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Afghanistan: Anschlag auf Bundeswehrsoldaten

Bei einem Anschlag im nordafghanischen Kundus ist am Mittwoch (27.08.2008) ein Soldat der Bundeswehr durch einen Sprengsatz getötet worden - drei weitere Soldaten wurden verletzt. Laut Medienberichten haben sich die Taliban zu dem Anschlag bekannt.

Seit 2002 starben 28 Bundeswehrsoldaten in Afghanistan. Foto: APSeit 2002 starben 28 Bundeswehrsoldaten in Afghanistan. Foto: AP
Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) sprach von einem "feigen, hinterhältigen Anschlag". Er betonte aber auch, der Anschlag dürfe Deutschland nicht von seiner Aufgabe in Afghanistan abbringen. Erst vor wenigen Tagen (19.08.2008) waren bei schweren Gefechten mit Kämpfern der radikal-islamischen Taliban mindestens zehn französische Soldaten der International Security Assistance Force (ISAF) getötet worden. Mit zunehmendem Terror würden die Taliban versuchen, in den Heimatländern der ISAF-Soldaten Zweifel an deren Einsatz zu schüren - so die Befürchtung von Experten. Der Deutsche Bundestag stimmt Anfang Oktober über eine Verlängerung des Bundeswehr-Mandats für Afghanistan und eine Aufstockung der Truppenstärke ab.

Mit dem Anschlag vom Mittwoch wurde das erste Mal seit Mai 2007 ein Soldat der Bundeswehr durch die Taliban getötet. Mit dem Tod des Fallschirmjägers erhöht sich die Zahl der seit Beginn des Einsatzes 2002 gestorbenen deutschen Soldaten auf 28.

Die Bundeswehr trägt seit Mitte 2006 im Rahmen des ISAF-Einsatzes die Verantwortung für das Regionalkommando im Norden Afghanistans. Fast 3.500 Bundeswehr-Soldaten sind gegenwärtig im Land stationiert. Damit stellt Deutschland unter den 40 Nationen, die sich an der ISAF-Truppe beteiligen, das drittgrößte Kontingent - nach den USA und Großbritannien. Auftrag der Bundeswehr ist, die afghanische Regierung bei der Herstellung und Wahrung der Sicherheit zu unterstützen sowie für die Sicherheit von UN-Mitarbeitern zu sorgen.

Zusätzlich stellt die Bundeswehr seit dem 1. Juli dieses Jahres im Rahmen der ISAF eine 200 Mann starke so genannte Quick Reaction Force (QRF). Diese kommt zum Einsatz, wenn kurzfristig Verstärkungskräfte gebraucht werden. Sie steht aber auch bereit, um als Kampftruppe Verbündete wie die afghanische Armee zu unterstützen.

Unabhängig von den ISAF-Truppen operieren in Afghanistan Einheiten der US-geführten Antiterror-Operation "Enduring Freedom" (OEF). Auch daran ist die Bundeswehr beteiligt: Laut Beschluss des Bundestags kann sie bis zu 100 Soldaten des Kommandos Spezialkräfte (KSK) nach Afghanistan entsenden.

Grundlage für den ISAF-Einsatz ist die "Bonner Vereinbarung": Nach dem Sturz des Taliban-Regimes hatten sich im November 2001 Delegationen verschiedener afghanischer Gruppierungen bei einer Konferenz in Deutschland auf Regelungen für den Aufbau dauerhafter Regierungsinstitutionen geeinigt. Sie folgten damit einem von den Vereinten Nationen ausgearbeiteten Fünf-Punkte-Plan. Der UN-Sicherheitsrat erteilte daraufhin das ISAF-Mandat. Der deutsche Bundestag beschloss schließlich erstmalig am 20. Dezember 2001 die Beteiligung der Bundeswehr an dem Einsatz.


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