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Auswege aus der Finanzkrise

Erstmals hat die Staatengemeinschaft einen globalen Fahrplan vorgelegt, um das Vertrauen in die Finanzmärkte zurückzugewinnen. Die Börsen beruhigten sich daraufhin. Experten prognostizieren dennoch negative Folgen für die Realwirtschaft.

Frankfurt am Main gehört zu den führenden europäischen Unternehmensstandorten. Foto: APFrankfurt am Main gehört zu den führenden europäischen Unternehmensstandorten. Foto: AP
Das Chaos auf den Weltfinanzmärkten scheint vorerst gebannt. Am Wochenende (12.10.2008) hatten die sieben führenden Industrieländer (G7) wie auch die 15 Staaten der Eurogruppe Aktionspläne vorgelegt, um Börsen und den internationalen Finanzmarkt zu stabilisieren. Die angekündigten Maßnahmen wirkten: Weltweit gingen die Börsenkurse, die am Wochenende stark eingebrochen waren, zu Handelsbeginn wieder nach oben.

Da Ad-Hoc-Maßnahmen einzelner Staaten bisher nicht griffen, formulierten die Staatengemeinschaft in Washington und Paris einen globalen Rahmenplan zur Eindämmung der Krise. Gemeinsam ist den Aktionsplänen von G7 und der EU eines: Der Staat springt ein, um das angeschlagene Vertrauen zwischen den Akteuren des Finanzsektors zu rehabilitieren und Banken vor dem Konkurs zu bewahren. Mit welchen Mitteln der Staat der Finanzwirtschaft unter die Arme greift, liegt im Ermessen der nationalen Regierungen. Allerdings sollen diese ihre Hilfen untereinander abstimmen. Ansonsten bestünde die Gefahr, dass Investoren und Kunden Geld von Banken abziehen, die weniger staatliche Hilfe erhalten, und es auf Banken umschichten, die mehr Kapital erhalten. Die Maßnahmen zur Stabilisierung des Finanzmarktes sollen bis Ende 2009 befristet sein. Zudem wollen die Zentralbanken weiterhin eng zusammenarbeiten und hinreichend Liquidität an den Märkten für kurzfristige Refinanzierung in US-Dollar zur Verfügung stellen.

Die Bundesregierung stellte am Montag (13.10.2008) ein knapp 500 Milliarden Euro schweres Rettungspaket vor - den größten Rettungsfonds der Nachkriegsgeschichte. Herzstück ist die Einrichtung eines "Finanzmarktstabilisierungsfonds", der etwa 400 Milliarden Euro umfassen soll. Mit diesem Fondvermögen soll das Bankengeschäft wieder zum Laufen gebracht werden, indem der Bund für deren Kreditgeschäfte bürgt.

Der so genannte Interbankenmarkt, auf dem sich die Banken untereinander Geld leihen, ist für die Kreditinstitute überlebenswichtig. Hierdurch refinanzieren sie kurz- und mittelfristig ihr Geschäft. Dieser Mechanismus ist im Zuge der Finanzmarktkrise quasi eingefroren. Durch die Krise in den USA vertrauten sich die Banken untereinander nicht mehr, da keine wusste, wie tief der andere in das Geschäft mit den hochriskanten Krediten involviert war. Die Folge war eine Kreditklemme: Banken lagerten ihr Geld ein, anstatt es dem Markt für die laufende Refinanzierung zur Verfügung zu stellen. Eine Kreditklemme kann zur Folge haben, dass Banken selbst Firmen mit guter Bonität kein Geld mehr leihen - mit fatalen Folgen für Investitionen und Konsum.

Als Gegenleistung zu den staatlichen Bürgschaften sollen die Banken in Deutschland "eine solide und umsichtige Geschäftspolitik" gewähren. Zudem kann die Bundesregierung Auflagen bei der Vergütung von Vorständen, Aufsichtsräten und den übrigen Angestellten verhängen. Die Finanzierung des Rettungspakets soll über höhere Schulden erfolgen. Als weitere vertrauensfördernde Maßnahme fungieren die Einlagensicherungs- und Garantiesysteme für private Spareinlagen. Eine Reihe europäischer Länder, darunter auch die Bundesrepublik, hat in den vergangenen Wochen bereits Staatsgarantien für die Einlagen ausgesprochen. Damit soll verhindert werden, dass Privatkunden ihr Geld von den Konten abziehen und so eine der letzten sicheren Finanzierungsquellen der Banken riskieren. Schon heute sind Spareinlagen durch gesetzliche Vorgaben bis zu 20.000 Euro geschützt. Für Summen darüber garantiert zusätzlich der Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands Deutscher Banken.

Auch wenn die politischen Eingriffe das Vertrauen auf den Finanz- und Börsenmärkten wiederherstellen, können Experten die langfristigen Folgen schwer einschätzen. In einem Punkt sind sich alle führenden Wirtschaftsinstitute jedoch einig: Die Finanzmarktkrise werde auf die reale Wirtschaft übergreifen.


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