Erde

Neuer Atomtest in Nordkorea

Nordkorea hat am Morgen des 25.05.2009 nach eigenen Angaben einen unterirdischen Atomtest erfolgreich durchgeführt, nachdem es im April angekündigt hatte, seine Bemühungen um eine atomare Bewaffnung wieder aufzunehmen. 2006 hatte das Land erstmalig eine Atomwaffe getestet.

"Der geliebte Führer" - Diktator Kim Jong Il im Kreise seiner Militärs. Foto: AP"Der geliebte Führer" - Diktator Kim Jong Il im Kreise seiner Militärs. Foto: AP
Die nordkoreanische staatliche Nachrichtenagentur KCNA verkündete den Erfolg des Atomtests in einer Radioansprache. Die Sprengkraft sei größer gewesen als beim ersten Test im Oktober 2006, die technische Kontrolle besser. Ziel des unterirdischen Tests sei die Stärkung der atomaren abschreckenden Selbstverteidigung des Landes. Nach übereinstimmenden Medienberichten folgte der Atomexplosion der Abschuss von nordkoreanischen Kurzstreckenraketen.

Angaben der offiziellen US-amerikanischen Erdbebenwarte USGS bestätigten ein Erdbeben der Stärke 4,7 in Nordkorea um 9:54 Uhr Ortszeit. Die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap sprach von einem "künstlichen Beben" in 10 Kilometern Tiefe, das auf einen Atomtest hinweise. Als Zentrum des Bebens wurde das nordkoreanische Kilju ausgemacht. Hier wurde bereits der erste Atomtest im Jahr 2006 durchgeführt. Bestätigt wurde der Test auch vom russischen Verteidigungsministerium; die Stärke der Detonation wurde dort mit 10 bis 20 Kilotonnen beziffert, deutlich stärker als beim letzten Test, der auf 1 Kilotonne geschätzt worden war. Ungefähr vergleichbar ist diese Sprengkraft mit den Atombomben, die die Vereinigten Staaten gegen Ende des Zweiten Weltkrieges auf Hiroshima und Nagasaki abwarfen.

Mit dem Test macht Nordkoreas Führung seine Drohung von Mitte April wahr: Nachdem der UN-Sicherheitsrat einen nordkoreanischen Raketenstart mit einer sogenannten Präsidentenerklärung einstimmig verurteilt hatte, kündigte das Außenministerium die volle Wiederaufnahme der Bemühungen um eine atomare Bewaffnung des ostasiatischen Landes an. Außerdem sehe sich Nordkorea nicht weiter an die in den vergangenen Jahren getroffenen Vereinbarungen aus den Sechs-Parteien-Gesprächen gebunden und werde an weiteren Beratungen nicht mehr teilnehmen.

Die Sechs-Parteien-Gespräche zwischen Nordkorea, Südkorea, China, Russland, Japan und den USA hatten noch im Oktober 2007 zur nordkoreanischen Selbstverpflichtung geführt, alle Nuklearanlagen des Landes unbrauchbar zu machen und jegliche Nuklearaktivitäten offenzulegen. Zunächst kooperierte Nordkorea auch, so z.B. mit der Abschaltung des Reaktors in Yongbyon und der symbolträchtigen Sprengung des dortigen Kühlturms. Der jetzige Atomtest beendet nicht nur diesen Prozess, er verletzt überdies die Resolution 1718 des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen vom 14. Oktober 2006. Darin wurde Nordkorea aufgefordert, alle Massenvernichtungswaffen, Kernwaffen und ballistischen Raketen zu vernichten.

Die meisten internationalen Reaktionen auf den nordkoreanischen Atomtest zielen in die gleiche Richtung. US-Präsident Obama kritisierte in einer ersten Stellungnahme die eklatante Missachtung des UN-Sicherheitsrates. Das nordkoreanische Atomprogramm sei eine Bedrohung für die internationale Sicherheit. Die US-Regierung wolle sich zunächst mit dem Sicherheitsrat und den Partnern aus den Sechs-Parteien-Gesprächen über das weitere Vorgehen abstimmen. Auch die Europäische Union und das Auswärtige Amt zeigten sich besorgt und sahen in dem aktuellen Atomversuch einen klaren Verstoß gegen bestehende UN-Resolutionen.

Die nordkoreanischen Nachbarn Südkorea und Japan beriefen jeweils Krisensitzungen ein. Nach der japanischen Forderung nach einer Reaktion des UN-Sicherheitsrates kündigte der russische Außenminister (Russland hat gegenwärtig den Vorsitz im Sicherheitsrat inne) bereits für den Abend des 25. Mai eine Dringlichkeitssitzung des Weltsicherheitsrates an.


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