Erde

China vor den Spielen

Fast täglich verschwindet Peking unter einer dichten Smogwolke. Nun hat die chinesische Führung Fahrverbote erlassen und zahlreiche Fabriken geschlossen. Das Ziel: saubere Luft während der Olympischen Spiele.

Während der Straßenverkehr in Peking abnimmt, füllen sich die U-Bahnen. Foto: APWährend der Straßenverkehr in Peking abnimmt, füllen sich die U-Bahnen. Foto: AP
Am 8. August beginnen in Peking die Olympischen Sommerspiele. Um das Versprechen der "grünen Spiele" einzulösen und für eine bessere Luftqualität zu sorgen, gelten in der chinesischen Hauptstadt seit Sonntag (20.07.2008) die bislang umfangreichsten Fahrverbote. Von gut drei Millionen Autos, die in Peking zugelassen sind, dürfen mehr als die Hälfte nicht mehr fahren. Die chinesischen Behörden haben festgelegt, dass Autos, deren Nummernschilder mit einer geraden Nummer enden, an geraden Tagen fahren dürfen - und umgekehrt. Die Anweisungen gelten für einen Zeitraum von zwei Monaten, der sowohl die Olympischen Spiele als auch die Paralympics umfasst. Solange sollen die 17 Millionen Pekinger auf Taxis und öffentliche Verkehrsmittel umsteigen. Dazu wurden am Samstag (19.07.2008) zwei neue U-Bahnlinien sowie eine neue Bahnlinie in Betrieb genommen. Der Vizepräsident der Pekinger Umweltschutzbehörde, Du Shaozhong, erhofft sich von den Fahrverboten eine Reduzierung der von Autos verursachten Schadstoffe um 63 Prozent.

Die Fahrverbote sind nur ein Mittel im Kampf gegen den Smog. Zusätzlich hat die Regierung einen Produktionsstopp für zahlreiche Fabriken veranlasst. Etwa 300 Industrieanlagen mussten ihren Betrieb einstellen. Die chinesische Führung sah sich zuletzt einem wachsenden Druck ausgesetzt, nachdem Spitzensportler ihre Teilnahme an den Sommerspielen wegen gesundheitlicher Bedenken in Frage stellten. Der äthiopische Marathonweltrekordler Haile Gebrselassie hatte deswegen sogar seine Teilnahme an den Spielen abgesagt.

Nach Angaben der Weltbank liegen 16 der 20 Städte mit der weltweit schlechtesten Luftqualität in China. Hauptverantwortlich für die schlechte Luft ist der hohe Anteil von Kohle an der Energieerzeugung, der bei etwa 65 Prozent liegt. Zwar wurden seit der Jahrtausendwende von der politischen Führung verstärkt umweltpolitische Maßnahmen ins Leben gerufen. Die Vorhaben existieren in erster Linie aber nur auf dem Papier. So will China etwa seine Kohleförderung bis 2010 um 18 Prozent erhöhen. Umweltstandards werden vor allem in so genannten "Schlüsselgebieten", im besser entwickelten Osten des Landes, angewendet. Das führt teilweise dazu, dass besonders umweltverschmutzende Industrien ins Hinterland und in den weniger entwickelten Westen des Landes verlagert werden.

Mit mehr als 33 Prozent ist China nach den USA der weltweit zweitgrößte Erzeuger von Treibhausgasen - Tendenz steigend. Einer Studie der Weltbank zufolge sterben in China jährlich 460.000 Menschen vorzeitig an den Folgen der Luftverschmutzung und verseuchtem Trinkwasser.


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