Erde

20 Jahre Welt-Aids-Tag

Weltweit leben etwa 33 Millionen Menschen mit der Immunschwächekrankheit Aids. Gerade in Entwicklungsländern verschärfen sich dadurch die politischen, sozialen und wirtschaftlichen Probleme. Darauf macht jedes Jahr der Welt-Aidstag am 1. Dezember mit Kampagnen aufmerksam.

Die Aids-Schleife in Form von 11.000 brennenden Kerzen, Foto: APDie Aids-Schleife in Form von 11.000 brennenden Kerzen, Foto: AP
Am 5. Juni 1981 erschien erstmals ein Bericht über das Krankheitsbild Aids in einem amerikanischen Magazin. Auch heute, 27 Jahre später, stellt die Krankheit eine der größten Herausforderungen weltweit dar. Mehr als 25 Millionen Menschen sind bislang an Aids gestorben. Derzeit sind 33,2 Millionen Menschen weltweit von der Immunschwäche-
krankheit betroffen. Zwei Millionen von ihnen starben 2007 an den Folgen. Am 1. Dezember jährt sich zum 20. Mal der Welt-Aids-Tag, den die Vereinten Nationen 1988 ins Leben gerufen haben. Der Tag wird weltweit dazu genutzt mit diversen Kampagnen auf das Thema aufmerksam zu machen und den Kampf gegen Aids zu unterstützen. In Deutschland ist die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, die Deutsche AIDS-Hilfe und die Deutsche AIDS-Stiftung Organisator der Welt-Aids-Tag-Kampagne. Symbol und Zeichen der Solidarität mit den HIV-Betroffenen ist die "Rote Schleife", die erstmals 1991 getragen wurde. Inzwischen ist die Auseinandersetzung mit der Immunschwächekrankheit ein wesentlicher Bestandteil der Politik geworden.

Mit der Gründung des UN-Programms UNAIDS 1996 wurde der Kampf gegen Aids auf globaler Ebene institutionalisiert, um die verschiedenen Maßnahmen besser koordinieren zu können. UNAIDS leistet im Wesentlichen Aufklärungsarbeit und sammelt Daten und Fakten zu den sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen von Aids. Sie werden zweimal jährlich in dem Globalen HIV/AIDS Bericht veröffentlicht. Zudem unterstützt UNAIDS die jährlichen Welt-Aids-Konferenzen. Während die internationalen Konferenzen in den 1980er Jahren zunächst für gesellschaftliche Akzeptanz von HIV und Aids warben, sind in der Dekade darauf verstärkt die wissenschaftlichen Erkenntnisse und die Handlungsspielräume der Politik in den Blick geraten. Einen ersten Durchbruch stellte 1996 die Konferenz im kanadischen Vancouver dar: Hier wurde eine Therapie vorgestellt, die seither Millionen Menschen das Leben gerettet hat. Vier Jahre später fiel in Durban die Entscheidung, Medikamente und Impfstoffe durch Kostensenkung auch ärmeren Ländern zugänglich zu machen.

Zwar konnte auf diesem Weg auch in medizinischer Hinsicht einiges erreicht werden - eine echte Heilung ist bisher aber nicht möglich. Die Zahlen verdeutlichen auch, dass die Immunschwächekrankheit Wissenschaft und Politik aufgrund ihrer politischen, sozialen und wirtschaftlichen Dimension noch immer vor große Herausforderungen stellt. Nach Angaben von UNAIDS lebt ein Großteil der Betroffenen in Entwicklungsländern - zwei Drittel aller HIV-Infizierten in Afrika südlich der Sahara. Während zu Beginn der Aids-Pandemie vor allem Männer von der Krankheit betroffen waren, hat die Zahl der weiblichen Infizierten in den letzten Jahren stark zugenommen. Weltweit sind von allen 15- bis 24-Jährigen, die sich neu infizieren, 62 Prozent Mädchen und Frauen. In Südafrika liegt dieser Anteil sogar bei 77 Prozent. Hintergrund sind die mangelnde Gleichberechtigung von Frauen, Gewalt wie auch Prostitution, die das Infektionsrisiko erhöhen. Generell wird die Ausbreitung des HI-Virus durch Faktoren wie Armut, einem geringen sozialen Status und niedrigem Bildungsniveau forciert - ein Teufelskreis, der in enger Wechselwirkung mit der ökonomischen Entwicklung steht. Berechnungen der Weltbank zufolge reduziert sich das Wachstum bei Staaten mit hoher HIV-Quote um bis zu zwei Prozent. Die meisten HIV-Infizierten sterben im Alter zwischen 20 und 40 Jahren an den Folgen von Aids.

Für die Wirtschaft bringt dies einen Verlust der produktivsten Generation mit sich. Hinzu kommt: Wer sich mit dem Virus infiziert, wird aufgrund der körperlichen Schwäche häufig arbeitsunfähig. Das verschlechtert nicht nur die persönliche Lage der Betroffenen, sondern treibt auch die staatlichen Kosten für deren Unterhalt und die Gesundheitsversorgung in die Höhe. In Botswana etwa, wo 24 Prozent der Menschen mit HIV infiziert sind, wird nach Angaben des BMZ in den nächsten zehn Jahren vermutlich in jedem vierten Haushalt die Person sterben, die für den Lebensunterhalt aufkommt. Ferner müssen die Erkrankten einen Großteil des Geldes für ihre medizinische Versorgung ausgeben - Geld, das für Schule und Ausbildung fehlt.

Im internationalen Vergleich liegt die Zahl der Neuinfektionen in Deutschland weiterhin auf einem sehr niedrigen Niveau. Einer aktuellen Schätzung des Robert Koch-Instituts zufolge leben in Deutschland 2008 rund 63.500 Menschen mit HIV oder AIDS. Von ihnen haben sich etwa 3.000 im Jahr 2008 neu infiziert, 650 sind an den Folgen der Infektion gestorben. Die Bundesregierung hat die Mittel für die Aidsprävention 2009 noch einmal um eine Million auf 13,2 Millionen Euro erhöht.


Mehr zum Thema

AIDS-Epidemie.

Soziale Probleme

AIDS-Epidemie

Seit 1981 sind weltweit mehr als 35 Millionen Menschen an AIDS gestorben – allein 2015 waren es mehr als eine Million. Die mit Abstand am stärksten von der AIDS-Epidemie betroffenen Regionen sind Ost- und Südafrika, wo 2015 mehr als die Hälfte aller HIV-Positiven lebte bzw. 7,1 Prozent der Erwachsenen mit dem HI-Virus infiziert waren. Weiter...

Sarah Tietze

Die Aids-Pandemie in Sub-Sahara-Afrika

Wo liegen die Ursachen der Aids-Pandemie in Sub-Sahara-Afrika? Welche Auswirkungen haben sie auf die sozialen, ökonomischen und politischen Rahmenbedinungen? Weiter...

Aids-Plakat Lesotho, Südliches Afrika

Jennifer Bakyawa

Im Kampf gegen HIV/Aids

Uganda war das erste afrikanische Land, das sich öffentlich zu seinem Problem mit HIV/Aids bekannte. Aufklärung über die Immunschwächekrankheit zählt zu den wichtigsten Aufgaben, die der Staat, aber auch kulturelle Netzwerke übernehmen - sei es in Form von Programmen, Fernsehsendungen oder Theaterstücken. Weiter...