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Weltflüchtlingstag: 42 Millionen Menschen auf der Flucht

Weltweit war im Jahre 2008 jeder 160. Mensch auf der Flucht. Anlässlich des Weltflüchtlingstags am 20. Juni beziffert das Flüchtlingskommissariat der Vereinten Nationen (UNHCR) die Zahl der weltweiten Flüchtlinge auf 42 Millionen. Seit Anfang des Jahres sind in Pakistan, Sri Lanka und Somalia große Fluchtbewegungen zu verzeichnen.

"Real people, real needs" (Echte Menschen, echte Bedürfnisse), so lautet das Motto des Weltflüchtlingstages 2009. Mit der diesjährigen Kampagne will das UNHCR auf die Alltäglichkeit und Willkür der Erfahrung mit Flucht und Vertreibung und auf die Bedeutung humanitärer Einrichtungen hinweisen. Am Dienstag (16.06.2009) stellte das UN-Flüchtlingswerk die Weltflüchtlingsstatistik "Global Trends 2008" vor.

Laut Bericht gab es Ende 2008 weltweit 16 Millionen Flüchtlinge und Asylsuchende und 26 Millionen im eigenen Land vertriebene Menschen, sogenannte Binnenflüchtlinge. Mit 42 Millionen Flüchtlingen insgesamt ist die Zahl im Vergleich zum Vorjahr um 700.000 gesunken. 80 Prozent aller Flüchtlinge und Binnenvertriebenen befinden sich in Entwicklungsländern. Sie sind auf der Flucht vor Naturkatastrophen, gewaltsamen Konflikten, Menschenrechtsverletzungen, Verfolgung und Krieg.

Die drei größten Aufnahmeländer sind Pakistan mit 1,8 Millionen, Syrien mit 1,1 Millionen und der Iran mit 980.000 Flüchtlingen. Ursache hierfür ist die unmittelbare Nähe zu Afghanistan und dem Irak. Dementsprechend kamen die meisten grenzüberschreitenden Flüchtinge aus Afghanistan (2,8 Millionen) und dem Irak (1,9 Millionen).

Mit geschätzten drei Millionen Binnenvertriebenen erlebt Kolumbien eine der größten humanitären Krisen. Im Irak waren Ende 2008 rund 2,6 Millionen auf der Flucht. Die Hälfte von ihnen musste innerhalb der letzten drei Jahre ihre Heimatorte verlassen. Und in der westsudanesischen Region Darfur gab es Ende vergangenen Jahres über zwei Millionen Binnenvertriebene.

Wie der Hohe Flüchtlingskommissar der UN Antonio Guterres betont, spiegeln diese Zahlen die heutige Lage allerdings nur unzureichend wider: Seit dem Vorjahr gebe es neue Massenfluchtbewegungen, vor allem in Pakistan, Sri Lanka und Somalia.

Infolge der Auseinandersetzungen im nordwestlichen Pakistan haben nach Angaben des UNHCR seit Anfang Mai etwa 2,6 Millionen Menschen die betroffenen Regionen verlassen. Auch in Sri Lanka und Somalia sind seit Anfang dieses Jahres viele Menschen auf der Flucht.

Experten erwarten auch längerfristig eine Verschärfung der Fluchtbewegungen: Bis zum Jahr 2050 könnten rund 200 Millionen Menschen aufgrund des Klimawandels ihre Existenzgrundlage verlieren und auf der Flucht sein, so Schätzungen der Internationalen Organisation für Migration (IOM).


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