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Sri Lanka: Zahl der zivilen Opfer steigt

Seit mehr als 25 Jahren bekämpfen sich in Sri Lanka Regierungstruppen und die Rebellenorganisation "Befreiungstiger von Tamil Eelam" (LTTE). Nachdem im letzten Jahr ein Friedensabkommen gescheitert ist, will die Regierung die Rebellenorganisation jetzt endgültig zerschlagen. Die Kämpfe fordern inzwischen immer mehr zivile Opfer. Seit Anfang des Jahres eskaliert die Gewalt in Sri Lanka. Die Regierungstruppen haben ihr militärisches Vorgehen gegen die "Befreiungstiger von Tamil Eelam" (LTTE) im Norden der Insel ausgeweitet, um die tamilischen Rebellen endgültig zu zerschlagen. Die LTTE, die für einen autonomen Staat im Norden der Insel kämpft, hatte die Region bereits größtenteils kontrolliert. Durch einige strategische Siege konnte die Regierungsarmee die Kontrolle dort weitgehend zurückgewinnen. Anfang Januar hatte sie unter anderem die Stadt Kilinochchi im Norden Sri Lankas eingenommen, die von den "Befreiungstigern" als Hauptstadt deklariert wird. Zu Beginn der Woche bekräftige der sri-lankische Präsident Mahinda Rajapakse seine Aussage, dass die Regierungssoldaten die Rebellen in wenigen Tagen besiegt hätten.

Die jüngsten Kämpfe fordern zunehmend zivile Opfer, wie UN-Sprecher Gordon Weiss mitteilte. Besonders umkämpft ist ein rund 30 km langer Küstenstreifen im Nordosten der Insel, wo sich rund 250.000 Zivilisten befinden sollen. Allein am Dienstag seien bei Angriffen über 50 Zivilisten getötet und mehr als 80 Menschen verletzt worden, sagte Weiss am Mittwoch (04.02.2009). Ein Teil der Opfer hätte sich in einem Gebiet befunden, dass die sri-lankische Regierung als Sicherheitszone ausgewiesen hatte. Nach Angaben des Roten Kreuzes sei auch ein Krankenhaus unter Beschuss geraten, dabei sollen neun Menschen getötet und 20 verletzt worden sein. Bislang durften jedoch noch keine unabhängigen Beobachter in das Kriegsgebiet einreisen, weshalb keine zuverlässigen Zahlen über den genauen Verlauf des Krieges oder Opferzahlen vorliegen.

Die internationale Staatengemeinschaft forderte die Konfliktparteien auf, ihre Gespräche am Verhandlungstisch wieder aufzunehmen und eine politische Lösung zu suchen. Die USA, Australien und Großbritannien drängen auf eine sofortige und befristete Waffenruhe, damit die Zivilsten und Verwundeten das umkämpfte Gebiet verlassen können. Derweil hat die Regierung in Colombo den tamilischen Rebellen Straffreiheit in Aussicht gestellt, sollten diese ihre Waffen niederlegen.

Als Beginn des Bürgerkriegs gilt ein Anschlag auf eine Militäreinrichtung am 24. Juli 1983. Infolge dessen kam es zu Ausschreitungen gegen die tamilische Bevölkerung.

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Der Konflikt hat Schätzungen zufolge mehr als 70.000 Menschen das Leben gekostet. 2002 wurde unter norwegischer Vermittlung ein Waffenstillstand geschlossen, der den fragilen Frieden aber nicht sichern konnte. 2006 scheiterte der Friedensprozess, nachdem die tamilischen Rebellen das Friedensabkommen von 2002 für obsolet erklärt hatten. Anfang 2008 kündigte dann auch die sri-lankische Regierung die Waffenruhe auf. Die LTTE gilt als geschwächt, seit die EU sie im April 2006 auf ihre Liste der terroristischen Vereinigungen gesetzt und deren Konten eingefroren hat.


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