtsliberalen Nachrichtenmagazin Elsevier: "Die Defizite von PIIGS sind nicht nur eine Folge der Krise, sondern auch von schlechter Haushaltsführung. Sie haben zu lange auf zu großem Fuß gelebt, Gewinne durch niedrige Zinsen verjubelt und keine Reformen durchgeführt. Die Folge ist, dass sie nun ganz Europa in Probleme zu bringen drohen. Diese Länder verdienen ein knallhartes Vorgehen. ... Wenn wir diesen Sturm überleben, sollten sich die Regierungschefs einmal mit der Mentalität befassen, die zu einer Währungsunion gehört: Sie sollten für einen ordentlichen eigenen Haushalt sorgen, um zu verhindern, dass man anderen Haushalten schadet. Dazu braucht man keine politische Union, sondern die tatsächliche Anwendung strenger Haushaltsregeln. Echte Sanktionen und nicht nur Brüsseler Gardinenpredigten, wie es jetzt der Fall ist."

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Plan B für Griechenland notwendig
Cinco Días - Spanien; Donnerstag, 4. Februar 2010

Für den unwahrscheinlichen Fall des Bankrotts von Griechenland sollte Europa einen Alternativplan parat haben, fordert die Wirtschaftszeitung Cinco Días, gerade im Hinblick auf die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers: "Wie kann man die griechische Kettenreaktion stoppen? Es ist unwahrscheinlich, dass es zu einer Zahlungsunfähigkeit kommt. Mit Einschränkungen im öffentlichen Sektor und Steueranhebungen hat die griechische Regierung am Donnerstag selbst härtere Maßnahmen ergriffen, um das Unglück zu verhindern. Und die Europäische Union, die den Plan der griechischen Regierung teilweise akzeptiert hat, würde vermutlich retten, wo es nötig werden sollte. Aber die Beobachter haben dasselbe über Lehman Brothers gesagt. Nach diesem Desaster sollte die Welt nichts mehr ausschließen. Es ist einfach besser einen Plan B mit vielen Sicherheitsmaßnahmen zur Hand zu haben, um ein Übergreifen der Krise zu vermeiden, falls man mit Griechenland nicht richtig umzugehen weiß."

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Nur Druck aus Brüssel rettet Euro
Trouw - Niederlande; Donnerstag, 4. Februar 2010

Die hohe Staatsverschuldung Griechenlands schwächt den Euro ebenso wie die Wirtschaftsprobleme von Spanien und Portugal. Da hilft nur großer Druck aus Brüssel, meint die Tageszeitung Trouw: "In der gesamten EU wird der Stabilitätspakt wegen der Krise mit Füßen getreten. Aber Griechenland treibt es mit einem Defizit von fast 13 Prozent am buntesten, und das hat Folgen für die gesamte Währungsunion. ... Griechenland wird seine Beamtengehälter einfrieren, die Abgaben auf Brennstoffe erhöhen und den Steuereinzug verbessern. Das ist im Prinzip die einzig richtige Linie. Griechenland muss seine eigenen Probleme lösen. Brüssel erklärt, dass dies nicht ausreiche. Außerdem seien Reformen des Rentensystems, des Gesundheitssystems und des Arbeitsmarktes notwendig. Solche zwingenden Vorschriften über die Einrichtung der Ökonomie eines Mitgliedsstaats sind neu. EU-Kommissar [Joaquín] Almunia wird außerdem der griechischen Regierung über die Schulter schauen, wie ein strenger Schulmeister. Wenn das gelingt, ist es ein guter Schritt auf dem Weg zu einer ökonomischen Union."

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Griechische Regierung ist zu schwach
Eleftherotypia - Griechenland; Mittwoch, 3. Februar 2010

Der griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou hat Maßnahmen angekündigt, um die Haushaltskrise zu bewältigen und die Steuerhinterziehung zu bekämpfen. Doch sie zeigen nur die Schwäche der sozialistischen Regierung, meint die linksliberale Tageszeitung Eleftherotypia: "Schließlich konnte die Regierung einschneidende Maßnahmen nicht vermeiden und die Vorwahlversprechen der Panhellenischen Sozialistischen Partei (PASOK) nicht einhalten. ... Indem der Ministerpräsident sagt, dass die Maßnahmen für die Großverdiener erst 2011 Wirkung zeigen werden, zeigte er die große Schwäche des staatlichen Mechanismus, die Steuerhinterziehung hier und jetzt zu bekämpfen. Genau diese permanente Schwäche - die auch die Hauptursache der Krise ist - führt noch einmal zur Einführung von indirekten Steuern wie die auf Treibstoff. Können wir noch hoffen, dass keine weiteren Steuern folgen werden, welche die Mehrheit der Bürger und die Schwachen treffen anstatt die Minderheit, die - wie der Ministerpräsident es ausgedrückt hat - 'sich auf Kosten der Mehrheit bereichert'? Der erste Schock erlaubt keinen Optimismus."

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Wir alle sind Griechenland
Le Monde - Frankreich; Dienstag, 2. Februar 2010

Am heutigen Mittwoch wird eine Stellungnahme der Europäischen Kommission zu den Maßnahmen des griechischen Schuldenabbau-Plans erwartet. Das Staatsdefizit ist auch in anderen Ländern enorm, weshalb die Tageszeitung Le Monde die Gegenmaßnahmen dieser Länder nebeneinander stellt: "Die gleiche Situation gibt es in den Vereinigten Staaten: Das Staatsdefizit, das dieses Jahr 10,6 Prozent beträgt, soll auf etwa vier Prozent im Jahr 2013 gedrückt werden. In den drei Fällen - Griechenland, Frankreich, Vereinigten Staaten - bleibt die Logik gleich. Nachdem die Regierungen vor einem Jahr so viele Kredite wie möglich vergeben haben, um die Krise abzuwenden und die Öffentlichkeit zu beruhigen, schwenken sie jetzt um in die entgegengesetzte Richtung - ebenfalls wieder um die Öffentlichkeit zu beruhigen. ... Der Ausgang der Krise kündigt sich als politisch und sozial schwierig an - dies verrät das Wiederaufleben des Populismus. Dazu zählt auch, dass in zahlreichen Hauptstädte ganz genau beobacht wird, ob die Griechen die kommenden Sparzwänge annehmen werden oder nicht."

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Griechenland ist Feuerprobe für Euroländer
La Vanguardia - Spanien; Freitag, 15. Januar 2010

Die griechische Finanzkrise stellt die europäische Währungsgemeinschaft und die Europäische Zentralbank (EZB) auf eine harte Probe, meint die liberale Tageszeitung La Vanguardia: "Was in dem Land [Griechenland] in diesen Tagen passiert, ist eine Feuerprobe für die EZB und den Euro selbst. [EZB-Präsident Jean-Claude] Trichet hat gesagt, dass die Möglichkeit eines Austritts Griechenlands aus der Einheitswährung eine absurde Spekulation sei und er lehnt auch eine Sonderbehandlung für das Land ab. Er möchte streng orthodoxe Lösungen: Reformen und Anpassung der Finanzen. Aber der Fall verlangt volle Aufmerksamkeit. Man darf nicht erlauben, dass Griechenland die Zahlungen aussetzt, weil dies der Beginn einer globalen Vertrauenskrise in die Staatsschulden eines souveränen Landes mit sich führen würde, was unvorhersehbare Konsequenzen für das ganze System hätte. Alles hängt jetzt von der Glaubwürdigkeit des von der griechischen Regierung vorgelegten Anpassungsplans ab, um das Haushaltsdefizit in den kommenden Jahren zu verringern."

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Griechenland kann von EU-Prüfern lernen
To Vima - Griechenland; Freitag, 8. Januar 2010

Seit Mittwoch prüfen EU-Beamte in Griechenland die wirtschaftlichen Sanierungsmaßnahmen, die wegen der schweren Schuldenkrise des Landes nötig geworden sind. Athen sollte beim Besuch der Delegation genau zuhören, meint die Tageszeitung To Vima: "Regierung und Opposition haben vielleicht eine einzigartige Möglichkeit, das Problem zu erkennen und richtig zu handeln, um es zu lösen. ... Die EU-Beamten haben Probleme genannt, die wir schon seit Jahren kennen, aber die wegen der politischen Kosten niemand angerührt hat. Sie haben über die desorganisierten Krankenhäuser gesprochen, Maßnahmen gegen die unkontrollierbaren Ausgaben im Pharmabereich gefordert, sie haben das verschwenderische System der Verteilung der Renten kritisiert, ... und sie haben sich über all das empört, worüber wir seit Jahrzehnten reden. Die Krise kann sich zu einer Chance entwickeln. Wir müssen uns nur dafür entscheiden."

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Griechenland zeigt Widersprüche der EU-Wirtschaftspolitik
Expansión - Spanien; Montag, 21. Dezember 2009

Die Kreditwürdigkeit Griechenlands ist von mehreren großen Rating-Agenturen herabgestuft worden. In Griechenland würden auch die Probleme der europäischen Wirtschaftspolitik deutlich, meint die Wirtschaftszeitung Expansión: "Doch zeigt das Beispiel von Griechenland die widersprüchliche Politik der EU, die die Währungen von 16 Staaten vereint hat, nicht aber die Wirtschaftspolitik, und die auf die Krise damit reagiert hat, die Kriterien des Stabilitäts- und Wachstumspaktes aufzulockern und auf diese Weise die Glaubwürdigkeitsgarantie zu beschädigen, die sich die Mitglieder für Zweifelsfälle gegeben hatten. Auf der anderen Seite würde es die EU nicht allzuviel kosten, Griechenland zu Hilfe zu kommen, zumal es die gemeinsamen Schulden der Mitgliedsstaaten lediglich um drei Prozent erhöhen würde. Aber sie sind nicht dazu verpflichtet und sie haben auch im Vorfeld keine Anzeichen gemacht, dies zu tun, was die Zweifel erhöht hat."

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