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Schwere Gefechte im Osten Kongos

Im Osten des Kongo ist es zu Kämpfen zwischen Tutsi-Rebellentruppen und den von der UN unterstützten Regierungstruppen gekommen. Mehrere zehntausend Menschen befinden sich auf der Flucht. UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon zeigte sich besorgt über die Lage und rief die Rebelltentruppen auf, die Kämpfe einzustellen.

Die UN schätzt die Anzahl der Vertriebenen auf rund 850.000 Menschen. Foto: APDie UN schätzt die Anzahl der Vertriebenen auf rund 850.000 Menschen. Foto: AP
Am Wochenende haben Truppen des "National Congress for the Defense of People" (CNDP), angeführt von dem abtrünnigen Tutsi-General Laurent Nkunda, die kongolesische Armee angegriffen. Nkunda wirft der kongolesischen Regierung von Präsident Kabila vor ruandische Hutu-Milizen zu unterstützen, die 1994 in Ruanda für den Genozid an den Tutsi verantwortlich waren. Vor allem die Region Nord-Kivu an der Grenze zu Ruanda und Uganda ist von den Kämpfen betroffen. Aus Angst vor den Rebellen flohen rund 45.000 Menschen aus Goma, der Provinzhauptstadt, wo sich ein Großteil der UN-Soldaten und Hilfsorganisationen befinden.

Nachdem die 17.000 Mann starke UN-Friedensstruppe (MONUC) am Dienstag erfolglos versucht hatte, den Vormarsch der Rebellen nach Goma zu stoppen, kam es im Ost-Kongo zu Protesten gegen UN-Einrichtungen. Die Bevölkerung warf der MONUC vor, sie nicht ausreichend vor den Rebellen zu schützen.

Kongo. Karte: The World FactbookKongo. Karte: The World Factbook
Die bewaffneten Auseinander-
setzungen markieren vorerst das Ende des Friedenabkommens, das Rebellen und Regierung Anfang des Jahres in Goma unter internationaler Vermittlung ausgehandelt hatten. Trotz der hohen Präsenz der UN-Truppen, die seit 2002 in dem Land stationiert sind, ist der Frieden in der Region äußerst fragil: Zwar konnten weite Teile des Kongos seit den ersten demokratischen Wahlen 2006 befriedet werden, der Osten des Landes kommt aber nicht zur Ruhe. Die UN schätzt die Anzahl der Vertriebenen hier allein auf rund 850.000 Menschen.

Politische Beobachter befürchten, dass das Nachbarland Ruanda in die kriegerischen Auseinandersetzungen hineingezogen werden könnte. Kabilas Regierung wirft Ruanda vor, Truppen zur Verstärkung des Rebellen Nkunda über die Grenze geschickt zu haben. Ruanda wiederum wirft der Regierung des Kongo vor, auf Ziele in Ruanda gefeuert zu haben. Zwischen 1998 und 2003 sind in einem Krieg zwischen Kongo und fünf Nachbarstaaten vier Millionen Menschen ums Leben gekommen. Immer wieder kommt es in den rohstoffreichen Gebieten im Osten des Kongo zu Konflikten zwischen Milizen und verschiedenen Rebellengruppen.


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