Erde

18 Jahre Deutsche Einheit

Wirtschaftswachstum, Arbeitslosigkeit, Zukunftstechnologien: 18 Jahre nach der Wiedervereinigung ist der "Aufbau Ost" ein gutes Stück vorangekommen. Dennoch gibt es auch weiterhin Nachholbedarf, wie aus dem Jahresbericht zum Stand der Deutschen Einheit hervorgeht.

Touristen besuchen die Mauergedenkstätte in der Bernauer Straße in Berlin: Mehr als 28 Jahre war die Mauer Symbol für die Teilung Deutschlands. Foto: APTouristen besuchen die Mauergedenkstätte in der Bernauer Straße in Berlin: Mehr als 28 Jahre war die Mauer Symbol für die Teilung Deutschlands. Foto: AP
Der aktuelle Jahrsbericht der Bundesregierung zum Stand der Deutschen Einheit zeichnet ein überwiegend positives Bild. Zwei Drittel des Weges beim Aufbau Ost seien geschafft, so der Beauftragte der Bundesregierung für den Aufbau Ost, Wolfgang Tiefensee bei der Vorstellung des Berichts am vergangenen Mittwoch (24.09.2008). Im Jahr 2007 wuchs die ostdeutsche Wirtschaft gegenüber dem Vorjahr um 2,2 Prozent. In Westdeutschland lag das Wachstum bei 2,5 Prozent. Insbesondere der industrielle Bereich habe sich in Ostdeutschland zu einem wettbewerbsfähigen Sektor entwickelt. Das verarbeitende Gewerbe verzeichnet dynamische Wachstumszahlen und liegt mit 9,9 Prozent im Jahr 2007 vor den alten Ländern, in denen das Wachstum nur 5,9 Prozent betrug. Erfolgversprechend ist auch die Entwicklung in den technologischen Zukunftsfeldern. Vor allem im Bereich der Solarenergie haben sich die ostdeutschen Bundesländer zu einem international wettbewerbsfähigen Standort entwickelt: Weltweit kommt bereits jede sechste Solarzelle aus den neuen Ländern.

Positive Entwicklungen zeichnen sich auch auf dem ostdeutschen Arbeitsmarkt ab: Die Zahl der Erwerbslosen ist in den letzten drei Jahren um 500.000 Personen zurückgegangen. Die Arbeitslosigkeit erreichte im Sommer 2008 den niedrigsten Stand seit 1991. Allerdings liegt sie immer noch bei 12,7 Prozent und ist damit nahezu doppelt so hoch wie in den alten Bundesländern. In den Bereichen Bildung und Gesundheit hingegen gab es laut Bericht eine Angleichung der Lebensverhältnisse.

Trotz der guten konjunkturellen Entwicklung hinkt die ostdeutsche Wirtschaft auch 18 Jahre nach der Wiedervereinigung der westdeutschen hinterher: Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf liegt im Osten bei nur 70 Prozent des westdeutschen Werts. Ähnlich sieht es bei den Verdienstmöglichkeiten im gewerblichen Bereich aus. Diese strukturellen Defizite erschweren eine selbsttragende Wirtschaftsentwicklung. Um die "flächendeckende Strukturschwäche" abzubauen, sei noch eine Dekade vonnöten, schätzt Tiefensee. Ein weiteres Problem ist der demografische Wandel: Vor allem junge Leute und Fachkräfte verlassen die neuen Länder. Darunter sind besonders viele junge Frauen. Aus einer jüngst veröffentlichten Studie des Berliner Instituts für Bevölkerung und Entwicklung geht hervor, dass unter den zehn am stärksten betroffenen Schwund-Regionen Europas Sachsen-Anhalt, Chemnitz und Thüringen sind.

Wie dem demografischen Wandel begegnet werden kann, ist eine der Herausforderungen für die Politik in den nächsten Jahren, die auch im Jahresbericht genannt wird. Als weitere Förderschwerpunkte nennt der Bericht die wirtschaftlichen Zukunftsfelder, Beschäftigungsperspektiven für Langzeitarbeitslose, Ältere und Geringqualifizierte sowie eine stärkere Kooperation mit den östlichen Nachbarn. Für den weiteren Aufbau Ost stehen seit 2005 rund 156 Milliarden Euro aus dem Solidarpakt II zur Verfügung. Dieser wird ab 2009 schrittweise gekürzt und läuft im Jahr 2019 aus.


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