Erde

Gewalt gegen Frauen

Frauenhandel, Vergewaltigung, Genitalverstümmelung – Gewalt gegen Frauen hat viele Facetten. Jedes Jahr wird am 25. November im Rahmen des "Internationalen Tags zur Beseitigung der Gewalt gegen Frauen" auf deren Schicksal aufmerksam gemacht.

Bendu Johnson ist die erste Frau Liberias, die aufgrund eines neuen Gesetzes aus dem Jahr 2006 erfolgreich ihren Vergewaltiger anklagen konnte. Foto: APBendu Johnson ist die erste Frau Liberias, die aufgrund eines neuen Gesetzes aus dem Jahr 2006 erfolgreich ihren Vergewaltiger anklagen konnte. Foto: AP
"Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren". Artikel 1 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948 schreibt die Gleichstellung der Geschlechter als Menschenrecht fest. Die Realität sieht allerdings anders aus. Dem UN-Bevölkerungsbericht vom November 2008 zufolge ist die Diskriminierung von Frauen "in vielen Kulturen weit verbreitet und tief verwurzelt". Der "Entwicklungsfonds der Vereinten Nationen für Frauen" (UNIFEM) geht davon aus, dass in einigen Ländern der Erde bis zu 70 Prozent aller Frauen mindestens einmal im Laufe ihres Lebens Opfer physischer oder sexueller Gewalt werden – in der Mehrzahl durch vertraute Partner und im häuslichen Bereich. Zudem erfahren Frauen Gewalt in Form von Frauenhandel, Zwangsprostitution, Vergewaltigung und Genitalverstümmelung.

Alljährlich will der von den Vereinten Nationen deklarierte "Internationale Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen" am 25. November auf deren Situation aufmerksam machen. Hintergrund des Gedenktags ist die Ermordung der drei Schwestern Mirabal. Diese wurden am 25. November 1960 in der Dominikanischen Republik vom militärischen Geheimdienst getötet, weil sie sich gegen den damaligen Diktator Rafael Trujillo zur Wehr gesetzt hatten. Die Tat wurde als Autounfall getarnt. Die drei Frauen avancierten zum Symbol für Gewalt gegen Frauen in Lateinamerika. 1999 haben die Vereinten Nationen den 25. November als offiziellen internationalen Gedenktag anerkannt.

Weltweit wird der Tag genutzt, um die internationale Öffentlichkeit für das Thema zu sensibilisieren. In ihrer Kampagne "Kein Schnitt ins Leben" macht die Menschenrechtsorganisation für Frauen und Mädchen TERRE DES FEMMES auf die Genitalverstümmelung von Frauen aufmerksam. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind weltweit rund 140 Millionen Frauen von Genitalverstümmelung (FGM) betroffen, die insbesondere in den afrikanischen Staaten praktiziert wird. Jährlich kommen weitere 3 Millionen Frauen und Mädchen hinzu.

Das 2005 in Kraft getretene Protokoll für die Rechte von Frauen in Afrika (Maputo-Protokoll der Afrikanischen Union) wendet sich explizit gegen alle Formen der weiblichen Genitalverstümmelung. Auch die deutsche Regierung unterstützt Initiativen, die dieser Praktik durch Aufklärungsarbeit in afrikanischen Staaten ein Ende setzen wollen.

Häufig sind Frauen in bewaffneten Konflikten Gewalt ausgesetzt. Vergewaltigungen und Folter werden gezielt als Mittel der Kriegsführung eingesetzt. Studien aus Ruanda gehen davon aus, dass zwischen 250.000 und 500.000 Frauen und Mädchen während des Völkermords 1994 Opfer sexualisierter Gewalt wurden. Besonders dramatisch stellt sich die Lage derzeit im Kongo dar. Nach Angaben von Ärzte ohne Grenzen ereignen sich 75 Prozent aller Vergewaltigungen, die die Organisation weltweit behandelt, im Kongo. Viele Frauen werden nach ihrer Vergewaltigung von ihren Familien verstoßen, gleiches gilt für die gezeugten Kinder. Vergewaltigungen im Krieg werden erst seit kurzem als Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen anerkannt und strafrechtlich verfolgt. Erste ernsthafte Versuche gab es Anfang der 1990er Jahre mit der Einrichtung der Sondertribunale für das ehemalige Jugoslawien und Ruanda. Im Juni 2008 verabschiedete der UN-Sicherheitsrat die Resolution 1820 (2008), die sexuelle Gewalt gegen Frauen und Mädchen als Kriegswaffe einstuft.

Zwar ist die Situation nicht vergleichbar, aber auch in Deutschland ist Gewalt gegen Frauen kein Randproblem. Nach Angaben des Bundesfamilienministeriums werden rund 37 Prozent aller Frauen zwischen 16 und 85 Jahren mindestens einmal in ihrem Leben Opfer von körperlicher Gewalt oder Übergriffen. Hinzu kommt die so genannte "häusliche Gewalt", die jede vierte Frau durch ihren Partner erlebt (Stand: Juni 2007). 2007 hat die Bundesregierung einen Aktionsplan zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen verabschiedet, der mehr als 130 Maßnahmen gegen jegliche Form von Übergriffen – häusliche und sexuelle Gewalt, Stalking, Frauenhandel, Zwangsverheiratung oder Genitalverstümmelung – festschreibt.


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