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Gewaltsame Zwischenfälle bei afghanischer Präsidentschaftswahl

Afghanistan hat einen neuen Präsidenten gewählt. Die Wahl am 20. August galt internationalen Beobachtern als Gradmesser für die Entwicklung neuer demokratischer Strukturen. Mit dem Ergebnis der Wahl wird allerdings erst im September gerechnet. Zahlreiche gewaltsame Zwischenfälle überschatteten das Ereignis.

Auch unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen konnten mehrere Anschläge am Wahltag nicht verhindert werden. Im Norden stürmten Aufständische die Stadt Baghlan und verhinderten die Öffnung der Wahllokale, wurden dann aber von den Sicherheitskräften zurückgedrängt. Bei den Kämpfen sollen nach Angaben des Polizeichefs der Provinz, Mohammed Kabir Andarabi, mehr als 20 Terroristen getötet worden sein.

In Kundus, dem Standort der Bundeswehr, schlug in einem Wahllokal eine Rakete ein. In der Hauptstadt Kabul und im restlichen Land kam es vereinzelt zu Selbstmordattentaten und Kämpfen. Angaben über mögliche Opfer liegen aber nicht vor, auch weil die Regierung die Medien aufgefordert hatte, während der Wahl nicht über Anschläge zu berichten.

"Die große Mehrheit der Wahllokale war in der Lage zu öffnen und hat die Wahlunterlagen erhalten", so der Sprecher der Botschaft der Vereinten Nationen (UN), Aleem Siddique. Trotz der Gewalt und Drohungen der Taliban ließen sich die meisten Wähler nicht von der Stimmabgabe abhalten. Über die Höhe der Wahlbeteiligung gibt es jedoch unterschiedliche Angaben.

Zur landesweiten Wahl am Donnerstag waren rund 17 Millionen Afghanen aufgerufen ihre Stimme abzugeben. Als aussichtsreichster Kandidat für das Amt des Staatspräsidenten gilt Amtsinhaber Hamid Karzai. Unter den über 30 Herausforderern – darunter auch zwei Frauen – werden die größten Chancen dem ehemaligen Außenminister Abdullah Abdullah eingeräumt. Zusätzlich stimmten die Menschen in den 34 Provinzen Afghanistans auch über die Zusammensetzung der Provinzräte ab.

Verlauf und Ergebnis der anstehenden Präsidentschaftswahl sind ein Gradmesser für den Fortschritt beim Umbau des zentralasiatischen Landes zu einer funktionierenden Zivilgesellschaft mit demokratischen Strukturen. Die zweite Präsidentschaftswahl nach Beendigung der Herrschaft der fundamentalistischen Taliban im Jahr 2001 fand jedoch unter schlechten Vorzeichen statt:

Besonders aufgrund der prekären Sicherheitslage im Land bezweifelten internationale Wahlbeobachter, dass die Wahl frei und fair ablaufen kann. Erst am vergangenen Samstag (15. August) gelang einem Selbstmordattentäter ein Sprengstoffanschlag vor dem Hauptquartier der von der Nato geführten Internationalen Schutztruppe (ISAF) in der afghanischen Hauptstadt. Mindestens sieben Afghanen kamen dabei ums Leben, rund 100 Menschen wurden zum Teil schwer verletzt. Zum Anschlag bekannten sich die radikalislamischen Taliban.


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