Erde

Lehman-Pleite: Ein Jahr danach

Am 15. September 2008 brach in den USA die Investmentbank Lehman Brothers zusammen. Der Pleite der 158 Jahre alten Großbank folgte die weltweit größte Finanz- und Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit.

Der 15. September 2008 dürfte für lange Zeit als Datum der größten Bankenpleite in die Geschichte eingehen: An diesem Tag musste die viertgrößte US-Investmentbank Lehman Brothers Konkurs anmelden, nachdem die damalige amerikanische Regierung eine Rettungsaktion abgelehnt hatte. Der Zusammenbruch der Bank führte zu einer Beschleunigung der Finanzmarktkrise und versetzte die Märkte rund um den Erdball in einen Schockzustand. Ob in Deutschland, den USA, Brasilien oder Südkorea: Anleger zogen ihr Geld ab, weltweit stürzten die Aktienkurse auf Rekord-Tiefstände. Das Vertrauen in die Märkte war erschüttert, auch das der Banken untereinander. Weil keiner wusste, wer welche Risiken im Depot hatte, wollten sich die Banken untereinander kein Geld mehr leihen. Die gegenseitige Kreditvergabe wurde eingefroren, die Finanzkrise nahm ihren Lauf - mit immensen Folgen auch für die Realwirtschaft. Denn die Finanzbranche versorgt Unternehmen, Staat und Privathaushalte mit Geld und hält so den Wirtschaftskreislauf in Gang. Arbeitsplätze und Ersparnisse gingen verloren, Unternehmen steuerten in die Pleite.

Als erste Sofortmaßnahme brachten Regierungen rund um den Globus milliardenschwere Rettungspakete auf den Weg, die den Finanzmarkt stabilisieren sollten. In Europa stimmten sämtliche 27 EU-Länder einem gemeinsamen Bankenrettungsplan zu. Eine solche konzertierte Aktion hatte es bislang noch nicht gegeben. Auch die Zentralbanken arbeiteten eng zusammen und versorgten die Finanzmärkte mit genügend Liquidität, um das Bankensystem zu stützen. Um der Gefahr einer weltweiten Rezession vorzubeugen, griff die Politik weiter ein. Banken wurden verstaatlicht. Die großen Volkswirtschaften, allen voran China, Amerika und auch Deutschland verabschiedeten in Form von Finanzhilfen und Bürgschaften die größten Konjunkturpakete der Geschichte. Dass der Staat in der Finanz- und Wirtschaftskrise "als Retter" in der Not auftrat und in die Wirtschaft eingriff, wurde kontrovers diskutiert. Damit einher ging auch die Frage nach möglichen Auswegen aus der Finanzkrise, deren Ursachen in dem so genannten Kasino-Kapitalismus ausgemacht wurden.

Dem akuten Krisenmanagement folgten Bemühungen einer langfristigen Reform der internationalen Finanzmärkte: Mehr Transparenz, mehr Kontrolle und Sanktionen sollten die Auswüchse auf dem Finanzmarkt verhindern. Nach einem ersten Aktionsplan im November 2008 legten die Staats- und Regierungschefs der größten Industrie- und Schwellenländer (G20) auf dem Weltfinanzgipfel im April 2009 in London einen Maßnahmenkatalog vor. Unter anderem sollte die Kontrollaufsicht gestärkt und Sanktionsmechanismen eingeführt werden. Das bisherige System, das Managern auch Bonuszahlungen bei hohen Risiken verspricht, stand zur Disposition. Banken sollten zudem in Zukunft mehr Eigenkapital als Puffer für Krisenzeiten aufbauen. Ende September 2009 kommen die G20-Staaten wieder auf einem Gipfel im amerikanischen Pittsburgh zusammen, wo die Maßnahmen diskutiert werden.

Ein Jahr nach dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers fällt die Bilanz gemischt aus. Die Folgen der Finanzkrise kosteten bisher allein in den USA seit 2007 fast sieben Millionen Arbeitsplätze. Millionen Häuser wurden zwangsversteigert, an den Aktienmärkten gingen mehrere Billionen Dollar an Ersparnissen verloren. Steuerzahler in den USA und Europa mussten Beträge in Billionenhöhe aufbringen, um die weltweite Rezession einzudämmen.

Allerdings ist für viele Beobachter die Erholung der Weltwirtschaft überraschend schnell eingetreten. Der Internationale Währungsfonds hat seine Prognose für das globale Wirtschaftswachstum 2010 auf 2,5 Prozent angehoben. Auch in Deutschland geht es leicht bergauf. Zum ersten Mal seit Anfang 2008 verzeichnet die deutsche Wirtschaft wieder positive Zahlen.

Viele bezweifeln jedoch, dass ein Umdenken auch in der Finanzwelt stattgefunden habe. Zudem gibt es Befürchtungen, dass nach Überwindung der akuten Krise der anfängliche Reformeifer auf der Strecke bleiben könnte. Darauf machte auch US-Präsident Barack Obama anlässlich des Jahrestages der Lehman-Pleite aufmerksam und warnte die Finanzbranche davor, zu früherer Selbstgefälligkeit zurückzukehren.


Mehr zum Thema

Morgan Stanley (hier ein Bild des New Yorker Hauptquartiers) gab in Zuge der Finanzkrise ihren Status als Investmentbank auf.

Alexandra Endres

Kapitalismus in der Krise

Stetig wachsender Reichtum für alle: Mit der US-Finanzkrise zerplatzte dieser amerikanische Traum wie eine Seifenblase. Lange haben die USA über ihre Verhältnisse gelebt und so die weltweite Wirtschaft in Schwung gehalten. Jetzt bröckeln die Fundamente des Kapitalismus, der seit Jahrzehnten die Ökonomien der westlichen Welt geprägt hatte. Und das Vertrauen ist dahin: Die USA könnten ihre Rolle als wirtschaftliche Weltmacht verlieren. Weiter...

Hintergrund aktuell (25.09.2008)

US-Finanzkrise

Bear Stearns, Lehman Brothers, Washington Mutual: Die Pleitewelle auf dem US-Finanzmarkt reißt nicht ab. Um einer Rezession entgegenzusteuern, plant US-Präsident George W. Bush ein milliardenschweres Sofortprogramm zur Sanierung der amerikanischen Wirtschaft. Auch in Deutschland werden die Auswirkungen der Finanzmarktkrise diskutiert. Weiter...

boersencrash_teaser

Wolfgang Filc

Stabilität des internationalen Finanzsystems

Effiziente Finanzmärkte sind Voraussetzung für angemessenes Wirtschaftswachstum und hohe Beschäftigung bei Preisniveaustabilität. Die zunehmende Instabilität des internationalen Finanzsystems liegt in der Privatisierung von Vermögenswertänderungsrisiken durch Deregulierung und Rückzug des Staates von Finanzmärkten und in Informationsproblemen. Weiter...

 
zum Fragebogen >

Ihre Meinung ist uns wichtig


Vielen Dank für Ihren Besuch von bpb.de!

Wir wollen unseren Internetauftritt verbessern - und zwar mit Ihrer Hilfe. Dazu laden wir Sie herzlich zu einer kurzen Befragung ein. Sie dauert etwa 10 Minuten. Die Befragung führt das unabhängige Marktforschungsinstitut SKOPOS für uns durch.

Bitte unterstützen Sie uns mit Ihrer Teilnahme. Ihre Meinung ist uns sehr wichtig!

Ihre Bundeszentrale für politische Bildung

Information zum Datenschutz und zur Datensicherheit


Als unabhängiges Marktforschungsinstitut führt SKOPOS Institut für Markt- und Kommunikationsforschung GmbH & Co. KG im Auftrag der Bundeszentrale für politische Bildung diese Befragung durch.

Zur Durchführung der Befragung erhebt SKOPOS Ihre IP-Adresse. Diese wird umgehend anonymisiert und getrennt von den Befragungsdaten verarbeitet, deshalb ist eine Identifizierung von Personen nicht möglich. Weitere personenbeziehbare oder personenbezogene Daten werden nicht erhoben.

Die Befragung entspricht den gesetzlichen Bestimmungen zum Datenschutz und den Richtlinien des Berufsverbandes Deutscher Markt- und Sozialforscher e.V. sowie der Europäischen Gesellschaft für Meinungs- und Marketingforschung. Es erfolgt keine Weitergabe an Dritte.

Weitere Informationen und Kontaktdaten finden Sie hier.