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Angela Merkel in China

Bundeskanzlerin Angela Merkel ist am Donnerstag (23.10.2008) zu einem dreitägigen China-Besuch in Peking eingetroffen. Im Zentrum der Gespräche steht die weltweite Finanzkrise. Auf dem anschließenden EU-Asien-Gipfel will sie zusammen mit rund 40 Staats- und Regierungschefs Grundlagen für weltweite Finanzmarktregeln diskutieren.

Wollen gemeinsam gegen die Finanzkrise kämpfen: Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao und Bundeskanzlerin Angela Merkel. Foto: APWollen gemeinsam gegen die Finanzkrise kämpfen: Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao und Bundeskanzlerin Angela Merkel. Foto: AP
Bei den Gesprächen mit der chinesischen Führung geht es Merkel vor allem um die bilateralen wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und China. Zum Auftakt ihres Besuchs trifft die Bundeskanzlerin am Donnerstag (23.10.2008) mit Ministerpräsident Wen Jiabao zusammen. Am Freitag (24.10.2008) ist ein Treffen mit Staatspräsident Hu Jintao geplant. Daneben werden Gespräche mit Journalisten, Intellektuellen und Literaten stattfinden.

Deutschland ist nach wie vor Chinas wichtigster Handelspartner innerhalb der EU. Angesichts der wachsenden Bedeutung des Landes als Importeur für deutsche Produkte erhoffen sich Vertreter der Wirtschaft eine Vertiefung der Handelsbeziehungen. Hinzu kommt Chinas Relevanz für den deutschen Exportmarkt: Nach den USA ist Deutschland seit 2002 der wichtigste Abnehmer. Deutsche Unternehmen exportierten im Jahre 2006 Waren für 45 Mrd. Dollar nach China. Der Import aus China belief sich im gleichen Jahr auf über 80 Mrd. Dollar.

Trotz des großen Wirtschaftswachstums ist auch China von der weltweiten Finanzkrise betroffen: Erstmals seit 2005 fällt das Wachstum des Landes nicht mehr zweistellig aus: In den ersten neun Monate des Jahres verzeichnete China ein Wachstum von 9,9 Prozent, wie die chinesische Statistikbehörde Anfang der Woche in Peking mitteilte. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres hatte es noch bei 12,2 Prozent gelegen. Trotz der Verlangsamung des Wachstums bleiben die Einzelhandelsumsätze in China weiterhin stark. Auch die Verschuldung ist im internationalen Vergleich niedrig: Chinas Finanzsystem ist noch immer weitgehend abgeschottet und chinesische Banken haben kaum Geld in amerikanischen Hypotheken angelegt.

Ein weiterer Schwerpunkt von Merkels Reise ist der siebte Asien-Europa-Gipfel (ASEM), der vom 24.10. bis zum 25.10. in Peking stattfinden wird. Auf dem Treffen, an dem rund 40 Staats- und Regierungschefs teilnehmen, stehen die Zukunft der europäisch-asiatischen Wirtschaftsbeziehungen und die Konsequenzen der weltweiten Finanzkrise im Mittelpunkt. In ihrer Eröffnungsrede will Merkel am Freitag die Grundzüge einer neuen Weltfinanzverfassung vorstellen.

Die internationale Krise könne nur unter Einbeziehung Asiens und der großen Schwellenländer China und Indien überwunden werden, so die Kanzlerin. Viele der asiatischen Länder sind im Zuge der Finanzkrise von Einbußen in der Realwirtschaft betroffen: Die Mehrheit der asiatischen Märkte lebt vom Export. Die Finanzkrise lässt die internationale Nachfrage sinken. In Folge dessen verkaufen asiatische Unternehmen weniger Produkte in andere Teile der Welt. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso betonte vor Journalisten in Peking, zur Bewältigung der Krise müssten Ungleichgewichte im weltweiten Handel beseitigt werden. Die asiatischen Staaten und insbesondere China sollten sich einem gemeinsamen Vorgehen anschließen.


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