Erde

20 Jahre Weltklimarat

Vor 20 Jahren wurde der Weltklimarat gegründet. Seitdem hat das UN-Gremium dafür gesorgt, dass in Politik und Gesellschaft den Ursachen und Folgen des Klimawandels stärkere Aufmerksamkeit geschenkt wird.

Die Veränderung der Spurengase in der Atmosphäre durch den Menschen führt zum Klimawandel. Foto: franzernst, photocase.comDie Veränderung der Spurengase in der Atmosphäre durch den Menschen führt zum Klimawandel. Foto: franzernst, photocase.com
Der Weltklimarat (Intergovernmental Panel on Climate Change, kurz: IPCC) hat am Sonntag (31.08.2008) sein 20-jähriges Bestehen gefeiert. Anlässlich der Feierlichkeiten machte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon auf die wachsende Bedeutung des UN-Gremiums aufmerksam: "Der Klimawandel ist längst nicht mehr nur ein Phänomen", sagte Ban bei der Jubiläumsfeier in Genf. "Er hat sich zu einer umfassenden Krise entwickelt, die weite Bereiche menschlicher Bemühungen gefährdet."

1988 von den UN-Behörden für Meteorologie (WMO) und Umwelt (UNEP) ins Leben gerufen, hat sich der Weltklimarat zu einer gewichtigen Institution für die Klimaforschung etabliert. Zwar führt der Weltklimarat keine eigenen Forschungsprojekte durch, aber Wissenschaftler und Vertreter aus mehr als 100 Staaten tragen in dem zwischenstaatlichen Ausschuss Ergebnisse wissenschaftlicher Studien zusammen, analysieren diese, tauschen ihr Wissen aus und überprüfen es. Auf diese Weise soll die wissenschaftliche Forschung zu Ursachen, Wirkungen und Risiken des Klimawandels qualitativ gesichert und ein Konsens hergestellt werden.

Alle vier bis sechs Jahre veröffentlicht das UN-Gremium Sachstandsberichte, die den Wissensstand der Klimaforschung bündeln. Diese Klimareporte sollen den politischen und gesellschaftlichen Akteuren wissenschaftlich fundierte Empfehlungen für die Entscheidungsfindung an die Hand geben. An der Berichterstattung sind nahezu alle führenden Forschungseinrichtungen beteiligt. Ebenso wirken Umweltorganisationen mit. Die Gutachter stammen aus der Wissenschaft wie auch der Politik, um die Akzeptanz der Ergebnisse unter den politischen Entscheidungsträgern zu erhöhen. 2007 wurde der Weltklimarat für seine Arbeit mit dem Friedensnobelpreis geehrt.

Bisher hat der Weltklimarat vier große Forschungsberichte herausgegeben. In seinem ersten Report (First Assesment Report) stellte das Gremium 1990 fest, dass sich das globale Klima jedes Jahr um 0,3 Grad erhöht. Damals gingen die Experten allerdings noch von einem natürlichen Treibhauseffekt aus. Dieser würde durch die vom Menschen erzeugten Emissionen lediglich verstärkt. Dennoch lieferte der Bericht einen wesentlichen Anstoß für die Verabschiedung der Klimarahmenkonvention in Rio de Janeiro 1992, in der sich die Industrieländer auf Maßnahmen zu einer langfristigen Reduzierung der Treibgasemissionen einigten.

Der zweite Bericht folgte fünf Jahre später und machte erstmals auf den erkennbaren menschlichen Einfluss auf das Klima aufmerksam. Der Bericht bildete die Grundlage für das Kyoto-Protokoll, das die Industrieländer völkerrechtlich bindend in die Pflicht nimmt, ihre CO2-Emissionen im Vergleich zu 1990 bis zum Zeitraum zwischen 2008 und 2012 im Mittel um 5,2 Prozent zu reduzieren.

Der dritte Bericht aus dem Jahr 2001 sprach erstmals davon, dass die vom Menschen erzeugten Treibhausgase hauptverantwortlich für die Erderwärmung seien. Die durchschnittlichen Temperaturen und der Meeresspiegel würden weiter ansteigen, sollte der Mensch keine Maßnahmen ergreifen.

Am deutlichsten bringt der vierte und bisher letzte Bericht (AR4), der 2007 in vier Teilen veröffentlicht wurde, das Thema zur Sprache. Das Fazit: "Die Klimaerwärmung ist eindeutig". Und: Der Mensch sei "sehr wahrscheinlich" schuld an der globalen Erwärmung. Bis 2100 könne es bis zu vier Grad Celsius - im schlimmsten Fall sogar sechseinhalb Grad Celsius - wärmer werden, so der jüngste UN-Weltklimabericht. Ein Ansteigen des Meeresspiegels um mindestens 18 und bis zu 59 Zentimeter wäre die Folge. Aber auch mit einem häufigeren Auftreten von extremen Wetterlagen, Dürren und Überschwemmungen rechnen die Experten. Ganze Lebensräume, so der Bericht, könnten sich grundlegend verändern.

Mehr zum Thema

Dr. Rajendra Pachauri, Vorsitzender des Weltklimarates (IPCC) bei einer Pressekonferenz 2002.

Thorsten Koska

Schwarz auf weiß: Arbeit und Berichte des Weltklimarates (IPCC)

Dass der Klimawandel heute weltweit auf der politischen Tagesordnung steht, verdanken wir vor allem der Arbeit des Weltklimarates. Mit seinen detaillierten Berichten zum Stand der Forschung konnte er die Zweifel am Klimawandel glaubwürdig widerlegen. Weiter...

Dr. Charles Keeling blickt über globale Klima Daten während eines Interviews bei ihm zu Hause in Del Mar, Kalifornien.

Christiane Beuermann

Die Entdeckung des menschlichen Einflusses auf das Klima

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde erstmals der menschliche Einfluss auf das Klima erwähnt. Allerdings bewertete man damals die globale Erwärmung noch als positiv. Erst allmählich entschlüsselten Wissenschaftler die Folgen und Auswirkungen auf das Klima. Weiter...

Zwei Frauen balacieren auf überschwemmten Zuggleisen. Der senegalesische Ort Thiaroye Sur Mer ist 2010 völlig überschwemmt.

Urda Eichhorst

Die Kehrseite der Medaille

Die Erdoberfläche erwärmt sich schneller als je zuvor. Leidtragende werden größtenteils Entwicklungsländer sein. Aber auch hierzulande macht sich der Klimawandel bemerkbar. Um einen gerechten Ausgleich zu schaffen, finden auf internationaler und nationaler Ebene Überlegungen zur Anpassung an die neue Situation statt. Nötig sind technologische, institutionelle sowie Verhaltensanpassungen. Weiter...