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Fortschritte bei Chancengleichheit für Frauen und Männer

Die Gleichstellung von Männern und Frauen schreitet in vielen Ländern voran. Dies geht aus dem neuen Global Gender Gap Report hervor. Vor allem nordeuropäische Staaten sind Vorreiter bei der Chancengleichheit. Deutschland liegt international auf dem zwölften Platz - hier sind vor allem die Lohnunterschiede weiterhin groß.

Der Global Gender Gap Report wird seit 2006 jährlich vom Weltwirtschaftsforum in Zusammenarbeit mit amerikanischen Universitäten herausgegeben. Die aktuelle Studie, die am Dienstag (27. Oktober 2009) vorgestellt wurde, bewertet 134 Länder danach, wie weit die Kluft zwischen Männern und Frauen (engl. "Gender Gap") beseitigt wurde. Die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen in allen Aspekten des Lebens sei grundlegend für die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit und die funktionierende Gesellschaft eines Landes, so die Herausgeber. Untersucht wurden vier Bereiche: Jobsituation und Einkommensunterschiede, Bildungsniveau, Übernahme höherer politischer Ämtern sowie Gesundheit und Lebenserwartung.

Mehr als zwei Drittel der seit 2006 untersuchten Länder konnten sich verbessern, so die Autoren. Die aktuelle Rangliste der bewerteten Länder, der sogenannte Gender Gap Index, wird von Island angeführt: Dort ist laut Studie die Gleichstellung von Männern und Frauen am weitesten realisiert. Es folgen Finnland, Norwegen und Schweden. Im europäischen Vergleich hat Griechenland am schlechtesten abgeschnitten. Insgesamt liegt das Land auf Platz 86 aller 134 untersuchten Staaten. Hier sind Frauen in höheren politischen Ämtern sehr stark unterrepräsentiert. Zu den Schlusslichtern gehört auch Tschechien (Platz 74) - aus ähnlichen Gründen. Italiens schlechtes Abschneiden (Platz 72) geht vor allem auf die Benachteiligung von Frauen in Führungspositionen und auf Ungleichheiten bei Löhnen zurück.

Deutschland rutschte im Vergleich zum letzten Jahr vom elften auf den zwölften Platz. Relativ gut schneidet Deutschland beim Anteil von Frauen in politischen Ämtern ab. Nach Angaben des Bundesfamilienministeriums beträgt der Frauenanteil in den Landesparlamenten im bundesweiten Durchschnitt 32 Prozent. Aufholbedarf gibt es laut Global Gender Gap Report vor allem bei den Gehältern. Hier landet Deutschland im Vergleich nur auf Platz 101. Das deutsche Grundgesetz schreibt fest, dass Arbeitnehmer für die gleiche Arbeit den gleichen Lohn erhalten müssen und Artikel 3 verbietet zudem jede Diskriminierung aufgrund des Geschlechts. Dennoch verdienen Frauen laut Bundesfamilienministerium durchschnittlich noch immer 23 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Auch in Führungspositionen sind Frauen in Deutschland derzeit stark unterrepräsentiert. In den Vorständen und Aufsichtsräten der führenden Unternehmen in Deutschland sind kaum Frauen zu finden.

Unter den zehn am besten bewerteten Ländern finden sich mehrere afrikanische Staaten: Südafrika konnte vom 22. auf den sechsten Platz aufschließen.

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Lesotho verbesserte sich um sechs Plätze und wird auf Rang zehn geführt. In Südafrika hat vor allem eine höhere Quote von erwerbstätigen Frauen wie auch deren stärkere Partizipation in politischen Ämtern zur positiven Bewertung beigetragen.

Auf dem letzten Platz der Länderrangliste liegt Jemen. Laut Studie ist es das Land mit der größten Ungleichheit zwischen den Geschlechtern. Auch Indien (114), Marokko (124), Ägypten (126), Iran (128), die Türkei (129) und Pakistan (132) belegen wie im vergangenen Jahr Ränge am Ende des Index. Grund ist bei diesen Ländern vor allem die geringe Teilhabe von Frauen am Wirtschaftsleben. Mit Ausnahme von Indien sind in diesen Ländern auch Frauen in höheren politischen Ämtern eine Seltenheit. Indien verzeichnet große Ungleichheiten zwischen Männern und Frauen im Gesundheits-, Pakistan im Bildungsbereich.


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