Erde

Europäische Kulturhauptstadt 2010

Mythos, Metropole und Europa: Unter diesem Motto steht das Jahr der Kulturhauptstadt RUHR.2010. Ein Jahr lang wird das Ruhrgebiet ganz im Zeichen von Ausstellungen, Theateraufführungen sowie Lesungen und Konzerten stehen. Essen trägt gemeinsam mit Istanbul und der ungarischen Stadt Pécs den Titel.

Erstmals trägt eine ganze Region den Titel Kulturhauptstadt Europas. Stellvertretend für das ganze Ruhrgebiet wurde dieser der Stadt Essen verliehen.

Die RUHR.2010 verfolgt die Vision, mit Kunst und Kultur den Wandel einer Region darzustellen und das Ruhrgebiet zu einer neuen Metropole werden zu lassen, von der aus Impulse für ganz Europa ausgehen sollen. Den Auftakt dazu macht am 9. und 10. Januar ein Kulturfest auf dem Gelände der Essener Zeche "Zollverein", die seit 2001 zum UN-Weltkulturerbe zählt. Zu den Feierlichkeiten wird auch der Präsident der Europäischen Kommission José Manuel Barroso erwartet.

Nicht zuletzt der Titel Kulturhauptstadt Europas zeigt: Das Ruhrgebiet mit seinen 53 Revierstädten und 5,3 Millionen Einwohnern aus 140 Nationen hat in den vergangenen Jahrzehnten einen nachhaltigen Strukturwandel durchlebt. Lange Zeit prägten dunkle Schächte und rauchende Schlote das Bild der größten "Kohlenzeche" Europas. In den letzten dreißig Jahren haben sich im "Ruhrpott" immer mehr moderne Branchen, wie die Informationstechnologie, Medizin, Logistik sowie Energie- und Wasserwirtschaft angesiedelt. Sie machen heute den großen Teil der Wirtschaftskraft des Gebietes aus. Auch die Kleinkunst-, Film- und Musikszene, Theater und Museen prägen die neue Landschaft der einst größten Industrieregion Deutschlands.

Den vollzogenen "Wandel durch Kultur" nahm die Kulturdezernentenkonferenz im Regionalverband Ruhr 2001 zum Anlass, sich um den Titel Kulturhauptstadt Europas zu bewerben – mit Erfolg: 2006 ernannte der Rat der Europäischen Union "Essen für das Ruhrgebiet" gemeinsam mit Istanbul und der ungarischen Stadt Pécs zur Kulturhauptstadt Europas 2010. In der Begründung hieß es unter anderem, dass die kulturelle Umwidmung des Ruhrgebiets verdeutliche, welche Rolle die Kultur in jeder Europäischen Metropole einnehmen sollte.

Nach der Ernennung gründeten der Regionalverband Ruhr (RVR), das Land Nordrhein-Westfalen, die Stadt Essen und der Initiativkreis Ruhrgebiet die RUHR.2010 GmbH. Diese ist seitdem mit den Vorbereitungen für die Durchführung des Kulturhauptstadtjahres 2010 betraut. Nach Vorgaben der EU müssen die Kulturhauptstädte ein Jahr lang eine Reihe von kulturellen Veranstaltungen organisieren, die nicht nur breite Bevölkerungsschichten ansprechen sollen, sondern auch den Dialog zwischen den europäischen Kulturkreisen stärken. Für die Vorbereitung und Durchführung des Kulturhauptstadt-Programms stehen insgesamt 65,5 Millionen Euro zur Verfügung.

Der Titel "Europäische Kulturhauptstadt" wird seit 1985 jährlich verliehen. Durch die kulturelle Zusammenarbeit sollen die EU-Mitgliedsstaaten sowohl politisch als auch kulturell stärker zusammenwachsen. Zugleich soll aber auch die kulturelle Individualität einer jeden Stadt herausgestellt werden.

Mit der steten Erweiterung der EU änderte sich auch das Konzept der Kulturhauptstadt. Seit 2009 wird jeweils eine Stadt aus den alten und den neuen Mitgliedsländern nominiert. Im nationalen ungarischen Bewerbungsverfahren hat sich für dieses Jahr Pécs gegen zehn weitere Bewerber durchgesetzt. Die fünftgrößte Stadt Ungarns hat wie das Ruhrgebiet eine Bergbauvergangenheit und beherbergt mit frühchristlichen Grabkammern ein Weltkulturerbe. 2010 trägt mit Istanbul außerdem eine dritte Stadt den Titel: Als Bewerber eines EU-Beitrittskandidaten war Istanbul gegenüber der ukrainischen Hauptstadt Kiew erfolgreich.



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