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US-Finanzkrise

Bear Stearns, Lehman Brothers, Washington Mutual: Die Pleitewelle auf dem US-Finanzmarkt reißt nicht ab. Um einer Rezession entgegenzusteuern, plant US-Präsident George W. Bush ein milliardenschweres Sofortprogramm zur Sanierung der amerikanischen Wirtschaft. Auch in Deutschland werden die Auswirkungen der Finanzmarktkrise diskutiert.

Schlagzeile des Londoner Evening Standard: "5.000 Arbeitsplätze gehen aufgrund der Bankenkrise verloren". Foto: APSchlagzeile des Londoner Evening Standard: "5.000 Arbeitsplätze gehen aufgrund der Bankenkrise verloren". Foto: AP
Schnelles Handeln sei erforderlich, ansonsten sei die gesamte amerikanische Wirtschaft in Gefahr, warnte US-Präsident George W. Bush am Mittwoch (25.09.2008) in einer außerplanmäßigen Fernsehansprache. Tatenlosigkeit könne Banken ruinieren, Rentenpläne bedrohen und Millionen Arbeitsplätze gefährden - die Folge sei eine "lange und schmerzhafte Rezession". Er warb damit für ein am vergangenen Freitag (19.09.2008) von der Regierung beschlossenes Hilfsprogramm in Höhe von 700 Milliarden Dollar, das der amerikanischen Wirtschaft wieder auf die Beine helfen soll. Dafür braucht er die Zustimmung des Kongresses - doch die Parlamentarier sind skeptisch. Zwar sehen auch sie Handlungsbedarf, fordern aber im Gegenzug Rechenschaft und mehr Verantwortung der Banken. Von den Demokraten kommt die Forderung, die Vorstandsgehälter solcher Finanzinstitute, die von den staatlichen Geldern profitieren, zu reduzieren. Zudem sollte auch Hausbesitzern, die im Zuge der Krise in Not geraten sind, finanziell unter die Arme gegriffen werden. Übereingekommen ist man mit der Regierung, gegebenenfalls auch Wertpapiere der Banken als Gegenleistung für die staatlichen Transferzahlungen zu fordern. Dadurch könne die Regierung an späteren Gewinnen der Institute teilhaben.

Ein Krisentreffen mit den Parlamentarieren am Donnerstag (25.09.2008) im Weißen Haus, um das US-Präsident George W. Bush gebeten hatte, brachte keine Lösung. Somit ist auch fraglich, ob der zuvor in den zuständigen Ausschüssen erzielte Kompromiss über das Paket nicht noch einmal neu geschnürt werden muss, da er von beiden Häusern gebilligt werden muss.

Auch in der Bundesrepublik werden die Auswirkungen der Krise diskutiert. In einer Regierungserklärung hat Bundesfinanzminister Peer Steinbrück am Donnerstag (25.09.2008) tiefgreifende Veränderungen angemahnt: Die USA liefen Gefahr, ihre herausragende Stellung im Weltfinanzsystem einzubüßen. Niedrigere Wachstumsraten und negative Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt könnten auch in Deutschland spürbar werden, so Steinbrück.

Die Pleitewelle auf dem Finanzmarkt ist verknüpft mit der US-Immobilienkrise. Um nach den Terroranschlägen des 11. September 2001 einer wirtschaftlichen Stagnation entgegenzuwirken, setzte die US-Notenbank auf niedrige Zinsen, um Kredite attraktiv zu machen. Insbesondere auf dem amerikanischen Immobilienmarkt setzte ein beispielloser Bauboom ein, da Baugeld in Folge der Zinssenkung billig geworden war. Die Hypothekenbanken gewährten nahezu jedem Amerikaner einen Kredit, selbst wenn er über kein Eigenkapital oder andere Sicherheiten verfügte.

Den Finanziers war das Risiko, das sie eingingen, durchaus bewusst: Sie vermischten diese "faulen" Kredite mit komplexen Wertpapierformen und verkauften dieses Paket an Großanleger, die diese wiederum neu zusammensetzten und veräußerten. Am Ende war kaum ersichtlich, wo die Risikokredite lagerten. Seit 2004 hob die Notenbank den Zinssatz sukzessive wieder an. Der Immobilienmarkt war gesättigt, die Preise für Häuser sanken. Das setzte eine Kettenreaktion frei: Weil die Immobilien an Wert verloren, erhöhten die Geldgeber ihre Raten, um nicht auf den Risiken sitzen zu bleiben. Viele Schuldner konnten diese nicht mehr bezahlen und mussten ihre Hypotheken verkaufen. In diese Abwärtsspirale gerieten auch die Kreditgeber, die ihren Schuldnern das Geld ohne Sicherheiten anvertraut hatten. Erste Hypotheken- und Bausparbanken gingen pleite. Es kam zu einer Vertrauenskrise im Bankensystem: Weil keiner wusste, wer welche Risiken im Depot hatte, wollten sich die Banken untereinander kein Geld mehr leihen. Die Pleitewelle nahm ihren Lauf und selbst Branchenriesen mussten Konkurs anmelden. Experten sprechen von der größte Banken-Pleite der amerikanischen Geschichte.


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