Terroranschlag in Islamabad
Pakistan kommt nicht zur Ruhe: Mit dem schweren Bombenanschlag auf das
Luxushotel Marriott vom Samstag (21.09.2008) hat der Terror die Hauptstadt
Islamabad getroffen. Der neue Präsident Asif Ali Zardari kündigte harte
Vergeltungsmaßnahmen an.
Offiziell herrscht über die Drahtzieher und Motive des Anschlags noch Unklarheit. Mögliches Ziel der Terroristen könnte die pakistanische Staatsführung gewesen sein: Innenminister Rehman Malik sagte einem Bericht der Nachrichtenagentur AP zufolge, Präsident Zardari und Premierminister Yousuf Raza Gilani seien zum Zeitpunkt in dem Hotel verabredet gewesen. Der Ort sei jedoch kurzfristig geändert worden.
Pakistan wird seit Monaten von einer Welle islamistischer Anschläge erschüttert, die immer weiter ins Landesinnere vordringen. Zuletzt kam es am Tag der Präsidentschaftswahlen (06.09.2009) in der Nähe der Stadt Peschawar zu einem Selbstmordanschlag, bei dem mindestens 30 Menschen starben und 80 weitere verletzt wurden. Den jüngsten Anschlag werten Experten auch als symbolischen Angriff auf die Sicherheitsbehörden des Landes. Das Luxushotel steht im Machtzentrum der pakistanischen Hauptstadt und gilt als eines der am besten bewachten Gebäude. Nach Angaben der pakistanischen Wissenschaftlerin Ayesha Siddiqa habe der Terror im Land damit eine neue Dimension erreicht: "Das System von Recht und Ordnung kollabiert." Unter dem islamistischen Terror habe die Moral des pakistanischen Sicherheitsapparats stark gelitten.
Damit könnte sich die ohnehin instabile Situation im Land weiter verschärfen. Der pakistanische Justizminister Farooq Naek bezeichnete den Anschlag auf das Marriott als "Pakistans 11. September". Nur wenige Stunden zuvor hatte Präsident Zardari in seiner ersten Rede vor dem Parlament ein hartes Vorgehen gegen islamistische Kämpfer angekündigt. Seit Monaten liefern sich die pakistanische Armee und islamische Extremisten im Nordwesten Pakistans schwere Kämpfe. Zuletzt hatte die Regierung in einer großangelegten Militäroffensive in der Stammesregion Bajaur, die als Hochburg der von pakistanischen Taliban unterstützten al-Qaida gilt, 800 mutmaßliche Rebellen getötet. Der Politologe Hasan Askari wertete die Anschlagsserie als einen Akt der Vergeltung. Der Anti-Terror-Einsatz habe die Rebellen wütend gemacht.
Bis zu den Anschlägen vom 11. September 2001 unterhielt Pakistan als eins der wenigen Länder diplomatische Beziehungen zur Taliban-Regierung in Afghanistan. Nach dem Sturz der Taliban im Jahr 2001 leitete die Regierung in Islamabad einen Kurswechsel ein und schlug sich im Kampf gegen den internationalen Terrorismus auf die Seite der USA. Als enger Verbündeter Washingtons steht das Land deshalb im Visier islamistischer Terroristen. Ende letzten Jahres hatten sich die Extremisten, die bislang in etwa 40 Milizen verstreut waren, zum Dachverband der "Tehrik-e-Taliban" (TTP) zusammengeschlossen. Wie die afghanischen Taliban kämpfen sie für einen Gottesstaat auf pakistanischem Staatsgebiet.

